Airbus A220 von Swiss: Nicht immer eine einfache Beziehung.

Chronik der ProblemeSwiss‘ Leidensgeschichte mit den A220-Triebwerken

Die Schwierigkeiten mit den Motoren der ehemaligen C-Series-Jets reichen zurück bis ins Jahr 2014. Swiss hatte schon viel Arbeit mit den Triebwerken.

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«Heute Vormittag (15OCT19) hat sich auf dem Flug LX359 von LHR nach GVA ein erneuter Engine Failure bei einem unserer C Series Flugzeuge ereignet» - mit diesen Worten informierte Swiss am Dienstag (15. Oktober) ihre Mitarbeiter über einen Zwischenfall mit einem Jet des Typs Airbus A220, der ehemaligen C-Series. Auf dem Weg von London nach Genf gab es einen «hörbaren Triebwerksdefekt», so dass die Piloten der Schweizer Airline den Motor abschalteten und außerplanmäßig in Paris landeten. Es war der dritte Vorfall dieser Art in drei Monaten. Swiss beorderte daher alle A220 zur umfangreichen Inspektion.

Die Spuren dieser Triebwerksprobleme reichen allerdings deutlich weiter zurück als die letzten drei Monate. Im Jahr 2014 befand sich die C-Series noch beim damaligen Hersteller Bombardier in der Testphase, als es am 29. Mai bei einem Motorentest zu einem Zwischenfall kam. Beim Testflieger FTV-1 ereignete sich ein sogenannter Uncontained Engine Failure, bei dem Teile aus dem Triebwerk herausgeschleudert wurden. Dies geschah auch am 25. Juli und und 16. September 2019 bei Swiss, jeweils auf der Strecke zwischen Genf und London. Ob es sich auch beim aktuellen Vorfall um einen Uncontained Engine Failure handelt, ist noch unklar.

Probleme bei Air Baltic und Swiss

Im Jahr 2014 konnte die C-Series nach rund drei Monate dauernden Untersuchungen durch Bombardier und den Triebwerkshersteller Pratt & Whitney wieder abheben. Man habe diverse Maßnahmen ergriffen, damit sich ein solches Ereignis nicht wiederhole, schrieb Bombardier damals in einer Medienmitteilung. So sei etwa das Schmiersystem des für die C-Series entwickelten Triebwerks Pure Power PW1500G angepasst worden.

Dann wurde es einige Zeit ruhig rund um Triebwerksprobleme bei der C-Series, die Flieger gingen an die ersten Betreiber. Doch im August 2018 mussten Piloten von Air Baltic das rechte Triebwerk ihres Fliegers abschalten - aufgrund von Problemen mit dem Öldruck, wie das auf Zwischenfälle spezialisierte Portal Aviation Herald dokumentierte. Im September und Oktober 2018 finden sich zudem Berichte über abgeschaltete Triebwerke bei C-Series-Jets von Swiss, die sich auf dem Weg nach Zürich befanden und Ölprobleme hatten.

Swiss prüft auf Ölleckagen

Später beschäftigte sich die US-Luftfahrtbehörde FAA mit diesem Ölproblem. Sie warnte, zwischen Bauteilen könnte sich eine Spalte bilden, durch die Öl ins Triebwerk laufen kann. Das berge die Gefahr von «Motorenbrand und Beschädigungen am Flugzeug». Swiss bestätigte aeroTELEGRAPH, man habe nach dem Fund einer Ölleckage «die gesamte Flotte im Rahmen der regulären Checks überprüft, jedoch keine weiteren Fälle festgestellt».

Im Dezember 2018, Swiss hatte mittlerweile 26 C-Series-Flieger eingeflottet, wurde bekannt, dass die Triebwerke erneut Arbeit bereiten. «Bei unseren Pratt & Whitney läuft seit einiger Zeit ein Modifikationsprogramm», sagte ein Sprecher von Swiss damals. Das sei ein riesiger Aufwand. Die Motoren mussten von den A220 abmontiert, zu Pratt & Whitney verschifft und nach der Reparatur wieder an den Flieger angebracht werden. «Das Ganze dauert rund zwei bis drei Monate», erklärte der Sprecher der Fluggesellschaft.

Vorfälle bei Korean und Delta

Bei den durchgeführten Modifikationen sei es um nicht-sicherheitsrelevante vorzeitige Verschleißerscheinungen gegangen, hieß es. «Wir haben die Brennkammerplatte und die Kohlefaserstoffdichtung Nummer Drei neu gestaltet, um die Lebensdauer zu erhöhen», erklärte eine Sprecherin von Pratt & Whitney. Wie bei allen neuen Triebwerksprogrammen gebe es auch hier laufend Verbesserungen.

Ebenfalls im Dezember 2018 gab es einen Vorfall bei Korean Air. Ein Schaden an der Niederdruckturbine des Triebwerks zwang den A220 der südkoreanischen Airline zur Umkehr. Und im Juni 2019 musste ein A220 von Delta Air Lines in New York La Guardia durchstarten, weil das linke Triebwerk ausfiel oder zumindest nicht volle Leistung lieferte.

Erneut meldet sich FAA zu Wort

Trotz all dieser Zwischenfälle und Überprüfungen kam es 2019 dann zu den Vorfällen im Juli und September bei Swiss. Diese riefen ebenfalls die FAA auf den Plan. Die amerikanische Behörde gab am 26. September eine Lufttüchtigkeitsanweisung heraus, in der sie den Niederdruckverdichter als Problem bei den beiden Zwischenfällen ausmachte. Die FAA ordnete an, dass Betreiber ihre Triebwerke überprüfen müssen.

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