Letzte Aktualisierung: um 16:41 Uhr

A350

Warum der Streit mit Qatar Airways so heikel für Airbus ist

Die Airline aus Katar hat 13 Airbus A350 gegroundet. Sie kritisiert Qualitätsmängel am Rumpf. Für Airbus ist der Umgang mit dem einflussreichen Kunden schwierig.

Airbus

Qatar-Airways-Chef Akbar Al-Baker im Airbus A350-1000: Erstkunde.

Akbar Al-Baker gilt als Airbus’ schwierigster Kunde. Der Qatar-Airways-Chef liebt es, zu sticheln und zu provozieren, und ist zugleich höchst anspruchsvoll. Dem Magazin Wirtschaftswoche erzählte ein Airbus-Mitarbeiter 2019, Al-Baker habe Auslieferungen nicht nur aufgrund technischer Mängel platzen lassen, sondern «einmal auch, weil ein Lila-Ton im Dekor bei bestimmtem Licht nicht der von ihm vorgegebenen Farbe entsprach».

Jetzt hat Qatar Airways öffentlichkeitswirksam 13 Airbus A350 gegroundet – nach einer «expliziten schriftlichen Anweisung der Aufsichtsbehörde», so die Fluglinie. Es geht um eine laut Qatar Airways zu schnelle Abnutzung der Oberfläche des Rumpfes unterhalb der Lackierung. Airline und Hersteller liegen sich dazu schon seit Jahresbeginn in den Haaren.

Al-Baker fordert «gebührende Aufmerksamkeit»

Airbus versucht, diskret mit der Angelegenheit umzugehen, verweist auch zum aktuellen Grounding lediglich auf die Vertraulichkeit der Gespräche mit dem Kunden. Aus dem Umfeld des Konzerns erfuhr aeroTELEGRAPH, dass zwar an einigen Oberflächenschäden festgestellt wurden, diese aus Airbus-Sicht aber keine Auswirkungen auf die Lufttüchtigkeit haben. Inspektionen über die planmäßigen Wartungsarbeiten hinaus sollen demnach nicht nötig sein. Der Hersteller sieht kein Sicherheitsproblem, wie Qatar Airways eins andeutet.

Akbar Al-Baker Al Baker fordert, «dass Airbus diese Angelegenheit mit der gebührenden Aufmerksamkeit behandelt», die Ursache findet und korrigiert. Der Flugzeugbauer wird sich nun wohl vermehrt auf kritische Nachfragen von anderen A350-Betreibern und womöglich auch anderen Regulierungsbehörden einstellen müssen.

Qatar Airways hält ein Viertel an IAG

Vor allem ist die Angelegenheit für Airbus aber auch heikel, weil Qatar Airways ein wichtiger Kunde ist, der Anteile an weiteren wichtigen Kunden hält. Die staatliche Airline Katars ist Erstkunde des A350-1000. Sie hat 34 A350-900 und 42 A350-1000 bestellt. Die -900 sind schon alle da, von den -1000 fehlen noch 23. Darüber hinaus wartet die Fluglinie auf 50 A321 Neo. Zudem zeigte sie als eine der ersten Airlines Interesse am A350-Frachter.

Qatar Airways hat in den vergangenen Jahren auch ihren Einfluss ausgebaut. Im Februar 2020 stockte sie ihren Anteil an IAG auf und besitzt nun 25,1 Prozent der britisch-spanischen Luftfahrtgruppe. Die zu IAG gehörende Iberia betreibt eine reine Airbus-Flotte ist ein wichtiger A350-900-Betreiber. Schwester British Airways setzt auf A350-1000.

Drohkulisse mit Beteiligungen

Weiterhin hält die Fluglinie aus Katar 10 Prozent an Latam und hat schon öffentlich darüber nachgedacht, diesen Anteil zu verdoppeln. Zwar will die chilenisch-brasilianische Fluggesellschaft künftig nicht mehr auf den A350 setzen. Als größte Airline Südamerikas mit weit über 100 Flugzeugen der A320-Familie ist sie dennoch ein wichtiger Airbus-Kunde.

Akbar Al-Baker scheut nicht davor zurück, diese Beteiligungen für eine Drohkulisse zu nutzen. Schon im Juni warnte er Airbus davor, «Stress» zu riskieren «in den Beziehungen zu IAG, zu Latam und zu anderen Fluggesellschaften, an denen wir beteiligt sind».

Keine fehlerfreie Alternative bei Boeing

Es gibt aber auch einen Punkt, der für Airbus den Druck in der Angelegenheit deutlich mindert. Qatar Airways findet bei Boeing gerade keine fehlerfreie Alternative, der sich die Airline statt dem A350 zuwenden könnte. Die Fluggesellschaft wartet noch auf 23 Boeing 787, doch der Dreamliner ist seit einiger Zeit von einer Vielzahl von Produktionsproblemen geplagt. Auch die Boeing 777X, von der Qatar Airways 60 Exemplare bestellt hat, musste nicht nur einen Rückschlag einstecken und ist noch lange nicht zertifiziert.



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