Raketenabwehr: Ist im Iran-Krieg zentral geworden.

Iran-KriegRaketen, Drohnen und Apaches: Wie die Emirate ihren Himmel verteidigen

Raketen, Drohnen und Apaches: Mit Jets, Hubschraubern und Flugabwehrsystemen verteidigen sich die Vereinigten Arabischen Emirate und sorgen so auch dafür, dass Flugzeuge von Emirates, Etihad, Flydubai oder Air Arabia wieder starten können.

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Am vergangenen Wochenende staunten viele Bewohnerinnen und Bewohner Dubais nicht schlecht: Ein Boeing AH-64D Apache Longbow raste in niedriger Höhe über den Dubai Creek in Richtung Golf. der Helikopter der United Arab Emirates Air Force ist Teil der Luftverteidigung, die gemeinsam mit amerikanischen und französischen Partnern iranische Langstreckenraketen und Kamikazedrohnen abfängt.

Auch Verbündete sind beteiligt. Frankreich entsandte Kampfjets vom Typ Dassault Rafale, Großbritannien Eurofighter Typhoon. Laut einem Bericht der Zeitung Gulf News schossen diese mehrere iranische Raketen ab, die auf Bahrain und Jordanien zuflogen. Australien hat zudem fliegende Radarsysteme in die Region entsandt, um iranische Raketenstarts frühzeitig zu erkennen.

Abschüsse von Drohnen am Fernsehen

Staatliches Fernsehen zeigte zudem Abschüsse der canardförmigen Shahed-Drohnen. Die Apaches sollen sie mit ihrer 30-Millimeter-Bordkanone bekämpft haben. Als der Apache vor rund vierzig Jahren erstmals in Dienst gestellt wurde, war er ursprünglich für einen möglichen konventionellen Angriff des Warschauer Pakts auf Westeuropa konzipiert.

Der Boeing-Helikopter, vielen nur aus Filmen wie The Avengers oder Operation: Kingdom bekannt, wird nun zur Drohnenabwehr eingesetzt. Wie viele Apaches mit ihrer markanten dunklen Silhouette im Dienst der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate stehen, ist nicht öffentlich bekannt – die Golfmonarchien veröffentlichen in der Regel keine genauen Zahlen zu ihrem Militärmaterial.

Emirate haben Hunderte von Raketen abgefangen

Anwar Gargash, früherer Außenminister der Emirate und heute enger Berater von Präsident Mohammed bin Zayed, betonte, das Land verteidige sich lediglich. Abu Dhabi habe nicht die Absicht, aktiv in die Kampfhandlungen einzugreifen. Der Präsident versicherte Bürgern und Ausländern – sie stellen rund 80 Prozent der etwa zwölf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner – die Emirate sorgten für Sicherheit.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Abu Dhabi wurden seit Beginn der Angriffe 262 ballistische Raketen registriert. Davon seien 241 zerstört worden, 19 ins Meer gestürzt und zwei innerhalb des Landes eingeschlagen. Zudem wurden 1475 iranische Drohnen entdeckt, von denen 1385 abgefangen worden seien. 90 Drohnen seien auf emiratischem Staatsgebiet niedergegangen. Darüber hinaus wurden acht Marschflugkörper entdeckt und zerstört.

In der Endphase des Fluges abfangen

Das Rückgrat der Verteidigung der Vereinigten Arabischen Emirate bilden allerdings nicht Hubschrauber oder Kampfjets, sondern stationäre Flugabwehrsysteme. Zu den wichtigsten gehören die Systeme THAAD und Patriot. THAAD steht für Terminal High Altitude Area Defense und wurde entwickelt von Lockheed Martin. Das System ist darauf ausgelegt, ballistische Raketen in der Endphase ihres Fluges abzufangen. Es kann Kurz- und Mittelstreckenraketen sowie unter bestimmten Bedingungen auch weiterreichende ballistische Raketen bekämpfen.

Das gemeinsam von Lockheed Martin und Raytheon entwickelte Patriot-System dient dem Schutz vor Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen. Den Raketen wird eine historische Trefferquote von rund 90 Prozent zugeschrieben. Auch Saudi-Arabien, Katar und Bahrain setzen diese Systeme ein. Zusätzlich kommen erstmals südkoreanische Cheongung-II-Flugabwehrsysteme (M-SAM) in den Emiraten zum Einsatz. Es ist der erste Kampfeinsatz dieses Systems im Ausland.

«Eines der besten Verteidigungssysteme der Welt»

«Wir verfügen über eines der besten Verteidigungssysteme der Welt und tun alles, um die Sicherheit unserer Bevölkerung zu gewährleisten», sagte Staatsministerin für internationale Kooperation Reem Al-Hashimy der staatlichen Nachrichtenagentur WAM. Die meisten dieser Systeme bleiben für die Öffentlichkeit unsichtbar. Sie sind in der Wüste stationiert und gut getarnt.

Wahrnehmbar sind sie meist erst im Einsatz: Bei Raketenalarm erhalten alle Smartphones im Netz des Golfstaates eine Warnmeldung auf Arabisch und Englisch – begleitet von einem lauten Signalton. Bewohner berichten regelmäßig von einem dumpfen Knall am Himmel, wenn ein anfliegendes Geschoss abgefangen wird.

Dennoch einige Tote im Iran-Krieg

Die Zeiten der klassischen Flugabwehrgeschütze scheinen damit vorbei zu sein. Noch im Golfkrieg oder im Irakkrieg konnten Reporter etwa die sowjetische bzw. später russische Vierlingsflak ZSU-23 „Shilka“ auf den Dächern von Bagdad beobachten und filmen. Der damalige irakische Machthaber Saddam Hussein soll eines dieser Systeme bei Luftangriffen zeitweise sogar selbst bedient haben.

Deutschland verfügt ebenfalls über Patriot-Systeme. Die neutrale Schweiz hingegen besitzt keine Abwehr gegen ballistische Raketen. Seit Beginn des Konflikts schlugen nur wenige Projektile aus dem Iran in Dubai ein und verursachten vergleichsweise geringe Schäden. Es gab allerdings dennoch mehrere Verletzte sowie sechs Todesopfer unter Staatsbürgern der Emirate, Pakistans, Nepals und Bangladeschs.

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