Airbus A320 Neo von Lufthansa mit Jubiläumslackierung: der Konzern sucht den Frieden mit den Gewerkschaften.

Mehr als nur SchlichtungLufthansa-Führung will den gordischen Knoten durchtrennen und sucht den Frieden mit den Gewerkschaften

Streiks, Sparprogramme und immer neue Töchter: Seit einem Vierteljahrhundert liefern sich Lufthansa und ihre Gewerkschaften erbitterte Auseinandersetzungen. Jetzt soll damit ein für alle Mal Schluss sein. Das Ziel des Managements des Konzerns ist ambitioniert: eine «nachhaltige Befriedung» der Sozialpartnerschaft.

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Die erste Luft Hansa wurde vor 100 Jahren gegründet. Das feiert die heutige Lufthansa schon das ganze Jahr über mit Festen, Aktionen, Spezialflügen und Sonderlackierungen. Doch das Jubeljahr wird überschattet von zwei einschneidenden Ereignissen, welche die Finanzen des Konzerns arg belasten - dem Iran-Krieg und seinen Folgen sowie den zahlreichen Streiks im Frühjahr.

Eines der beiden Geschehnisse ist allerdings nicht neu für den deutschen Luftfahrtkonzern: Seit einem Vierteljahrhundert liegt die Führung im Clinch mit den Gewerkschaften. Zwei zentrale Konflikte belasten Lufthansa Group dabei seit Jahren: die Altersversorgung für das Cockpitpersonal bei Lufthansa, Lufthansa Cityline, Lufthansa Cargo und Eurowings und der Aufbau von kostengünstigeren Töchtern unter dem Dach von Lufthansa. Nun will die Führung diesen gordischen Knoten offenbar endlich durchtrennen, den sie durch die Schaffung immer neuer Töchter und dem unentwegten Beharren auf Einsparungen selbst mit verursacht hat. Die Gewerkschaften reagierten darauf nicht minder stur und aggressiver.

Air France-KLM hat es vorgemacht

Jetzt wollen Lufthansa Group und in einem ersten Schritt die Vereinigung Cockpit die bestehenden Tarifkonflikte lösen. Sie haben dafür eine Schlichtung vereinbart. Doch es geht dem Management um viel mehr als nur die aktuellen Konflikte. Man lasse sich Zeit bei den Gesprächen, so Konzernvorstand Michael Niggemann in einem internen Interview. Man wolle «die Zeit nutzen und am Ende zu tragfähigen Ergebnissen kommen». Es gehe um nicht weniger als eine «nachhaltige Befriedung in der Sozialpartnerschaft». Man müsse in Zukunft wieder «stärker miteinander statt übereinander sprechen», so der Manager weiter. Es ist fast schon ein Eingeständnis, dass der bisherige Kurs gescheitert ist.

Michael Niggemann: «Nachhaltige Befriedung in der Sozialpartnerschaft».

Das ist auch eine Kostenfrage, wie kürzlich Air France-KLM-Chef Benjamin Smith vorrechnete. «Als ich 2018 angefangen habe, war meine Priorität, das soziale Klima zu beruhigen und Vertrauen zu den Mitarbeitenden aufzubauen», sagte er in einem Interview. Zuvor hatten zahlreiche Streiks den Konzern belastet und nach seinen Angaben rund eine Milliarde Euro gekostet. Sein Ansatz sei gewesen: mehr Dialog, mehr Nähe zu den Berufsgruppen und ein stärkeres Verständnis für operative Abläufe. Die Folge: weniger Kosten durch Streiks, höhere Motivation.

«Wettbewerbsfähigkeit von Lufthansa» im Mittelpunkt

Vorgesehen sind im deutschen Konzern in den kommenden Monaten drei getrennte Schlichtungsverfahren für Lufthansa und Lufthansa Cargo, Eurowings sowie Lufthansa Cityline. Bei Lufthansa und Lufthansa Cargo geht es um die betriebliche Altersversorgung, die Übergangsversorgung und den Vergütungstarifvertrag, bei Eurowings um die betriebliche Altersversorgung und bei der abrupt geschlossenen Tochter Lufthansa Cityline - ein weiterer Affront gegenüber den Gewerkschaften - um Fragen im Zusammenhang mit der Betriebsstilllegung.

Parallel dazu soll eine umfassendere Mediation stattfinden. Dabei soll insbesondere die «Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit von Lufthansa» im Mittelpunkt stehen, so der Konzern. Vorstand Niggemann macht deutlich, dass eine weitere Verkleinerung der Kernmarke vermieden werden soll: «Ein weiteres Schrumpfen ist nicht in unserem gemeinsamen Interesse», so der Manager. Streiks sind vorerst genauso ausgeschlossen.

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