Flugzeuge von Air Baltic und Swiss in Zürich: Künftig wohl seltener gemeinsam zu sehen.

Weniger Wet-LeaseLufthansa spart - und Air Baltic gerät noch stärker unter Druck

Der Sparkurs von Lufthansa Group hat Folgen weit über den Konzern hinaus. Weil Brussels Airlines und Swiss ihren Bedarf an Wet-Lease-Flugzeugen reduzieren, drohen Air Baltic wichtige Einnahmen wegzubrechen. Für die finanziell angeschlagene lettische Fluggesellschaft kommt das zur Unzeit.

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Die Investorinnen und Investoren sind gar nicht zufrieden mit der Führung. Im ersten Halbjahr konnte Lufthansa Group den Umsatz zwar um acht Prozent auf 19,9 Milliarden Euro steigern. Das betriebliche Ergebnis aber hat sich um 258 Millionen Euro verschlechtert und wurde mit minus 138 Millionen Euro sogar rot. Unter dem Strich resultierte in den sechs Monaten ein Reinverlust von 542 Millionen Euro, wie der deutsche Luftfahrtkonzern am Dienstag (4. August) bekannt gab.

An der Börse wurde das mit einem deutlichen Kursminus von 8 Prozent quittiert. Deshalb wird überall im Konzern weiter gezielt gespart. So darf etwa Brussels Airlines die Langstreckenflotte nicht wie geplant um zwei weitere Airbus A330 erweitern und Austrian Airlines stellt unter anderem die Flüge zwischen Wien und Graz ein. Das sind auch schlechte Nachrichten für die kriselnde Air Baltic. Denn die Lufthansa-Gruppe ist ihr mit Abstand größter Kunde im Geschäftsbereich Wet-Lease-Dienste.

Brussels Airlines setzt nicht mehr auf Air Baltic, Swiss weniger

Mehr als 20 Airbus A220-300 der lettischen Nationalairline fliegen diesen Sommer für Fluggesellschaften von Lufthansa Group. So viele werden es kommendes Jahr nicht mehr sein. Brussels Airlines hat bereits bekannt gegeben, nicht mehr auf Air Baltic zu setzen. Das macht schon ein Minus von vier Jets weniger, die fix beschäftigt sind und für dringend benötigten Umsatz sorgen. Auch bei Swiss dürften in den heißen Monaten von 2027 deutlich weniger weiß-limettengrüne Airbus A220 im Einsatz stehen.

Diesen Sommer setzte Swiss auf 27 Flugzeuge von Wet-Lease-Partnern. Das ist der Schweizer Lufthansa-Tochter zu viel. Man wollte die Zahl der fremden Jets verkleinern, sagte Finanzchef Dennis Weber bei der Bekanntgabe der Resultate. Genaue Zahlen könne man zwar noch nicht nennen, aber man ziele auf eine «Größenordnung Pi mal Daumen von 20 Flugzeugen», so der Manager.

«Steht Swiss als Marke nicht so nahe wie Helvetic Airways»

Dabei will Swiss an Helvetic Airways nicht rütteln. Die Wet-Lease-Airline genieße einen «sehr guten Ruf bei unseren Gästen», so Weber. Sie sei daher der erste Ansprechpartner, wenn es um den Bedarf für zusätzliche Flugzeuge und Crews gehe. Air Baltic arbeite ebenfalls sehr zuverlässig und biete ebenfalls einen guten Service an Bord. «Aber von der gesamten Positionierung her steht sie Swiss als Marke nicht so nahe wie Helvetic Airways», sagte Weber. Sprich: Zuerst wird bei der lettischen Fluglinie abgebaut.

Einzig von Austrian Airlines gibt es positive Zeichen. Wet-Lease bleibe auch im nächsten Jahr strategisch wichtig, so Finanzchef Stefan-Kenan Scheib. Man werde weiter auf die konzerneigene Air Dolomiti setzen, aber auch auf Air Baltic, an der Lufthansa Group mit zehn Prozent beteiligt ist. Der Umfang ist aber unklar.

Finanzmärkte sehen hohes Ausfallrisiko bei Air Baltic

Insgesamt ist der Sparkurs des Konzerns aber schlechte Kunde für die Letten. Obwohl sie ihre langfristigen Verbindlichkeiten Ende 2025 um 23 Millionen auf 1,2 Milliarden Euro reduzieren konnten, verschlechterte sich die kurzfristige Finanzlage deutlich. Die innerhalb eines Jahres fälligen Verbindlichkeiten von Air Baltic stiegen um 121 Millionen auf 474 Millionen Euro. Gleichzeitig hat sich das wirtschaftliche Umfeld erheblich eingetrübt.

Besonders belastend wirkt sich der sprunghafte Anstieg der Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs aus. Denn Air Baltic hat ihren Kerosinbedarf kaum über Hedging gegen Preisschwankungen abgesichert. Entsprechend skeptisch reagieren die Finanzmärkte: Die bis 2029 laufende Unternehmensanleihe wird inzwischen nur noch zu rund 34 Prozent ihres Nennwerts gehandelt - ein klares Zeichen dafür, dass Investoren das Ausfallrisiko als sehr hoch einschätzen.

Air Baltic muss Anleihen-Gläubigerversammlung verschieben

Die angespannte Lage spiegelt sich inzwischen auch im Flugbetrieb. Anfang Juli gab Air Baltic zwei geleaste Airbus A220-300 vorzeitig an den Leasinggeber zurück. Branchenkreisen zufolge könnte dies jedoch erst der Anfang sein. Demnach wird erwartet, dass weitere A220 die Flotte verlassen werden.

Eigentlich sollte eine Anleihen-Gläubigerversammlung zur Verschiebung von Zinszahlungen und zur Finanzierung am Montag (3. August) mehr Klarheit und Entlastung bringen. Doch sie ist mangels Beschlussfähigkeit gescheitert. Sie wurde nun auf den 17. August verschoben.

Lufthansa Group äußert sich nur zurückhaltend zu Air Baltic

Gegenüber aeroTELEGRAPH erklärt ein Lufthansa-Group-Sprecher, man gehe davon aus, dass Air Baltic die vereinbarte Sommerkapazität 2026 «wie geplant bereitstellen kann». Sowohl zum Wet-Lease in Zukunft als auch zur Sicht des Anteilseigners Lufthansa Group auf die aktuelle Lage bei Air Baltic wollte sich der Sprecher dagegen nicht äußern.

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