Am 25. November 2003 hatte Lufthansa mit der D-AIHB ihr erstes Exemplar übernommen. 22 Jahre, elf Monate und vier Tage später hat sie mit der D-AIHW das letzte aus dem Betrieb genommen. Der Airbus A340-600 landete am Montagmorgen (19. Oktober) aus Washington D.C. kommend als letzter regulärer Flug in Frankfurt. Insgesamt 24 Exemplare des imposanten Vierstrahlers betrieb die deutsche Fluggesellschaft in dieser Zeit.
Mehr als 40 Millionen Gäste hat das Modell für Lufthansa zu mehr als 70 Zielen weltweit geflogen. Damit geht eine Ära bei der deutschen Fluggesellschaft zu Ende. Grund genug, um sich fünf Fakten zum Kultflugzeug anzuschauen.
Der Airbus A340-600 ist laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaang
Als er auf den Markt kam, war er Rekordhalter. Mit 75,30 Metern war der Airbus A340-600 bei seiner allerersten Auslieferung im Jahr 2002 das längste Verkehrsflugzeug der Welt. Er ist auch 2,7 Meter länger als der Airbus A380, der ab 2007 ausgeliefert wurde. Neue Rekordhalterin wurde die Boeing 747-8, die in der Passagierversion ab 2012 ausgeliefert wurde. Doch auch sie übertrifft den A340-600 nur um knapp einen Meter. Die Boeing 777-9 als größere Variante der 777X wird mit 76,7 Metern künftig die Rekordhalterin sein.
Die Toiletten im Frachtraum
Was für jeden Fluggast als Besonderheit erkennbar war - neben der schieren Größe des Fliegers - waren die Toiletten im Frachtraum. Ursprünglich hatte Lufthansa hier eine weitere Bordküche eingebaut, von der aus die Essenswagen per Lift aufs Passagierdeck gefahren wurden. Bei Funktionsstörungen mussten sie allerdings auch mal mit viel Kraft von Hand nach oben gehievt werden.
Als die Küche nicht mehr nötig war, baute Lufthansa dort fünf Toiletten ein. Ein Unikum. Nur zehn Menschen durften sich dort unten gleichzeitig aufhalten. Denn es gab an jener Stelle nur zehn Sauerstoffmasken.
Apropos Toiletten. Auch das Rollsuhl-WC in der Business Class ist außergewöhnlich - es bietet außergewöhnlich viel Platz.
Ganz schön viel Platz - und ein Fenster: Das Rollstuhl-WC in der Business Class. aeroTELEGRAPH
Schnell eine Rarität
Im Jahr 1997 kündigte Airbus die verlängerten Versionen A340-500 und -600 an, um dem Erfolgsmodell 777 von Boeing Konkurrenz zu machen - allerdings wenig erfolgreich. 2002 wurde das erste Exemplar an Virgin Atlantic ausgeliefert (Kennzeichen G-VSHY und Seriennummer MSN 383). Bereits neun Jahre später war aber schon wieder Schluss und Airbus stellte die Produktion ein. Nur 97 Exemplare wurden in dieser Zeit gebaut.
Airbus A340-600 von Mahan Air. Mahan Air
Größere Spannweite, kräftigeres Fahrwerk und mehr Schub
Der Airbus A340-600 ist nicht nur 11,7 Meter länger als der A340-300. Seine Spannweite ist mit ist mit 63,5 Metern gegenüber der A340-300 auch rund 3,15 Meter größer. Der Flügel wurde vergrößert, indem die Variante an der Flügelwurzel einen Einsatz bekam.
Wegen des um fast 100 Tonnen höheren Gewichts des Flugzeuges hat das mittlere Hauptfahrwerk zudem ein Vierrad-Drehgestell bekommen statt der zwei Räder des A340-300. Insgesamt hat das Flugzeug 14 Haupträder.
Die D-AIHW bei der Landung in Washington - auf einem ihrer letzten Flüge. Simeon Lüthi/aeroTELEGRAPH
Statt der relativ schwachen CFM-56-Triebwerke des A340-300 bekam der A340-600 kraftvolle Trent-500-Triebwerke von Rolls-Royce. Es ist ein Motor, der exklusiv für die Variante entwickelt wurde.
Spektakulärer Unfall eines Airbus A340-600 ohne Flug
Im November 2007 wollte Etihad Airways in Toulouse ihren vierten Airbus A340-600 übernehmen. Zuvor standen Triebwerkstests für den Vierstrahler an. Die Techniker von Airbus und Etihad wollten herausfinden, warum es bei hohen Schubkräften zum Ölverlust kam. Entgegen der Vorgabe wurden diese ohne Radkeile durchgeführt. Der erste Test verlief erfolgreich. Nach einer Stunde Pause erhöhten die Techniker die Schubkraft deutlich. Plötzlich setzte sich der Vierstrahler unerwartet in Bewegung. Ein Angestellter von Etihad bemerkte als Erster eine unkontrollierte Rollbewegung. Trotz Bemühungen, das Flugzeug unter Kontrolle zu bringen, drehte es nach rechts ab und prallte mit einer Geschwindigkeit von etwa 55 Kilometern pro Stunde gegen eine Betonmauer. Totalschaden.
aeroTELEGRAPH