Dass ein Streik dem Arbeitgeber ökonomischen Schaden zufügt, ist ein Kollateralschaden. Es soll wehtun, damit die Arbeitnehmerseite sich in eine bessere Verhandlungsposition manövrieren kann. Das gelang auch den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo zuletzt bei der Lufthansa-Gruppe.
Lufthansa im Nachteil gegenüber Air France-KLM?
Neben Kosten durch den Streik, wie Flugausfälle und Umbuchungen, könnte der aktuelle Konflikt aber auch noch weit größere Auswirkungen haben. Das denkt zumindest Benjamin Smith. Er ist Vorstandsvorsitzender der Lufthansa-Group-Konkurrentin Air France-KLM. Beide Gruppen konkurrieren im täglichen Geschäft, aber aktuell auch um Tap, die zum Verkauf steht. Smith sieht seine Gruppe dabei deutlich besser aufgestellt.
Er stellt den sozialen Frieden im eigenen Unternehmen bewusst in den Mittelpunkt und nutzt ihn als Argument im Wettbewerb. «Als ich 2018 angefangen habe, war meine Priorität, das soziale Klima zu beruhigen und Vertrauen zu den Mitarbeitenden aufzubauen», sagte Smith gegenüber der Zeitung La Tribune. Zuvor hatten zahlreiche Streiks den Konzern belastet und nach seinen Angaben rund eine Milliarde Euro gekostet. Sein Ansatz sei gewesen: mehr Dialog, mehr Nähe zu den Berufsgruppen und ein stärkeres Verständnis für operative Abläufe.
Wettbewerb von Air France-KLM und Lufthansa um Tap
Das scheint gewirkt zu haben. Seit Smith an der Spitze steht, blieb es bei Air France-KLM weitgehend ruhig. Dazu beigetragen haben auch Gehaltserhöhungen in den vergangenen Jahren. «Ich bin überzeugt, dass das wiederhergestellte Vertrauen zu besseren finanziellen Ergebnissen beigetragen hat», so der Konzernchef.
Auch Mehrheit bei SAS angestrebt
Smith scheint sich also auch deshalb bessere Chancen auszurechnen. Zudem plant Air France-KLM auch eine Übernahme von 60,5 Prozent von SAS. Der französisch-niederländische Konzern hofft laut Smith, so ein «Bollwerk» mit Drehkreuzen in Kopenhagen, Amsterdam, Paris und Lissabon aufzubauen. «Wir brauchen europäische Champions, die sich gegen internationale Konkurrenz behaupten können», sagt er. Und dafür brauche es sozialen Frieden.
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