Am Dienstag (11. August) legte Air Baltic einen neuen Geschäftsplan vor, zu dem tatsächlich auch eine deutliche Schrumpfung der Flotte gehört. So will die Fluglinie statt wie aktuell 54 Airbus A220-300 Ende 2026 nur noch 36 betreiben - ein Drittel oder 18 Jets weniger also.
Air Baltic will 2031 nur noch 41 statt 100 Airbus A220
Bis 2031 soll die Flotte wieder auf rund 40 Flugzeuge wachsen, und zwar in folgenden Schritten: Für 2026 und 2027 sind 36 Airbus A220 eingeplant, dann soll es wieder aufwärts gehen - mit 37 im Jahr 2028, 39 im Jahr 2029, 40 im Jahr 2030 und 41 im Jahr 2031.
Das ist ein riesiger Unterschied im Vergleich zur bisherigen Planung, die ein starkes Wachstum auf 100 Flugzeuge im Jahr 2031 vorgesehen hatte. «Der vorherige Geschäftsplan, der im Vorfeld des geplanten Börsengangs entwickelt worden war, ging von einem anhaltenden Wachstum der Passagierzahlen und Ticketerlöse im Baltikum und auf den europäischen Märkten aus und sah einen Ausbau der Flotte auf 100 Flugzeuge vor», schreibt Air Baltic.
Faktoren Ukraine, Naher Osten, Pratt & Whitney
Seitdem habe sich das operative Umfeld erheblich verändert. «Das Wachstum von Nachfrage und Erlösen hat sich abgeschwächt, geopolitische Entwicklungen in der Ukraine und im Nahen Osten haben die Unsicherheit und die Betriebskosten erhöht, und anhaltende Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Pratt-&-Whitney-Triebwerken haben die Fähigkeit der Fluggesellschaft beeinträchtigt, ihre gesamte Flotte einzusetzen», erklärt die Fluglinie.
Der überarbeitete Geschäftsplan setzt daher zuerst auf finanzielle Stabilität und erst an zweiter Stelle auf Wachstum. So wird sich die neue Netzwerkstrategie von Air Baltic stärker auf Riga als wichtigstes Drehkreuz konzentrieren. «Statt eine breit angelegte Expansion anzustreben, will Air Baltic ihre Präsenz in bestehenden Märkten vertiefen und dort Angebot und Frequenzen ausbauen, wo Nachfrage und Profitabilität am stärksten sind», so die Fluglinie. Bestehende Basen sollen das Netzwerk weiterhin durch ausgewählte Punkt-zu-Punkt-Routen ergänzen, «taktische und saisonale Flüge» die Auslastung der Flotte übers gesamte Jahr verbessern.
Fokus auf Riga, nicht mehr auf Tallinn und Vilnius
Das Wet-Lease-Geschäft, bei dem Air Baltic Flugzeuge samt Crews zum Beispiel an Airlines der Lufthansa-Gruppe wie Swiss oder Austrian Airlines vermietet, will die lettische Fluggesellschaft zwar nicht aufgeben. Allerdings möchte sie sich künftig auf ganzjährige Partnerschaften fokussieren.
So will Air Baltic jährlich 45 Millionen Euro sparen
Das Ziel von allem ist die Senkung der Kosten. «Die jährlichen Betriebskosten sollen durch Maßnahmen bei Flotte, Netzwerk und Betrieb um rund 45 Millionen Euro gesenkt werden», wird Air Baltic konkret. Der Umsatz soll von 779 Millionen Euro im Jahr 2025 auf rund 800 Millionen Euro im Jahr 2027 und 1,0 Milliarden Euro im Jahr 2031 steigen.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasing-/Mietaufwand (Ebitdar) von Air Baltic soll von 143,9 Millionen Euro im Jahr 2025 auf rund 300 Millionen Euro im Jahr 2031 steigen. Die Nettoverschuldungsquote soll von 8,94 im Jahr 2025 bis Ende 2026 auf rund 4,8 sinken, bis Ende 2029 auf rund 2,4 und bis Ende 2031 auf etwa 1,6.
Rekapitalisierung in zwei wesentlichen Schritten geplant
Damit das gelingt, ist aber zunächste eine Rekapitalisierung nötig. Konkret heißt das: Um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken und die Umsetzung des neuen Plans möglich zu machen, strebt Air Baltic eine Zwischenfinanzierung von 225 Millionen Euro an.
Diese soll die Zeit bis zu einer dauerhaften Finanzierungslösung überbrücken und steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Beschlüsse der Anleihegläubiger und weiterer Genehmigungen. Das vorgeschlagene dauerhafte Finanzierungspaket umfasst bis zu 225 Millionen Euro neue Fremdfinanzierung und 100 Millionen Euro neues Eigenkapital.
Flugzeuge und Triebwerke dienen als größte Sicherheit
Die geplante Rekapitalisierung sieht zudem vor, einen Teil der vorrangig besicherten Anleihen mit Fälligkeit 2029 in Eigenkapital umzuwandeln. Der verbleibende Teil soll durch neue, reduzierte Verbindlichkeiten von bis zu 125 Millionen Euro ersetzt werden. Auch ein Teil bestimmter weiterer Verpflichtungen aus der Bilanz soll in Eigenkapital umgewandelt werden.
Die Zwischenfinanzierung soll voraussichtlich vorrangig durch das Sicherheitenpaket abgesichert werden, das derzeit die vorrangig besicherten Anleihen mit Fälligkeit 2029 absichert. Es hat einen geschätzten Wert von 506 Millionen Euro bei Fortführung des Geschäftsbetriebs, wovon allein 255 Millionen auf Flugzeuge und Triebwerke entfallen. Die Umsetzung setzt Beschlüsse der Inhaber der Anleihen mit Fälligkeit 2029 voraus - die Abstimmungen darüber sollen ab nächster Woche (17. August 2026) stattfinden.
«Jede erfolgreiche Fluggesellschaft muss sich anpassen»
«Jede erfolgreiche Fluggesellschaft muss sich kontinuierlich an einen sich verändernden Markt anpassen», kommentiert Air-Baltic-Chef Erno Hildén. «Dieser Geschäftsplan steht daher für disziplinierte Entscheidungen, die die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Air Baltic stärken und gleichzeitig das bewahren, was am wichtigsten ist - zuverlässige Verbindungen und einen zuverlässigen Betrieb sowie finanzielle Nachhaltigkeit.»
Der Aufsichtsrat von Air Baltic hat den Geschäftsplan schon genehmigt. Zudem hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits Gespräche «mit wichtigen Interessengruppen und potenziellen Anbietern einer Zwischenfinanzierung» geführt.
Air Baltic verspricht: Keine Beeinträchtigungen für Fluggäste
Bei all dem betont Air Baltic, sie führe den Betrieb mit dem vollständigen Flugplan weiterhin wie gewohnt durch. «Tickets, Buchungen und Dienstleistungen für Kunden bleiben unverändert», schreibt die Airline. «Die Umsetzung des Geschäftsplans wird den täglichen Flugbetrieb oder die für Fluggäste angebotenen Dienstleistungen nicht beeinträchtigen.»
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