Jet von Flydubai und Quellcode: Was wurde wirklich erbeutet?

Angeblicher DatendiebstahlHacker drohen Flydubai mit Veröffentlichung geheimer Boeing-Daten

Eine Hackergruppe behauptet, bei Flydubai nicht nur persönliche Daten von Tausenden Mitarbeitenden gestohlen zu haben. Auch interne Schulungsunterlagen für Piloten und vertrauliche Software von Boeing sollen darunter sein. Jetzt drohen die Angreifer mit der Veröffentlichung.

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Mit der Software lassen sich unter anderem Startgewichte, Landestrecken und die Auswirkungen eines Triebwerksausfalls berechnen. Das sogenannte Performance Engineers Tool von Boeing ist damit ein wichtiges Hilfsmittel für die Flugplanung. Und ausgerechnet dessen Quellcode soll nun in die Händen von Cyberkriminellen gelangt sein.

Das behauptet zumindest die Hackergruppe Everest. Wie das Fachportal Cybernews berichtet, hat sie Flydubai auf ihrer Veröffentlichungsplattform im Darknet aufgeführt. Zu den angeblich erbeuteten Daten gehört demnach ein vollständiges Installationspaket der Boeing-Software in der Version 3.2. Die Angreifer geben an, insgesamt 2827 Java-Quelldateien zu besitzen. Mehr als 2000 davon sollen ausdrücklich als vertraulich oder als Geschäftsgeheimnis des US-Flugzeugbauers gekennzeichnet sein.

Everest lieferte noch keine Beispiele für Diebstahl bei Flydubai

Ob das stimmt, ist allerdings völlig offen. Bislang hat Everest keine Beispiele der angeblich gestohlenen Dateien veröffentlicht. Die Gruppe beschränkt sich darauf, deren Inhalt aufzulisten. Flydubai hat sich bisher nicht zu all dem geäußert.

Die Liste der angeblich entwendeten Dokumente reicht weit über die Boeing-Software hinaus. So wollen die Hacker auch umfangreiche Schulungsmaterialien für die Boeing 737 NG besitzen. Darunter soll sich ein interaktiver Lehrgang mit Tausenden Unterrichtseinheiten befinden, der zahlreiche Flugzeugsysteme erklärt.

Auch Ausbildungsunterlagen von Flydubai geklaut

Dazu kommen laut Everest Unterlagen, mit denen sich Pilotinnen und Piloten auf besondere Situationen vorbereiten. Etwa auf Landungen bei schlechter Sicht, Flüge bei winterlichen Bedingungen oder anspruchsvolle Anflüge wie jenen auf Kathmandu. Auch interne betriebliche Anweisungen sollen betroffen sein. Die Hacker nennen außerdem ein vertrauliches Triebwerkshandbuch von CFM, Dokumente von Airbus und umfangreiche Luftfahrtreferenzwerke.

Für Flydubai könnte der behauptete Datendiebstahl aber noch aus einem anderen Grund problematisch werden. Denn die Gruppe will auch persönliche Informationen von 2862 Beschäftigten erbeutet haben. Insgesamt spricht sie von 17.053 Datensätzen aus den Jahren 2009 bis 2020. Sie sollen unter anderem Namen, Personalnummern, berufliche Funktionen und Angaben zu absolvierten Schulungen enthalten. Betroffen wären demnach nicht nur Cockpitcrews, sondern auch Kabinenpersonal, Ausbilder und Beschäftigte am Boden.

Flydubai hat sechs Tage für Verhandlungen

Cybernews zufolge hat Everest der Fluggesellschaft eine Frist von sechs Tagen gesetzt, um Verhandlungen aufzunehmen. Solche Ultimaten gehören zum Vorgehen der Gruppe. Sie versucht, Unternehmen mit der möglichen Veröffentlichung sensibler Informationen unter Druck zu setzen.

Sollte Everest die Daten tatsächlich besitzen und veröffentlich, könnten sie auch für weitere Angriffe genutzt werden. Die Sicherheitsfachleute von Cybernews warnen insbesondere vor gezielten Phishing-Versuchen. Denn wer weiß, welche Aufgaben ein Mitarbeiter übernimmt und welche Schulungen er absolviert hat, könnte diese Informationen nutzen, um bei Kontaktversuchen glaubwürdiger aufzutreten und möglicherweise an weitere vertrauliche Daten zu gelangen.

Everest war verantwortlich für Angriff auf Collins Aerospace

Everest ist in der Cyberkriminalität kein unbekannter Name. Die mit Russland in Verbindung gebrachte Gruppe ist seit mindestens 2020 aktiv. Sie hat in der Vergangenheit unter anderem einen Angriff auf Collins Aerospace im Jahr 2025 für sich reklamiert, der erhebliche Störungen an europäischen Flughäfen verursachte. Auch bei einem Vertriebspartner von Coca-Cola im Nahen Osten behauptete sie, Mitarbeiterdaten gestohlen zu haben. Diese wurden später tatsächlich veröffentlicht.

Im Fall von Flydubai bleibt dagegen vorerst die entscheidende Frage unbeantwortet: Hat Everest tatsächlich Zugriff auf die genannten Informationen erhalten, oder versucht die Gruppe, die Fluggesellschaft allein mit ihren Behauptungen unter Druck zu setzen? Bislang gibt es keine veröffentlichten Datenproben, die den angeblichen Angriff belegen.

Flydubai gerade eh in einer sehr schwierigen Lage

Der Erpressungsversuch kommt für Flydubai zu einem besonders ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Fluglinie steht unter großem Druck, nachdem der Kopilot eines ihrer Flüge nach Tel Aviv den Kapitän angriff und das Flugzeug offenbar in den dortigen Flughafen stürzen lassen wollte. Flydubai musste anschließend ihre Israel-Flüge aussetzen und muss nun klären, wie es dazu kommen konnte, dass der Pilot eingestellt und auf Richtung Israel eingesetzt wurde.

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