Der Flughafen München hat am 25. September einen äußerst seltenen Gast empfangen. Um 19:30 Uhr landete auf der südlichen Piste des zweitgrößten deutschen Airports ein Airbus A320 der ägyptischen Sky Vision Airlines. Was nach nichts Spektakulärem klingt, ist es aber. Denn das Flugzeug mit dem Kennzeichen SU-SKD ist der derzeit weltweit einzige aktive Airbus A320 P2F, also ein vom Passagierjet zum Frachter umgebautes Flugzeug.
Der Airbus A320 wurde 2006 an Tiger Airways in Singapur ausgeliefert. Nach elf Jahren wechselte er zur Schwestergesellschaft Scoot, später flog er für die griechische Orange2Fly. 2023 wurde das Flugzeug in Singapur von ST Engineering in Zusammenarbeit mit den Elbe Flugzeugwerken aus Dresden zum Frachter umgebaut. Im Frühjahr 2024 hat Sky Vision Airlines den Jet eingeflottet.
SU-SKD letzte Airbus-A320-Umbaufrachter der Welt
Die heutige SU-SKD war erst der zweite Airbus A320 weltweit, der vom Passagierjet zum Frachter umgerüstet wurde. Den ersten A320-Frachter hatte im Juli 2022 die indische Pradhaan Air Express übernommen. Viel mehr sollten es auch nicht werden. Laut dem Luftfahrtdatenportal CH-Aviation wurden insgesamt nur neun Airbus A320 zu Frachtern umgebaut. Sieben davon sind abgestellt, einer ist ausgemustert. SU-SKD ist der einzige, der noch fliegt.
Airbus hatte schon 2010 angekündigt, neben dem Airbus A321 auch die A320 zum Frachter umbauen zu lassen. Offiziell starteten Airbus und ST Aerospace, heute ST Engineering, das Umbauprogramm 2015 auf der Paris Air Show. Doch dann passierte lange nichts. Erst im Februar 2018 bestellte der Leasinggeber Vallair den Umbau von zehn A321.
Airbus A321 als Frachter deutlich erfolgreicher
Deutlich schwächer entwickelte sich die Nachfrage beim kleineren Airbus A320. Der erste A320-Frachter hob erst im Dezember 2021 ab, fast zwei Jahre nach dem Airbus A321. Einziger nennenswerter Kunde blieb die Vaayu Group aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, die insgesamt fünf Exemplare übernehmen sollte. Am Ende wurden es vier. Zwei vermietete Vaayu an Pradhaan Air Express aus Indien und Sky Vision aus Ägypten, zwei weitere übernahm die eigene Frachtairline Fly Vaayu. Die übrigen fünf umgebauten A320 haben bis heute keinen Betreiber.
Airbus A320 ist als Frachter teurer im Betrieb als die große Schwester
Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen war der Markt für Frachter dieser Größe durch umgebaute Boeing 737-800 bereits gedeckt. Zum anderen hat die A320 selbst Nachteile. Ihre Triebwerke verursachen fast dieselben Kosten wie bei der größeren A321, die aber mit bis zu 28 Tonnen deutlich mehr Fracht laden kann als die A320 mit 21 Tonnen. Pro Tonne Fracht ist die A320 damit teurer im Betrieb. Auch technisch ist der Umbau schwieriger. Ein Anstellwinkelsensor sitzt genau dort, wo die große Frachttür eingebaut werden muss.
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