Bombardier CRJ 900 von Lufthansa Cityline: Keine Flüge mehr.

Wirtschaftliche ProblemeLufthansa stellt Cityline ein - ab sofort keine Flüge mehr

Das Management von Lufthansa Cityline spricht noch von einem «temporären» Stopp, doch der Mutterkonzern beschäftigt sich schon mit dem Sozialplan für die Mitarbeitenden. Lufthansas Regionaltochter stellt die Flüge ab sofort ein.

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Seit zwei Jahren ist klar, dass Lufthansa Cityline ein Auslaufmodell ist. Das machte die Führung des Konzerns klar. Spätestens kommendes Jahr plante sie, die Tochter zu schließen und deren Aufgaben bis dahin vollständig an die neue Tochter Lufthansa City Airlines zu übergeben.

Doch nun kommt das Ende schneller als gedacht. Lufthansa habe sich entschieden, «die Wet-Lease-Verträge mit Lufthansa Cityline mit sofortiger Wirkung zu beenden», erklären die beiden Chefs der Zubringerairline in einem Schreiben an die Mitarbeitenden. Nicht nur das. Auch Lufthansa Cargo habe dasselbe angedroht, so Fabian Schmidt und Frank Maleiner. Für die Frachtairline betreibt Cityline vier Airbus A321 P2F. Für Lufthansa fliegt sie derzeit mit 27 aktiven Flugzeugen, 15 Bombardier CRJ 900 sowie zwölf Airbus A319.

«Ohnehin schon schwierige wirtschaftliche Situation»

Deshalb müsse man den Betrieb einstellen. Fabian Schmidt und Frank Maleiner bezeichnen die Maßnahme als «vorerst bis auf Weiteres temporär». Die dreifache Betonung lässt aber erahnen, dass eine Rückkehr wenig wahrscheinlich ist.

Dies bedeutet, dass Lufthansa Cityline ab sofort keine Flüge mehr durchführen wird. «Dieser Schritt ist schmerzvoll für uns, aber leider nicht zu vermeiden», so die Führung der Fluggesellschaft. Man habe ihn erst nach «umfänglicher Prüfung» gefällt.

Alle Angestellten werden freigestellt

Als Ursachen nennen Schmidt und Maleiner die aktuellen Entwicklungen in der Welt sowie die fortgesetzten Streiks. Sie stellten Cityline, aber auch die gesamte Lufthansa Group «vor große Herausforderungen». Sie hätten «die ohnehin schon schwierige wirtschaftliche Situation» weiter verschlechtert.

Alle betroffenen Mitarbeitenden im Cockpit und in der Kabine werden widerruflich - bis auf wenige Ausnahmen - freigestellt. «Zugleich werden die jetzt notwendigen Beratungen mit den zuständigen Gremien über die weiteren Schritte aufgenommen», so das Management von Lufthansa Cityline. Es ist ein harter Schlag für die Angestellten, die durch den Aufbau von City Airlines bereits unter Druck standen.

«Die Streiks erhöhen den Druck»

Lufthansa Group schrieb etwas später in einer eigenen Mitteilung zum Sparprogramm, zunächst würden «die 27 operativen Flugzeuge von Lufthansa Cityline endgültig aus dem Programm genommen, um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren.» Die CRJ 900 stünden kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und hätten vergleichsweise hohe Betriebskosten. Auf die Airbus A319 geht der Konzern nicht ein.

Zuletzt hatte Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann den Schritt bereits angedeutet. Die aktuellen Streiks seien «verantwortungslos», hatte er dieser Tage gesagt. Lufthansa Cityline sei hochdefizitär und mit ihrer aktuellen Kostenstruktur nicht mehr wettbewerbsfähig. «Die Streiks erhöhen den Druck und könnten diesen Prozess weiter beschleunigen.»

Gespräche zu Interessenausgleich und Sozialplan

Lufthansa Groups Finanzchef Till Streichert sagt nun, die aktuelle Krise zwinge Lufthansa zu einem früheren Cityline-Aus als ursprünglich geplant. «Das ist insbesondere mit Blick auf die Kolleginnen und Kollegen von Lufthansa Cityline ein schmerzhafter Schritt», so Streichert. «Umso wichtiger ist es nun, Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten im Konzern zu finden.»

Lufthansa verweist auf bereits in der Vergangenheit gemachte Angebote - für Bodenmitarbeitende zur neu gegründeten Lufthansa Aviation, für Crewmitglieder aus Cockpit und Kabine zu Lufthansa City Airlines. «Das Ziel bleibt bestehen, Crews der Lufthansa Cityline Optionen für eine berufliche Perspektive in der Lufthansa-Gruppe ermöglichen zu können», schreibt Unternehmen. Darüber hinaus würden mit den Betriebspartnern Gespräche zu einem Interessenausgleich und Sozialplan aufgenommen.

Airline gehört seit 1993 vollständig Lufthansa

Damit endet eine fast 70-jährige Geschichte. Aus der 1958 von Jan Janssen und Martin Dekker gegründeten Ostfriesischen Lufttaxi entwickelte sich über mehrere Stationen die heutige Lufthansa Cityline. Die kleine Inselfluggesellschaft wuchs rasch, erlitt jedoch 1970 einen Rückschlag und wurde verkauft, später als DLT Deutsche Luftverkehrsgesellschaft neu ausgerichtet und um Linienverbindungen erweitert.

Ab 1978 begann die enge Zusammenarbeit mit Lufthansa, die zunächst Anteile übernahm, ihr Streckennetz teilweise an DLT auslagerte und die Beteiligung schrittweise bis zur vollständigen Übernahme 1993 ausbaute; bereits 1992 war die Airline in Lufthansa Cityline umbenannt worden.

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