Flugzeuge von Air Baltic: Die Flotte wird deutlich kleiner.

Neuer GeschäftsplanAir Baltic schrumpft ihre Flotte um ein Drittel - auf nur noch 36 Airbus A220

Die lettische Fluglinie will schon Ende 2026 ein Drittel weniger Flugzeuge betreiben. Zugleich plant Air Baltic, sich auf ihrer Heimatbasis Riga zu fokussieren. Zuerst muss ihr eine Rekapitalisierung gelingen, um das alles umsetzen zu können.

Top-Jobs

bwlv

Fluggerätmechaniker (m/w/d)

BWLV-Motorflugschule Hahnweide
Vollzeit
Kirchheim/Teck
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Flugschule
Pilatus Logo

Team Leader Account Management

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Hahnair Logo

Compliance Monitoring Manager (all genders)

Hahn Air Lines GmbH
Vollzeit
Düsseldorf
Top jobs
Deutschland
Feste Anstellung
Luftfahrt
Etihad Job

Captain A320

Etihad Airways
Vollzeit
Abu Dhabi
Top jobs
United Arab Emirates
Feste Anstellung

Anfang Juli gab die finanziell angeschlagene Air Baltic zwei geleaste Airbus A220-300 vorzeitig an den Leasinggeber zurück. Aus der Branche war anschließend zu hören, dass weitere Flugzeuge folgen dürften. Ein Schrumpfkurs war angesichts der großen finanziellen Probleme der lettischen Nationalairline absehbar.

Am Dienstag (11. August) legte Air Baltic einen neuen Geschäftsplan vor, zu dem tatsächlich auch eine deutliche Schrumpfung der Flotte gehört. So will die Fluglinie statt wie aktuell 54 Airbus A220-300 Ende 2026 nur noch 36 betreiben - ein Drittel oder 18 Jets weniger also.

Air Baltic will 2031 nur noch 41 statt 100 Airbus A220

Bis 2031 soll die Flotte wieder auf rund 40 Flugzeuge wachsen, und zwar in folgenden Schritten: Für 2026 und 2027 sind 36 Airbus A220 eingeplant, dann soll es wieder aufwärts gehen - mit 37 im Jahr 2028, 39 im Jahr 2029, 40 im Jahr 2030 und 41 im Jahr 2031.

Das ist ein riesiger Unterschied im Vergleich zur bisherigen Planung, die ein starkes Wachstum auf 100 Flugzeuge im Jahr 2031 vorgesehen hatte. «Der vorherige Geschäftsplan, der im Vorfeld des geplanten Börsengangs entwickelt worden war, ging von einem anhaltenden Wachstum der Passagierzahlen und Ticketerlöse im Baltikum und auf den europäischen Märkten aus und sah einen Ausbau der Flotte auf 100 Flugzeuge vor», schreibt Air Baltic.

Faktoren Ukraine, Naher Osten, Pratt & Whitney

Seitdem habe sich das operative Umfeld erheblich verändert. «Das Wachstum von Nachfrage und Erlösen hat sich abgeschwächt, geopolitische Entwicklungen in der Ukraine und im Nahen Osten haben die Unsicherheit und die Betriebskosten erhöht, und anhaltende Einschränkungen bei der Verfügbarkeit von Pratt-&-Whitney-Triebwerken haben die Fähigkeit der Fluggesellschaft beeinträchtigt, ihre gesamte Flotte einzusetzen», erklärt die Fluglinie.

Der überarbeitete Geschäftsplan setzt daher zuerst auf finanzielle Stabilität und erst an zweiter Stelle auf Wachstum. So wird sich die neue Netzwerkstrategie von Air Baltic stärker auf Riga als wichtigstes Drehkreuz konzentrieren. «Statt eine breit angelegte Expansion anzustreben, will Air Baltic ihre Präsenz in bestehenden Märkten vertiefen und dort Angebot und Frequenzen ausbauen, wo Nachfrage und Profitabilität am stärksten sind», so die Fluglinie. Bestehende Basen sollen das Netzwerk weiterhin durch ausgewählte Punkt-zu-Punkt-Routen ergänzen, «taktische und saisonale Flüge» die Auslastung der Flotte übers gesamte Jahr verbessern.

Fokus auf Riga, nicht mehr auf Tallinn und Vilnius

Sprich: Tallinn in Estland und Vilnius in Litauen behandelt Air Baltic nicht mehr wie bisher als Drehkreuze. Sie werden künftig nur noch Basen für Punkt-zu-Punkt-Verkehr sein. Erste Strecken ab Vilnius hat die Fluggesellschaft bereits gestrichen.

Das Wet-Lease-Geschäft, bei dem Air Baltic Flugzeuge samt Crews zum Beispiel an Airlines der Lufthansa-Gruppe wie Swiss oder Austrian Airlines vermietet, will die lettische Fluggesellschaft zwar nicht aufgeben. Allerdings möchte sie sich künftig auf ganzjährige Partnerschaften fokussieren.

So will Air Baltic jährlich 45 Millionen Euro sparen

Das Ziel von allem ist die Senkung der Kosten. «Die jährlichen Betriebskosten sollen durch Maßnahmen bei Flotte, Netzwerk und Betrieb um rund 45 Millionen Euro gesenkt werden», wird Air Baltic konkret. Der Umsatz soll von 779 Millionen Euro im Jahr 2025 auf rund 800 Millionen Euro im Jahr 2027 und 1,0 Milliarden Euro im Jahr 2031 steigen.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasing-/Mietaufwand (Ebitdar) von Air Baltic soll von 143,9 Millionen Euro im Jahr 2025 auf rund 300 Millionen Euro im Jahr 2031 steigen. Die Nettoverschuldungsquote soll von 8,94 im Jahr 2025 bis Ende 2026 auf rund 4,8 sinken, bis Ende 2029 auf rund 2,4 und bis Ende 2031 auf etwa 1,6.

