Krönendes Highlight der Feierlichkeiten ist eine große Gala im Hangar One am Frankfurter Flughafen. Zu den geladenen Ehrengästen gehörten am Mittwoch (15. April) der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sowie Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. Während drinnen die Prominenz das 100-jährige Jubiläum feierte, demonstrierten draußen die Gewerkschaften und machten so ihrem Ärger Luft.
Gewerkschaften crashen die Party bei Lufthansa
Lufthansa und Lufthansa Cityline werden am 15. und 16. April wieder vom Kabinenpersonal bestreikt. Doch damit ist das Ende noch nicht erreicht. Die Pilotengewerkschaft rief das Cockpitpersonal von Lufthansa und Cityline für den 16. und 17. April zum Streik auf. Eurowings soll am 16. April betroffen sein. Tausende Flüge mit Hunderttausenden betroffenen Passagieren fallen aus.
Konflikte schwelen im Konzern seit Jahren
Und damit eskalieren ausgerechnet in der Jubiläumswoche die seit Jahren schwelenden Konflikte innerhalb des Konzerns. Sie sind zwar nicht einheitlich, sondern bestehen aus mehreren parallelen Baustellen. Zwei zentrale Konflikte belasten Lufthansa Group seit Jahren: die Altersversorgung für das Cockpitpersonal bei Lufthansa, Lufthansa Cityline, Lufthansa Cargo und Eurowings und der Aufbau von kostengünstigeren Töchtern unter dem Dach von Lufthansa.
Mit der Folge, dass der Konzern regelmäßig von Streiks betroffen ist. Bereits vor 25 Jahren kurz vor den Terroranschlägen kam es zu mehreren Arbeitsniederlegungen des Cockpitpersonals. Die Vereinigung Cockpit forderte damals strukturelle Verbesserungen sowie Gehaltssteigerungen von 35 Prozent. Lufthansa bot lediglich 10,6 Prozent an. Die Verhandlungen scheiterten, es folgte der Streik. Am Ende einigte man sich auf 12 Prozent mehr Grundgehalt sowie eine Ergebnisbeteiligung in Höhe von zwei Monatsgehältern.
Nach 2001 begann die Diskussion über Billigairlines
Die Anschläge vom 11. September 2001 beendeten Tarifauseinandersetzungen für kurze Zeit. Lufthansa legte Sparprogramme auf. Die Gewerkschaften akzeptierten teilweise die harten Einschnitte. In den Folgejahren stellte sich der Konzern neu auf. In der Zeit beginnen die Debatten um, über eigene Billigableger im Konzern.
Die große Streikphase der jüngeren Geschichte begann in den Jahren 2014 bis 2016. Zwischen April 2014 und November 2016 rief die Pilotengewerkschaft ihre Mitglieder bei Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings zu 14 Streiks auf. Allein im Jahr 2014 gab es zehn Streikaufrufe, die teilweise mehrere Tage andauerten.
2014 folgte der vorerst größte Ausstand bei Lufthansa
Besonders schwerwiegend war jedoch der erste Streik zwischen dem 2. und 4. April 2014. Damals legten die Piloten den Konzern nahezu lahm: 3800 Flüge fielen aus, und 425.000 Reisende waren betroffen. Es war der bis dahin schwerwiegendste Arbeitskampf der Firmengeschichte. Die weiteren Streiks betrafen entweder nur die Langstrecke oder die Kurzstrecke oder nur einzelne Standorte.
Im Folgejahr rief die Vereinigung Cockpit die Piloten achtmal zu Arbeitskämpfen auf, die teilweise über mehrere Tage gingen 2016 endete die große Protestwelle nach der 14. Verhandlungsrunde. Beide Parteien einigten sich auf ein Schlichtungsverfahren. In den zwei Jahren der Auseinandersetzung mussten fast 9500 Flüge gestrichen werden, mehr als eine Million Passagiere waren betroffen. Der Gesamtschaden soll sich auf über 300 Millionen Euro belaufen haben.
Einigung durch Schlichtung erst 2017
Hintergrund des Konflikts waren Gehaltsverhandlungen, Übergangsrenten und die Altersvorsorge. Die Vereinigung Cockpit forderte eine durchschnittliche jährliche Gehaltserhöhung von 3,66 Prozent, während die Lufthansa lediglich 2,0 bis 2,4 Prozent anbot. Auch bei den Übergangsrenten und der Altersvorsorge lagen beide Seiten weit auseinander. Die Pilotengewerkschaft verlangt höhere Arbeitgeberbeiträge zur Altersvorsorge, um die bisherigen Standards zu sichern.
Pandemie brachte kurzzeitig Ruhe
Damit kehrte eine verhältnismäßige Ruhe ein. Zwar hatte die Kabinengewerkschaft Ufo die Beschäftigten der Kabine bei Lufthansa, Lufthansa Cityline und Germanwings 2019 gleich dreimal zu Warnstreiks aufgefordert, aber letztlich hat der Konzern die Forderungen erfüllt und die Streiks abgewendet. Ende 2019 streikte Ufo dann doch bei Germanwings. Die Airline musste über 100 Flüge streichen. Zentraler Streitpunkt waren die Teilzeitregelungen des Kabinenpersonals.
Streiks nehmen seit 2022 wieder Fahrt auf
Im Juli 2022 streikte das Bodenpersonal von Lufthansa und Lufthansa Technik für einen Tag, aufgerufen von der Gewerkschaft Verdi. Nach dem Wiedererstarken des Luftverkehrs forderten die Beschäftigten einen Inflationsausgleich und höhere Löhne. Im September 2022 folgten die Piloten mit einem eintägigen Streik bei Lufthansa und Lufthansa Cargo. Sie verlangten eine Reduzierung der Arbeitsbelastung, deutliche Gehaltserhöhungen sowie strukturelle Verbesserungen.
Im Februar 2024 begann eine neue Streikphase: Die Pilotinnen und Piloten von Discover Airlines legten vom 4. bis 6. Februar die Arbeit nieder. Ihr Ziel war ein erster Tarifvertrag sowie die Abwehr von Lohn- und Wettbewerbsdumping innerhalb des Konzerns.
2024 wird klar, dass Lufthansa Cityline aufgegeben wird
Im März 2024 folgten Arbeitskämpfe des Kabinenpersonals, aufgerufen von der Ufo bei Lufthansa und Cityline. Die Streiks erstreckten sich über mehrere Termine und umfassten insgesamt zwei bis vier Streiktage. Im Fokus standen Vergütungsfragen, ein Inflationsausgleich sowie die Aufarbeitung von Belastungen und Einschnitten aus der Corona-Zeit. Zudem streikte auch das Bodenpersonal an mehreren Tagen, ausgelöst durch Forderungen nach höheren Löhnen.
Und ein Ende ist nicht abzusehen
Die Vereinigung Cockpit streitet nach wie vor für eine Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge, Vergütung, des Inflationsausgleichs sowie der Arbeitsbedingungen bei Tochterfirmen. Auch das Kabinenpersonal beteiligte sich an Arbeitskämpfen, wobei es insbesondere um Arbeitszeitmodelle, Schichtplanung, Gehalt, Zuschläge sowie Personalabbau und Umstrukturierungen ging.
Mit den aktuellen Arbeitsniederlegungen hat der Konflikt eine neue Dimension erreicht. Die Gewerkschaften versuchen, den gesamten Konzern zu treffen. Und das Management giftelt umso harscher zurück. Damit dreht sich die Streitspirale weiter. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Das Resultat: Alle verlieren.
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