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Erste Superjumbos gehen 2022 zurück

Findet Airbus Abnehmer für Lufthansas A380?

Sechs A380 hat Lufthansa an Airbus verkauft. 2022 und 2023 gehen die Superjumbos an den Hersteller zurück. Der wird es schwer haben, die Flieger wieder loszuwerden.

Sebastian Thoma - atcpilot.com

Airbus A380 von Lufthansa in Teruel: Was wird aus den Fliegern?

Im März 2019 gab Lufthansa nicht nur bekannt, 20 Boeing 787 und 20 weitere Airbus A350 zu kaufen. Die deutsche Fluggesellschaft kündigte damals auch «die Veräußerung von sechs der 14 A380 an Airbus» an. «Die Flugzeuge verlassen Lufthansa 2022 und 2023.»

Aus Branchenkreisen hieß es, Lufthansa habe den Verkauf der sechs Airbus A380 an den Hersteller im Zuge der A350-Order ausgehandelt. Dennoch stellte sich die Frage: Was tut Airbus mit den Superjumbos? Der Flugzeugbauer sagte damals auf Anfrage von aeroTELEGRAPH: «Airbus unterstützt und fördert den Gebrauchtmarkt des A380.»

Erste Flieger gehen 2022 zurück

Im Herbst 2020 erklärte Lufthansas ehemaliger Flottenchef Nico Buchholz im Gespräch mit aeroTELEGRAPH: «Die Spekulation war damals, dass Airbus einen Zweitmarkt für gebraucht A380 finden könnte.» Genährt worden sei dies nicht nur vom ersten A380-Gebraucht-Betreiber Hifly, sondern etwa auch durch IAG-Chef Willie Walsh, der sagte, er könne sich vorstellen, für Betreiberin British Airways zusätzlich auch gebrauchte A380 anzuschaffen.

Nun ist das Jahr 2022 angebrochen, in dem die ersten Übergaben stattfinden. Dass sich daran nicht geändert hat, bestätigt eine Lufthansa-Sprecherin aktuell. «Die sechs A380, die an Airbus verkauft wurden, gehen sukzessive ab 2022 (bis 2023) an Airbus zurück», erklärt sie. Um welche Maschinen mit welchen Kennzeichen es sich handelt, verrät Lufthansa nicht. Ebenso äußert die Airline sich nicht zum genauen Zeitpunkt, zum Ort, zu den Vorbereitungen, den Modalitäten oder den möglichen Kosten der Übergabe.

Airbus will spontan entscheiden

Auch Airbus sagt nichts zu all diesen Details. Bei der Frage, was mit den sechs A380 geschehen wird, bleibt der Flugzeugbauer ebenfalls vage. Ein Sprecher verweist lediglich darauf, dass aktuell sieben Airlines insgesamt rund 80 Superjumbos in Betrieb hätten und auf immer mehr Route einsetzen würden. Der Trend zeige weiter nach oben.


A380 von Lufthansa: Wird nicht mehr für die Airline fliegen. Bild: Lufthansa/Alex Tino Friedel

«Welche Möglichkeiten sich dann aktuell ergeben, wird angeschaut, wenn die Flugzeuge zurückgegeben werden», so der Airbus-Sprecher über die A380 von Lufthansa. Eine Möglichkeit, die der Flugzeugbauer hat, wenn sich keine schnelle Lösung anbietet: Er kann die Flieger vorerst dort stehen lassen, wo Lufthansa sie geparkt hat, in Teruel oder Tarbes.

Findet Airbus Abnehmer?

Wenn Airbus die Parkgebühren dort übernimmt, müsste der Flugzeugbauer daran glauben, in nicht all zu ferner Zukunft doch einen Abnehmer oder Verwendungszweck zu finden. Gibt es also eine Chance auf einen Gebrauchtmarkt für einige der Riesenflieger? Frank Fichert, Professor für Verkehrswesen an der Hochschule Worms, ist da äußerst skeptisch.

«Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass es gelingt, einen Abnehmer für gebrauchte A380 zu finden», so Fichert. «Dafür sind die Unsicherheit im Markt angesichts der Pandemie einfach zu groß. Und schon jetzt ist die Anzahl der Betreiber ja sehr überschaubar.»

Highfly sortierte den A380 wieder aus

Dass die portugiesische Hifly den Superjumbo wieder aussortiert hat, zeigt, dass es sich kaum rechnet, einen A380 im Wetlease zu betreiben. Ganz auszuschließen ist es dennoch nicht, dass ein Charteranbieter es nochmal versucht, etwa um Pilger zu transportierten. «Falls ein Verkauf scheitert und Airbus die A380 zu sehr niedrigen Leasingraten anbietet, könnte vielleicht der eine oder andere Charteranbieter saisonal nochmal etwas probieren», glaubt auch Ex-Lufthansa-Mann Buchholz.

Die andere Möglichkeit wäre, dass einer der bestehenden Betreiber Interesse an den A380 von Lufthansa zeigt, wenn der Preis niedrig genug ist. Sie haben bereits Ersatzteile, Wartungseinrichtungen und andere Voraussetzungen für den Betrieb. Doch Analyst Richard Schuurman vom Portal Air Insight hält auch diese Option für unwahrscheinlich.

British Airways als potenzieller Käufer

«Es sei denn, es kommt zu einem plötzlichen Anstieg des Verkehrsaufkommens und der Flugzeugtyp wird auf Flughäfen mit begrenzter Kapazität wie London wieder notwendig», erklärt Schuurman. «Die einzige Fluggesellschaft, die ich mir vorstellen kann, die eines Tages mehr A380 übernehmen könnte, ist British Airways», sagt der Experte, schränkt allerdings gleich ein: «Aber nicht, wenn die Treibstoffpreise so hoch sind wie jetzt.»

Ein A380 von British Airways: Vertrauen in Superjumbos. Bild: Nick Morrish/British Airways

Die Briten hatten nicht nur vor der Corona-Krise ihr mögliches Interesse an gebrauchten Airbus A380 signalisiert. British Airways stellte Mitte 2021 auch ihr Vertrauen in das Modell unter Beweis, indem sie ihren Superjumbo-Wartungsvertrag mit Lufthansa Technik für alle Exemplare um mehrere Jahre verlängerte.

Oder droht doch die Verschrottung?

Nico Buchholz sieht zudem noch eine Möglichkeit: «Je nach Projekten könnte Airbus außerhalb der Verkaufsopportunitäten einige der A380 von Lufthansa selber behalten und für Testzwecke nutzen.» So hat Airbus bereits angekündigt, den Superjumbo als Testflieger für die Erprobung von Wasserstofftanks einzusetzen.

Die Möglichkeiten abseits jeglichen Betriebes wären, dass Airbus die sechs A380 von Lufthansa verschrotten lässt, oder Abnehmer findet, die eines oder mehrere der Flugzeuge am Boden nutzen. Ein Museum wäre denkbar. Oder die Nutzung eines Airbus A380 als Hotel.