Eine Boeing 737 Max von Flydubai: Airlines müssen vorher Listen nach Israel schicken.

Kritik am VerkehrsministeriumIsrael lag Crew-Liste vor Flydubai-Flug FZ1073 vor - doch Fragen zur Überprüfung sind offen

Den israelischen Behörden lag die Liste der Besatzung des Flydubai-Fluges vor, auf dem der Kopilot den Kapitän angriff und offenbar den Jet zum Absturz bringen wollte. Doch Fragen zur Sicherheitsüberprüfung bleiben offen. Das Verkehrsministerium gerät immer stärker in die Kritik.

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Warum schlug kein Alarm an, bevor der Kopilot am 30. September Flydubai-Flug FZ1073 nach Tel Aviv bestieg, seinen Kapitän schwer verletzte und offenbar auch versuchte, das Flugzeug zum Absturz zu bringen? Dies ist eine der offenen Fragen zu dem Vorfall, der nur durch das Eingreifen von Passagieren und eine mitfliegende Crew nicht zur Tragödie wurde.

Nun berichtet die israelische Zeitung Haaretz, dass die israelischen Behörden die Liste der Menschen an Bord vor dem Flug vorliegen hatten. Laut israelischem Gesetz müssen ausländische Airlines die Informationen über Crew und Reisende 48 Stunden vor dem Flug an die israelische Steuerbehörde übermitteln. Die Verantwortung für die Sicherheitsüberprüfung ausländischer Besatzungen liegt dem Blatt zufolge dann offiziell beim Verkehrsministerium, praktisch sei aber der Auslandsgeheimdienst Mossad dazu fähig und dafür zuständig.

Ministerium sagt nichts zur Sicherheitsüberprüfung

Auf Anfrage von Haaretz erklärte die Steuerbehörde, sie habe die Listen für den Flydubai-Flug erhalten, und verwies für weitere Informationen auf das Verkehrsministerium. Das Ministerium reagierte allerdings zunächst nicht auf die Frage von Haaretz, ob es die Besatzungsliste tatsächlich erhalten und geprüft hat.

Rechtsanwalt Yitzhak Raz, Ex-Leiter der Unfalluntersuchungsstelle im Verkehrsministerium und Ex-Leiter der Zivilluftfahrtbehörde, sagte der Zeitung: «Es besteht kein Zweifel daran, dass das Verkehrsministerium - unter Mitwirkung von Shin Bet und Mossad - für die Sicherheitsaspekte bei ausländischen Fluggesellschaften verantwortlich ist.» Der Shin Bet ist der Inlandsgeheimdienst und nach eigenen Angaben nur für israelische Fluglinien zuständig. Raz sagte, diese staatlichen Stellen «müssen überprüfen, wer die Piloten sind, die nach Israel einreisen, um die Einreise von Personen mit extremistischen Ansichten zu verhindern».

Scharfe Kritik an Verkehrsministerin Regev

Die Opposition im israelischen Parlament kritisiert Verkehrsministerin Miri Regev und ihr Ministerium mittlerweile dafür, den Einsatz des Kopiloten nicht im Voraus verhindert zu haben, und fordert Regevs Rücktritt. Die Ministerin weist die Verantwortung dagegen von sich. In einem Gespräch mit dem staatlichen Rundfunk sagte Regev: «Diejenigen, die die Besatzung identifizieren sollen, sind Sicherheitsbeamte. Wir sind keine Sicherheitsbeamten.»

Derweil berichteten Haaretz und der Fernsehsender Kanal 12 am Sonntagabend (4. Oktober) übereinstimmend, dass Regev und das Ministerium wiederholte Warnungen des Shin Bet bezüglich der Sicherheit von Flügen nach Israel ignoriert haben sollen.

Kopilot fiel schon bei vorherigem Arbeitgeber auf

Außerdem schreibt Haaretz, dass der Sicherheitschef des Ministeriums einer Nebentätigkeit nachgehe und dabei als Sicherheitsberater für israelische Fluggesellschaften an ausländischen Flughäfen tätig sei. Channel 12 berichtet, ein anderer hoher Beamter, der im Verkehrsministerium für die Sicherheitsaufsicht über ausländische Airlines auf dem Weg nach Israel zuständig sei, habe auch bezahlte private Beratungs- und Schulungstätigkeiten für solche Fluggesellschaften durchgeführt, unter anderem für Flydubai und Emirates.

Zuvor hatte die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate am Samstag (3. Oktober) mitgeteilt, der Kopilot habe den Kapitän mit der Rettungsaxt angegriffen und versucht, die Kontrolle über die Boeing 737 Max 8 zu übernehmen. Die Zeitung Wall Street Journal berichtete zudem, der omanische Kopilot sei früher für Oman Air geflogen, doch dort nach einer gewissen Zeit aus dem Cockpit verbannt worden, da er zunehmend extremistische Ansichten entwickelt hätte. Später wechselte er zu Flydubai. Unklar ist, wieso er dort angestellt wurde und welche Hintergrundchecks erfolgten.

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