Die Dubai Metro schwebt über zwei brandneuen Start- und Landeflächen. Rund 3100 Quadratmeter umfasst die Anlage, im dazugehörigen vierstöckigen Gebäude an der Metrostation Emirates duftet alles wie frisch gestrichen und neu eingerichtet. Die Rezeption sieht auf den ersten Blick aus wie viele öffentliche Empfangsbereiche. Doch beim zweiten Hinschauen fällt ein khakifarbenes, quadratisches Bodenelement direkt vor dem Schalter auf.
«Die Passagiere werden vor dem Abflug gewogen», erklärt dazu Gareth Wilson, der zuständige Manager von Skyports Infrastructure dazu. Wie hoch das Körpergewicht sein darf, verrät der Brite nicht. Reisende, die mit ungewöhnlichem Gepäck oder ausgebeulten Kleidungsstücken erscheinen, werden diskret in einem separaten Raum kontrolliert. Vom Check-in bis zum Start im Lufttaxi sollen hier nicht mehr als zehn Minuten vergehen.
«Man kann uns als den Flughafen betrachten»
«Es handelt sich um den weltweit ersten speziell für den kommerziellen Betrieb errichteten Vertiport», sagt der Brite. Der neue Start- und Landeplatz in Dubai sei bereits von den Behörden General Civil Aviation Authority und Dubai Civil Aviation Authority für den Betrieb von Evtols, also elektrischen betriebenen Senkrechtstartern, zertifiziert worden.
Hinter dem Projekt steht ein Trio aus Dubais Verkehrsbehörde RTA (Roads and Transport Authority), Skyports Infrastructure aus Großbritannien und dem Evtol-Hersteller Joby Aviation aus den USA. Die Aufgaben sind klar verteilt: Skyports Infrastructure entwickelt und betreibt die Infrastruktur. «Wir sind der Anbieter der Luftfahrtinfrastruktur. Man kann uns als den Flughafen beziehungsweise die Flughafeninfrastruktur betrachten», erklärt Wilson.
«Die Passagiere werden ihre Tickets über Joby kaufen»
Dazu gehören Wartung, das Laden der Luftfahrzeuge, das Bodenpersonal, das Betriebsmanagement, die Überwachung des Terminals, Sicherheitspersonal sowie sämtliche klassischen luftfahrtbezogene Infrastrukturen und Dienstleistungen. Derweil ist Joby Aviation Flugzeughersteller und -betreiber. «Die Passagiere werden ihre Tickets über Joby kaufen», sagt Wilson. «Joby ist die Schnittstelle zum Passagier, führt die Fluggäste zum Luftfahrzeug und befördert sie zu ihrem Ziel.» Die RTA trägt als staatliche Aufsichtsbehörde die übergeordnete Verantwortung fürs Lufttaxi-Netz und dessen Betrieb.
Zur Lage des Doppel-Start- und Landeplatzes an der Metrostation Emirates sagt Wilson: «Der Standort liegt strategisch günstig in der Nähe eines der verkehrsreichsten Flughäfen der Welt.» Er meint den Dubai International Airport. Die Fertigstellung des Vertiports ist für Ende dieses Jahres vorgesehen. «Sie werden also sehr bald diese Luftfahrzeuge am Himmel sehen», kündigt der Manager an. «Anfang kommenden Jahres erwarten wir dann die Aufnahme eines regulären kommerziellen Flugbetriebs.»
Insgesamt werden vier Vertiports in Dubai gebaut
Gleichzeitig soll das neue Verkehrsmittel in das öffentliche Verkehrsnetz der RTA eingebunden werden. «Wir stehen hier an unserem ersten Knotenpunkt, dem Vorzeigeprojekt bei VDX», so Wilson. V steht für Vertiport, DX ist die Kennung für Dubai, angelehnt an den Flughafen-Code DXB. Der zweite Knotenpunkt befindet sich am Übergang zwischen Media City und Dubai Marina. «Die Bauarbeiten sind gerade abgeschlossen worden, und wir befinden uns in der letzten Phase der Mängelbeseitigung und Übergabe», sagt der Manager.
Und dabei bleibt es nicht. «Wir haben gerade mit den Bauarbeiten an der Dubai Mall begonnen», so Wilson. «Dieser Vertiport wird auf dem Dach des Zabeel-Parkhauses entstehen. Der vierte Knotenpunkt wird auf Palm Jumeirah liegen. Die Arbeiten beginnen sehr bald, die Fertigstellung ist ebenfalls für das Ende dieses Jahres vorgesehen.»
Preise für Flüge im Lufttaxi sind noch nicht bekannt
Angesichts chronischer Verkehrsstaus in der Golfmetropole, insbesondere auf den Straßen, die von Dubai nach Abu Dhabi und ins benachbarte Schardscha führen, dürfte das Interesse groß sein, sobald die ersten Lufttaxis abheben. Eine entscheidende Frage bleibt allerdings vorerst unbeantwortet: Was wird ein Flug kosten? Beim Ticketpreis hält sich Wilson bedeckt.
«Nach meinem Verständnis wird der Preis in der Anfangsphase, wenn nur eine begrenzte Anzahl von Luftfahrzeugen zur Verfügung steht, etwas höher liegen», sagt er lediglich. «Das sollte sich reduzieren, sobald der Dienst zu einem integrierten Bestandteil des öffentlichen Verkehrsnetzes wird.» Festgelegt werden die Preise von Joby Aviation.
Platz für bis zu vier Fluggäste in jedem Senkrechtstarter
Deren vollelektrische Flieger verfügen jeweils über sechs Motoren und Propeller und bieten Platz für einen Piloten oder eine Pilotin und bis zu vier Fluggäste. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 320 Kilometern pro Stunde, die angestrebte Reichweite bei etwa 160 Kilometern. Als reinen Luxusdienst will Wilson die Lufttaxis nicht verstanden wissen.
«Ich würde es nicht unbedingt als VIP-Service bezeichnen», sagt er. «Die Hoffnung ist, dass der Dienst möglichst vielen Menschen zugänglich sein wird. Letztlich wird dies aber davon abhängen, welche Preise Joby Aviation bekannt gibt.» Die Gesamtkapazität des zentralen Vertiports liegt bei rund 42.000 Flugbewegungen oder 170.000 Fluggästen pro Jahr. Das entspricht ungefähr der Einwohnerzahl von Oldenburg oder Darmstadt in Deutschland.
Ein Blick auf den Vertiport am Flughafen Dubai International
Der Eingang zum ersten Dubai Vertiport.
Vor dem Fliegen werden alle Gäste gewogen.
Anders als bei normalen Flughäfen dauert der Check-in keine zehn Minuten.
Alles duftet noch nagelneu im modernen Gebäude.
Ein Pilot und bis zu vier Passagiere werden in den Evtols von Joby Aviation Platz finden.
Fluglotsen werden die Startplätze und Fluggeräte fest im Auge behalten.
Mit einer Flotte von Joby Aviation ist man künftig in ganz Dubai in der Luft unterwegs.
Am Flughafen Dubai landen und weiterfliegen: Statt mit dem Taxi geht es ab 2027 vom Vertiport aus weiter zum Hotel oder zum Geschäftstermin.
Der zweite Startplatz, im Hintergrund die Skyline von Dubai.
«Wir starten das Netz mit einem einzigen Luftfahrzeug»
Bei aller Euphorie bitten die Betreiber um Geduld. «Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich um ein neues und neuartiges Verkehrssystem handelt», sagt Wilson. «Deshalb wird es eine Anlaufphase geben. Wir starten das Netz mit einem einzigen Luftfahrzeug.» Weitere sollen folgen. «Wie häufig sie letztlich eingesetzt werden, hängt davon ab, wie Joby die Entwicklung des Dienstes einschätzt und wie das Programm voranschreitet», sagt der Manager.
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