Rekapitalisierung in zwei wesentlichen Schritten geplant

Damit das gelingt, ist aber zunächste eine Rekapitalisierung nötig. Konkret heißt das: Um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken und die Umsetzung des neuen Plans möglich zu machen, strebt Air Baltic eine Zwischenfinanzierung von 225 Millionen Euro an.

Diese soll die Zeit bis zu einer dauerhaften Finanzierungslösung überbrücken und steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Beschlüsse der Anleihegläubiger und weiterer Genehmigungen. Das vorgeschlagene dauerhafte Finanzierungspaket umfasst bis zu 225 Millionen Euro neue Fremdfinanzierung und 100 Millionen Euro neues Eigenkapital.

Flugzeuge und Triebwerke dienen als größte Sicherheit

Die geplante Rekapitalisierung sieht zudem vor, einen Teil der vorrangig besicherten Anleihen mit Fälligkeit 2029 in Eigenkapital umzuwandeln. Der verbleibende Teil soll durch neue, reduzierte Verbindlichkeiten von bis zu 125 Millionen Euro ersetzt werden. Auch ein Teil bestimmter weiterer Verpflichtungen aus der Bilanz soll in Eigenkapital umgewandelt werden.

Die Zwischenfinanzierung soll voraussichtlich vorrangig durch das Sicherheitenpaket abgesichert werden, das derzeit die vorrangig besicherten Anleihen mit Fälligkeit 2029 absichert. Es hat einen geschätzten Wert von 506 Millionen Euro bei Fortführung des Geschäftsbetriebs, wovon allein 255 Millionen auf Flugzeuge und Triebwerke entfallen. Die Umsetzung setzt Beschlüsse der Inhaber der Anleihen mit Fälligkeit 2029 voraus - die Abstimmungen darüber sollen ab nächster Woche (17. August 2026) stattfinden.

«Jede erfolgreiche Fluggesellschaft muss sich anpassen»

«Jede erfolgreiche Fluggesellschaft muss sich kontinuierlich an einen sich verändernden Markt anpassen», kommentiert Air-Baltic-Chef Erno Hildén. «Dieser Geschäftsplan steht daher für disziplinierte Entscheidungen, die die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Air Baltic stärken und gleichzeitig das bewahren, was am wichtigsten ist - zuverlässige Verbindungen und einen zuverlässigen Betrieb sowie finanzielle Nachhaltigkeit.»

Der Aufsichtsrat von Air Baltic hat den Geschäftsplan schon genehmigt. Zudem hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits Gespräche «mit wichtigen Interessengruppen und potenziellen Anbietern einer Zwischenfinanzierung» geführt.

Air Baltic verspricht: Keine Beeinträchtigungen für Fluggäste

Bei all dem betont Air Baltic, sie führe den Betrieb mit dem vollständigen Flugplan weiterhin wie gewohnt durch. «Tickets, Buchungen und Dienstleistungen für Kunden bleiben unverändert», schreibt die Airline. «Die Umsetzung des Geschäftsplans wird den täglichen Flugbetrieb oder die für Fluggäste angebotenen Dienstleistungen nicht beeinträchtigen.»

Fundierte Recherchen, Einordnung und Unabhängigkeit: Unsere Fachredaktion kennt die Luftfahrt aus Interviews, Daten und Recherchen vor Ort. Für den Preis eines Kaffees im Monat unterstützen Sie diese Arbeit und lesen aeroTELEGRAPH ohne Werbung. Ihre Unterstützung macht den Unterschied. Jetzt hier klicken und abonnieren

Mehr zum Thema

Boeing 737 von Ryanair: Bald mehr in Riga unterwegs.

Ryanair verspottet Air Baltic als «Zombie» - und greift die kriseldne Airline frontal an

Air Baltic: Das Wachstum wurde zum finanziellen Problem.

54 Airbus A220, teure Schulden, wenig Cash: Die Rechnung hinter Air Baltics Krise

ticker-air-baltic

Air Baltic erhält Zusage vom Gericht und Zugriff auf erste 140 Millionen Euro

Zwei Air-Baltic-Flugzeuge: Die Airline  leidet unter einer immensen Schuldenlast.

Wem Air Baltic wie viel Geld schuldet

Video

Ex-Swissair-Personalchef Matthias Mölleney zum Unglück von Flug SR1111: «...»
Als Flug SR111 von Swissair vor Halifax abstürzte, war Matthias Mölleney erst seit 95 Tagen Personalchef der Airline. Plötzlich musste er die Angehörigen und Mitarbeitenden betreuen und zugleich den Flugbetrieb aufrechterhalten. Fast drei Jahrzehnte später erinnert er sich an die schwersten Tage seiner Karriere – und an die Lehren für das spätere Grounding.
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
aeroTELEGRAPH-Herausgeber Stefan Eiselin zum Unglück von Flug SR1111: «»
Rauch im Cockpit, ausfallende Instrumente und schließlich ein nicht mehr kontrollierbares Flugzeug: Der Absturz von Flug SR111 von Swissair kostete 229 Menschen das Leben. Die Erkenntnisse aus der Katastrophe führten später zu neuen Sicherheitsregeln – und wirken bis heute nach.
Christopher Scheffelmeier
Christopher Scheffelmeier
Testflug für die Autoland-Zertifizierung für den Pilatus PC-12: Die Testcrew musste nicht eingreifen.
Knopf drücken, und der Rest passiert von selbst. Pilatus zeigt erstmals, wie Autoland den PC-12 Pro sicher auf die Piste bringt. Easa und FAA haben das System nun für das Flugzeug zugelassen.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies