Flieger von Air France und KLM: Die Gruppe sieht sich besser aufgestellt als Lufthansa.

Gegensatz zu Lufthansa GroupChef von Air France-KLM sagt, weshalb der soziale Frieden so wichtig ist

Air France-KLM ist einer der großen Konkurrenten der Lufthansa Group in Europa. Chef Benjamin Smith hat sich nun indirekt zu den Streiks bei Lufthansa geäußert und erklärt, warum er den sozialen Frieden für einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil hält - auch im Kampf um die Übernahme von Tap.

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Dass ein Streik dem Arbeitgeber ökonomischen Schaden zufügt, ist ein Kollateralschaden. Es soll wehtun, damit die Arbeitnehmerseite sich in eine bessere Verhandlungsposition manövrieren kann. Das gelang auch den Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo zuletzt bei der Lufthansa-Gruppe.

Mitten in ihrer Jubiläumswoche steckte Lufthansa Group in einem der heftigsten Arbeitskonflikte ihrer Geschichte. Während im Hangar in Frankfurt gefeiert wurde, demonstrierten draußen mehr als tausend Beschäftigte von Lufthansa und Lufthansa Cityline. Streiks von Kabinen- und Cockpitpersonal legten den Betrieb mehrfach lahm, tausende Flüge fielen aus. Aber auch die Führung eskalierte. Sie legte die Tochter Cityline ab sofort still. Eine Eskalation, die man seitens eines Arbeitgebers so lange nicht mehr gesehen hat.

Lufthansa im Nachteil gegenüber Air France-KLM?

Neben Kosten durch den Streik, wie Flugausfälle und Umbuchungen, könnte der aktuelle Konflikt aber auch noch weit größere Auswirkungen haben. Das denkt zumindest Benjamin Smith. Er ist Vorstandsvorsitzender der Lufthansa-Group-Konkurrentin Air France-KLM. Beide Gruppen konkurrieren im täglichen Geschäft, aber aktuell auch um Tap, die zum Verkauf steht. Smith sieht seine Gruppe dabei deutlich besser aufgestellt.

Er stellt den sozialen Frieden im eigenen Unternehmen bewusst in den Mittelpunkt und nutzt ihn als Argument im Wettbewerb. «Als ich 2018 angefangen habe, war meine Priorität, das soziale Klima zu beruhigen und Vertrauen zu den Mitarbeitenden aufzubauen», sagte Smith gegenüber der Zeitung La Tribune. Zuvor hatten zahlreiche Streiks den Konzern belastet und nach seinen Angaben rund eine Milliarde Euro gekostet. Sein Ansatz sei gewesen: mehr Dialog, mehr Nähe zu den Berufsgruppen und ein stärkeres Verständnis für operative Abläufe.

Wettbewerb von Air France-KLM und Lufthansa um Tap

Das scheint gewirkt zu haben. Seit Smith an der Spitze steht, blieb es bei Air France-KLM weitgehend ruhig. Dazu beigetragen haben auch Gehaltserhöhungen in den vergangenen Jahren. «Ich bin überzeugt, dass das wiederhergestellte Vertrauen zu besseren finanziellen Ergebnissen beigetragen hat», so der Konzernchef.

Für ihn ist das Thema aber auch strategisch. Im Wettbewerb um Beteiligungen wie an Tap Air Portugal, schauen Gewerkschaften und Politik genau hin, wie potenzielle Investoren mit ihren Beschäftigten umgehen. Erst gerade warnte die portugiesische Pilotengewerkschaft in einem Brief an die Regierung vor der Lufthansa Group. Sie pflege «unethische gewerkschaftsfeindliche Praktiken». Und würden diese bei Tap eingeführt, würde das «den sozialen Frieden am Arbeitsplatz und die Effizienz des Drehkreuz in Lissabon ernsthaft gefährden», warnt das Sindicato dos Pilotos da Aviação Civil Spac.

Auch Mehrheit bei SAS angestrebt

Smith scheint sich also auch deshalb bessere Chancen auszurechnen. Zudem plant Air France-KLM auch eine Übernahme von 60,5 Prozent von SAS. Der französisch-niederländische Konzern hofft laut Smith, so ein «Bollwerk» mit Drehkreuzen in Kopenhagen, Amsterdam, Paris und Lissabon aufzubauen. «Wir brauchen europäische Champions, die sich gegen internationale Konkurrenz behaupten können», sagt er. Und dafür brauche es sozialen Frieden.

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