Die betroffene Boeing 737 Max 9 während der Untersuchung: Der Vorfall beschäftigt weiterhin Gerichte.

Klage gegen FlugzeugbauerKapitän von Unglücksflug von Alaska Airlines fühlt sich von Boeing verraten

Obwohl im Flug ein Loch im Rumpf einer Boeing 737 Max 9 von Alaska Airlines klaffte, landete die Crew das Flugzeug im Januar 2024 sicher. Jetzt klagt der Kapitän gegen den Flugzeughersteller.

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Am 5. Januar 2024 befand sich eine Boeing 737 Max 9 von Alaska Airlines nach dem Start vom Flughafen Portland im Steigflug, als sich die Stecktür löste, die den linken, mittleren Notausgang verschlossen hatte. Dort klaffte nun ein Loch im Rumpf, rund 74 Zentimeter breit und 150 Zentimeter hoch. Im Flugzeug kam es zu einem rapiden Druckabfall.

«Flug- und Kabinenbesatzung leiteten die Notfallmaßnahmen ein, und der Flug kehrte sicher nach Portland zurück», hielt die Untersuchungsbehörde NTSB später in ihrem Abschlussbericht zu Flug AS1282 fest. Eine Flugbegleiterin und sieben Fluggäste erlitten leichte Verletzungen. Kapitän, Kopilotin, drei Mitglieder der Kabinencrew und 164 Reisende blieben unverletzt.

Untersuchungsbehörde NTSB lobte Crew von Alaska Airlines

Bei der Untersuchung fand die Behörde heraus, dass beim Jet mit dem Kennzeichen N704AL schon seit der Auslieferung im Oktober 2023 vier Bolzen in der Halterung dieser Stecktür fehlten. Sie waren bei Nacharbeiten entfernt, aber nicht wieder eingesetzt worden. Das NTSB nannte als wahrscheinliche Ursache des Vorfalls, dass Boeing es versäumt habe, dem Produktionspersonal die erforderliche Ausbildung, Anleitung und Aufsicht bereitzustellen. Zudem kritisierte das NTSB ineffektive Überwachung durch die Luftfahrtbehörde FAA.

Nicht als Ursache nannte das NTSB die Handlungen der Cockpitcrew, die mit der sicheren Landung des beschädigten Flugzeuges eine Katastrophe verhinderte. Sie lobte im Abschnitt zu den Reaktionen der Besatzung auf den Notfall: «Das NTSB kommt zu dem Schluss, dass die sofortigen Maßnahmen der Flugbesatzung, nach dem rapiden Druckabfall ihre Sauerstoffmasken aufzusetzen und die Checkliste 'Kabinenhöhe oder rapider Druckabfall' zu verwenden, den Unternehmensverfahren entsprachen, ihre Entscheidung, das Flugzeug zu sinken und zum Startflughafen zurückzukehren, zeitnah und angemessen war und sie ein effektives Hochlastmanagement und eine angemessene Aufgabenverteilung für eine zweiköpfige Besatzung demonstrierten, um den Notfall sicher zu bewältigen.»

Kapitän klagt gegen Boeing und fordert 10 Millionen Dollar

Boeing dagegen machte andere Andeutungen - zumindest wirft der Kapitän des Fluges, Brandon Fisher, dies dem Flugzeugbauer vor. Er verklagt den Konzern nun, wie unter anderem der Sender ABC News und das Portal Business Insider unter Berufung auf die Klageschrift berichten. Darin heißt es, Boeing habe im Zuge der Verteidigung gegen eine Sammelklage im Zusammenhang mit dem Vorfall jegliche Haftung abgelehnt und erklärt, die eigenen Produkte seien «von anderen Personen und/oder Organisationen als Boeing unsachgemäß gewartet oder missbraucht» worden. «Es war offensichtlich, dass Boeings Worte an Kapitän Fisher gerichtet waren, um ihn zum Sündenbock für Boeings zahlreiche Versäumnisse zu machen», heißt es in der aktuellen Klageschrift.

Fishers Anwälte argumentieren, Boeings habe versucht, die Haftung abzuwälzen, und damit dafür gesorgt, dass der Pilot selbst von Passagieren verklagt worden sei. In der Klage, in der Fisher laut Business Insider nun 10 Millionen Dollar (rund 8,6 Millionen Euro) von Boeing fordert, heißt es: «Die Äußerungen von Boeing haben die lebensverändernden Auswirkungen, die dieser Vorfall für Kapitän Fisher hatte, dramatisch verschlimmert.»

Von Boeing soll aber auch Lob für die Crew gekommen sein

Fishers Anwälte schreiben in der Klage über ihren Mandanten zudem: «Da er während seiner gesamten Anstellung bei Alaska Airlines Boeing-Maschinen geflogen hatte, empfand er Boeings Versuch, ihm die Schuld zuzuschieben, als einen tiefen, persönlichen Verrat durch ein Unternehmen, das behauptete, Piloten in höchstem Maße zu schätzen.»

Boeings damaliger Chef der Verkehrsflugzeugsparte, Stan Deal, soll die Crew laut mehreren Berichten in einem internen Schreiben nach dem Vorfall für die sichere Landung gelobt haben. Vier Mitglieder der Kabinencrew klagten bereits im Sommer 2025 gegen Boeing. Zur Klage von Fisher äußert sich der Konzern nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.

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