Russische VerbundwerkstoffeDie Irkut MS-21 ist nochmals ein Stück russischer geworden

Erstmals ist eine Irkut MS-21 mit Tragflächen aus russischen Verbundwerkstoffen abgehoben. Die neuen Flügel sollen nicht nur die Abhängigkeit vom Ausland verringern, sondern auch ein Wettbewerbsvorteil sein.

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Russland will seine Flugzeugbauindustrie, die nach der Auflösung der Sowjetunion darniederlag, auf internationales Niveau bringen. Ein erster und bisher wenig erfolgreicher Versuch war die Entwicklung des Superjet 100, der zweite ist – auf den ersten Erfahrungen aufbauend – die bereits deutlich vielversprechendere Irkut MS-21. Der dritte Anlauf ist das zusammen mit China entwickelte Langstreckenflugzeug Craic CR929.

Der Kreml will aber auch, dass die russische Flugzeugbauindustrie zunehmend unabhängiger von ausländischen Lieferanten wird. Der staatliche Technologiekonzern Rostec entwickelt deshalb derzeit das Langstreckentriebwerk Aviadvigatel PD-35, das dereinst die CR929 antreiben wird. Bereits in der Testphase steckt das Aviadvigatel PD-14. Es ist für den Mittelstreckenjet MS-21 vorgesehen und ersetzt dort die derzeit noch verwendeten Pratt & Whitney PW1400G. Erste Flugtests begannen vor einem Jahr und waren erfolgreich.

«Flügel mit einzigartigen aerodynamischen Eigenschaften»

Jetzt hat Rostec einen weiteren Schritt gemacht. Am Samstag (25. Dezember) hob in Irkutsk erstmals eine Irkut MS-21 ab, die Tragflächen aus russischen Materialien besitzt. Um die Unabhängigkeit vom Ausland zu vergrößern, aber auch aufgrund von Sanktionen durch die USA, hat der Konzern in den vergangenen Monaten eigene Verbundwerkstoffe entwickelt.

Doch Rostec will nicht nur ausländische Lieferanten ersetzen, sondern auch mehr leisten als die Konkurrenz. «Der Anteil der Verbundwerkstoffe an der Zelle der MS-21 liegt bei etwa 40 Prozent, was für ein Mittelstreckenflugzeug bisher einmalig ist», erklärt Rostec-Chef Sergey Chemezov. Das habe den bau eines «Flügels mit einzigartigen aerodynamischen Eigenschaften ermöglicht, die für einen Metallflügel unerreichbar sind».

Ablösung von Tupolevs, aber auch Airbus- und Boeing-Jets

Die Zertifizierung der MS-21 steht in den kommenden Wochen bevor. Derzeit befinden sich sechs MS-21-300 in der Endmontage, sie für Kunden bestimmt sind. Alle sind mit Tragflächen aus russischen Verbundwerkstoffen ausgestattet. Erster Betreiber wird die Aeroflot-Tochter Rossiya sein, die die Jets ab kommenden Sommer einsetzen will.

Die MS-21-300 weist eine Reichweite von 6000 Kilometern und einem maximales Startgewicht von 79,25 Tonnen auf. In zwei Klassen kann sie 163 Passagiere aufnehmen, in einer engen Bestuhlung bis zu 211 Reisende. Sie soll in Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten nicht nur die noch fliegenden Tupolev Tu-204 und Tu-214 ablösen, sondern auch zunehmend auch Airbus A320 und Boeing 737. Im Jahr 2025 plant Rostec eine Produktionsrate von 36 Exemplaren pro Jahr, später dann 72.

Zwei weitere Versionen in Planung

Für später sind weitere Versionen geplant. Die MS-21-200 bietet in einer Zweiklassen-Konfiguration 132 Fluggästen Platz, maximal sollen es 165 sein. Ihre Reichweite beträgt 6400 Kilometer, das maximale Startgewicht 72,5 Tonnen. Die MS-21-400 soll zuvor auf den Markt kommen. Sie wird aber mit rund 46,7 Metern Länge rund 4,4 Meter länger als die MS-21-300 und 12,9 Meter länger als die MS-21-200. War früher von 230 Passagieren die Rede, sollen es inzwischen maximal 260 sein.

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