Die Investorinnen und Investoren sind gar nicht zufrieden mit der Führung. Im ersten Halbjahr konnte Lufthansa Group den Umsatz zwar um acht Prozent auf 19,9 Milliarden Euro steigern. Das betriebliche Ergebnis aber hat sich um 258 Millionen Euro verschlechtert und wurde mit minus 138 Millionen Euro sogar rot. Unter dem Strich resultierte in den sechs Monaten ein Reinverlust von 542 Millionen Euro, wie der deutsche Luftfahrtkonzern am Dienstag (4. August) bekannt gab.
Brussels Airlines setzt nicht mehr auf Air Baltic, Swiss weniger
Mehr als 20 Airbus A220-300 der lettischen Nationalairline fliegen diesen Sommer für Fluggesellschaften von Lufthansa Group. So viele werden es kommendes Jahr nicht mehr sein. Brussels Airlines hat bereits bekannt gegeben, nicht mehr auf Air Baltic zu setzen. Das macht schon ein Minus von vier Jets weniger, die fix beschäftigt sind und für dringend benötigten Umsatz sorgen. Auch bei Swiss dürften in den heißen Monaten von 2027 deutlich weniger weiß-limettengrüne Airbus A220 im Einsatz stehen.
Diesen Sommer setzte Swiss auf 27 Flugzeuge von Wet-Lease-Partnern. Das ist der Schweizer Lufthansa-Tochter zu viel. Man wollte die Zahl der fremden Jets verkleinern, sagte Finanzchef Dennis Weber bei der Bekanntgabe der Resultate. Genaue Zahlen könne man zwar noch nicht nennen, aber man ziele auf eine «Größenordnung Pi mal Daumen von 20 Flugzeugen», so der Manager.
«Steht Swiss als Marke nicht so nahe wie Helvetic Airways»
Dabei will Swiss an Helvetic Airways nicht rütteln. Die Wet-Lease-Airline genieße einen «sehr guten Ruf bei unseren Gästen», so Weber. Sie sei daher der erste Ansprechpartner, wenn es um den Bedarf für zusätzliche Flugzeuge und Crews gehe. Air Baltic arbeite ebenfalls sehr zuverlässig und biete ebenfalls einen guten Service an Bord. «Aber von der gesamten Positionierung her steht sie Swiss als Marke nicht so nahe wie Helvetic Airways», sagte Weber. Sprich: Zuerst wird bei der lettischen Fluglinie abgebaut.
Einzig von Austrian Airlines gibt es positive Zeichen. Wet-Lease bleibe auch im nächsten Jahr strategisch wichtig, so Finanzchef Stefan-Kenan Scheib. Man werde weiter auf die konzerneigene Air Dolomiti setzen, aber auch auf Air Baltic, an der Lufthansa Group mit zehn Prozent beteiligt ist. Der Umfang ist aber unklar.
Finanzmärkte sehen hohes Ausfallrisiko bei Air Baltic
Besonders belastend wirkt sich der sprunghafte Anstieg der Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs aus. Denn Air Baltic hat ihren Kerosinbedarf kaum über Hedging gegen Preisschwankungen abgesichert. Entsprechend skeptisch reagieren die Finanzmärkte: Die bis 2029 laufende Unternehmensanleihe wird inzwischen nur noch zu rund 34 Prozent ihres Nennwerts gehandelt - ein klares Zeichen dafür, dass Investoren das Ausfallrisiko als sehr hoch einschätzen.
Air Baltic muss Anleihen-Gläubigerversammlung verschieben
Eigentlich sollte eine Anleihen-Gläubigerversammlung zur Verschiebung von Zinszahlungen und zur Finanzierung am Montag (3. August) mehr Klarheit und Entlastung bringen. Doch sie ist mangels Beschlussfähigkeit gescheitert. Sie wurde nun auf den 17. August verschoben.
Lufthansa Group äußert sich nur zurückhaltend zu Air Baltic
Gegenüber aeroTELEGRAPH erklärt ein Lufthansa-Group-Sprecher, man gehe davon aus, dass Air Baltic die vereinbarte Sommerkapazität 2026 «wie geplant bereitstellen kann». Sowohl zum Wet-Lease in Zukunft als auch zur Sicht des Anteilseigners Lufthansa Group auf die aktuelle Lage bei Air Baltic wollte sich der Sprecher dagegen nicht äußern.
Hinter aeroTELEGRAPH steckt mehr als eine Website: ein Team erfahrener Journalistinnen und Journalisten, das fliegt, recherchiert und einordnet – Tag für Tag. Mit Ihrer Unterstützung bleiben wir unabhängig und Sie lesen werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren