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Boeing 787

Eingetrübte Aussichten für den Dreamliner

Schon vor der Pandemie hat Boeing die Produktionsziele für die 787 zurückgeschraubt. Jetzt bringt die Corona-Krise neue Herausforderungen für den Dreamliner.

Tis Meyer/Planepics.org

Boeing 787-8: Für die kleinste Variante liegen die wenigsten offenen Orders vor.

Die Boeing 737 Max ist immer noch gegroundet, die Boeing 777X hat Verspätung, die Boeing 747 und die Boeing 767 werden nur noch als Frachter gebaut. Der einzige Passagierjet, den der amerikanische Flugzeugbauer derzeit ausliefern kann, ist die 787, auch Dreamliner genannt. Doch wie sind die künftigen Erfolgsaussichten des Langstreckenflugzeuges?

In den Jahren 2018 und 2019 liefen die Verkäufe gut: Boeing sammelte erstmals seit 2013 wieder Orders für jeweils mehr als hundert 787 (siehe Grafik unten). Doch mit Verweis auf den Handelsstreit zwischen den USA und China kündigte der Hersteller im Herbst 2019 dann an, die Produktionsrate der 787 zum Jahr 2021 von 14 auf 12 pro Monat zu senken. Später korrigierte Boeing diese Zahl auf nur noch zehn Dreamliner pro Monat herunter.

Fluggesellschaften unter Druck

Im Zuge der Coronakrise gab es im April sogar Spekulationen, Boeing könnte die Endmontage des Dreamliners in den USA künftig nur noch an einem statt an zwei Standorten durchführen. Und auch sonst bringt die Pandemie bei der 787 einiges durcheinander.

Einerseits wird sich das Reisegeschäft auf der Langstrecke wohl am langsamsten von der Krise erholen. Airlines brauchen daher weniger Fluggerät für lange Distanzen und und stehen für die Zukunft vor schwierigen Planungen. Zudem geraten immer mehr Fluglinien unter wirtschaftlichem Druck. Das sind für die Flugzeugbauer keine gute Nachrichten.

Norwegian spricht von «operativer Katastrophe»

So hat etwa Norwegian schon Orders für fünf Dreamliner storniert. Die Airline klagt zudem gegen Boeing und nennt das Modell eine «operative Katastrophe». Der Nachrichtenagentur Bloomberg und dem Blogger und 787-Experten Uresh Seth zufolge sollen bei Boeing derzeit rund 50 fertige Dreamliner zu Abholung bereit stehen – etwa doppelt so viele wie üblich.

Anderseits gibt es große Fluglinien und Airline-Gruppen, die teilweise mit Staatshilfe ihre Flotten modernisieren. Dazu flotten sie die treibstoffhungrigen Vierstrahler Boeing 747 und Airbus A380 aus und benötigen effizienteres Jets. Hier könnte die 787 ins Spiel kommen.

Lufthansa hat bereits bestellt

Ein Vorteil des Modells ist, dass Boeing drei Varianten anbieten kann, die -8, -9 und -10. Die kleinste Version ist noch kleiner als der Konkurrent Airbus A330-800, die größte fasst so viele Passagier wie die kleinere Variante des Airbus A350, dem A350-900.

Ob Boeing an dieser Stelle neue Bestellungen einsammeln kann, hängt auch davon ab, ob die Airlines bereits Bestellung aufgegeben haben. Lufthansa etwa sortiert A380 und Boeing 747 aus, hat aber bereits im vergangenen Jahr 20 Boeing 787 und 20 Airbus A350 geordert.

Dünnes Polster bei kleinster 787

Es könnte außerdem zu einem weiteren Corona-Effekt kommen: Insolvente oder angeschlagene Airline könnten ihre Dreamliner verkaufen oder an Leasingfirmen zurückgeben. Mit Avianca, Latam, Aeromexico und Thai Airways befinden sich alleine vier große Fluglinien in Gläubigerschutz, die alle Boeing 787-8 und 787-9 betreiben.

Sollten die 787 von diesen oder anderen Airlines in größeren Stückzahlen auf den Gebraucht- oder Leasingmarkt kommen, dürfte das die Neubestellungen bei Boeing weiter drücken. Am dünnsten ist das Order-Polster der kleinsten Version: Boeing hat bei der 787-9 noch 334 offene Bestellungen, bei der 787-10 noch 153, aber nur 48 bei der 787-8.



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