Die erste Luft Hansa wurde vor 100 Jahren gegründet. Das feiert die heutige Lufthansa schon das ganze Jahr über mit Festen, Aktionen, Spezialflügen und Sonderlackierungen. Doch das Jubeljahr wird überschattet von zwei einschneidenden Ereignissen, welche die Finanzen des Konzerns arg belasten - dem Iran-Krieg und seinen Folgen sowie den zahlreichen Streiks im Frühjahr.
Eines der beiden Geschehnisse ist allerdings nicht neu für den deutschen Luftfahrtkonzern: Seit einem Vierteljahrhundert liegt die Führung im Clinch mit den Gewerkschaften. Zwei zentrale Konflikte belasten Lufthansa Group dabei seit Jahren: die Altersversorgung für das Cockpitpersonal bei Lufthansa, Lufthansa Cityline, Lufthansa Cargo und Eurowings und der Aufbau von kostengünstigeren Töchtern unter dem Dach von Lufthansa. Nun will die Führung diesen gordischen Knoten offenbar endlich durchtrennen, den sie durch die Schaffung immer neuer Töchter und dem unentwegten Beharren auf Einsparungen selbst mit verursacht hat. Die Gewerkschaften reagierten darauf nicht minder stur und aggressiver.
Air France-KLM hat es vorgemacht
Jetzt wollen Lufthansa Group und in einem ersten Schritt die Vereinigung Cockpit die bestehenden Tarifkonflikte lösen. Sie haben dafür eine Schlichtung vereinbart. Doch es geht dem Management um viel mehr als nur die aktuellen Konflikte. Man lasse sich Zeit bei den Gesprächen, so Konzernvorstand Michael Niggemann in einem internen Interview. Man wolle «die Zeit nutzen und am Ende zu tragfähigen Ergebnissen kommen». Es gehe um nicht weniger als eine «nachhaltige Befriedung in der Sozialpartnerschaft». Man müsse in Zukunft wieder «stärker miteinander statt übereinander sprechen», so der Manager weiter. Es ist fast schon ein Eingeständnis, dass der bisherige Kurs gescheitert ist.
Michael Niggemann: «Nachhaltige Befriedung in der Sozialpartnerschaft». Lufthansa Group
«Wettbewerbsfähigkeit von Lufthansa» im Mittelpunkt
Parallel dazu soll eine umfassendere Mediation stattfinden. Dabei soll insbesondere die «Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit von Lufthansa» im Mittelpunkt stehen, so der Konzern. Vorstand Niggemann macht deutlich, dass eine weitere Verkleinerung der Kernmarke vermieden werden soll: «Ein weiteres Schrumpfen ist nicht in unserem gemeinsamen Interesse», so der Manager. Streiks sind vorerst genauso ausgeschlossen.
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