Piloten in einem Cockpit: Die Easa schickt Testpersonal regelmäßig für die Zulassung neuer Flugzeuge um die Welt.

ZertifizierungsflügeSo testet die Easa, ob Jets von Comac und Co. zugelassen werden

Easa-Personal ist aktuell in China im Einsatz: Sie testen die Comac C919. Ein Standardverfahren, das die Behörde mehrmals jährlich bei neuen Flugzeugmustern durchführt. Doch wie läuft das ganze ab?

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Ryanair-Chef Michael O’Leary spricht seit 15 Jahren davon die Comac C919 kaufen zu wollen. Vorausgesetzt das Modell ist marktreif und zu konkurrenzfähigen Preisen erhältlich. Die C919 positioniert sich als direkte Konkurrentin zur Boeing 737 Max und zum Airbus A320 mit Platz für bis 192 Passagieren und einer Reichweite von 5555 Kilometern. Das Problem: Bisher ist das Flugzeug nur in China zertifiziert.

Doch das könnte sich bald ändern: Zwar haben die Chinesen die C919 bereits 2019 für die Easa-Zulassung angemeldet, doch die Coronavirus-Pandemie und geopolitische Spannungen haben den Prozess verzögert. 2023 wurde das Verfahren wieder aufgenommen und seit November 2025 führen Easa-Pilotinnen und -Piloten Testflüge durch. Diese gelten als entscheidender Schritt, um die C919 außerhalb Chinas zuzulassen.

Easa schickt Testpersonal mehrmals pro Jahr ins Ausland

Immer wenn ein neues Flugzeugmuster oder eine wesentliche Modifikation zugelassen werden soll, sind Flugtests mit Cockpitpersonal unter Easa-Aufsicht zwingend notwendig. Daher schickt die Easa ihre Testpilotinnen und Piloten und -ingenieure regelmäßig ins Ausland, um Flugzeuge zu bewerten. «In der Regel vier- bis fünfmal pro Jahr, manchmal auch häufiger», teilt ein Sprecher der Easa auf Anfrage von aeroTELEGRAPH mit.

Die Häufigkeit hängt dabei maßgeblich von der Anzahl der eingereichten Zertifizierungsanträge ab. Besonders gefragt sind die Easa-Experten bei großen Herstellern wie Boeing, Gulfstream, Bombardier, Textron Aviation und Embraer, die ihre Muster weltweit zertifizieren lassen wollen, so der Sprecher weiter. Die Tests erfolgen immer in enger Abstimmung mit dem Hersteller und den nationalen Luftfahrtbehörden des Gastlandes.

Tests sind weltweit gleich

Im Fokus der Tests stehen immer: Leistung, Flugeigenschaften und Systemfunktionen. «Die Standards sind global einheitlich», betont die europäische Luftfahrtbehörde. Unterschiede zwischen Tests in der EU und außerhalb gebe es nicht. Entscheidend sei allein, ob das Flugzeug die geltenden Zertifizierungsvorgaben erfüllt.

Dabei folgt die Vorbereitung auf Testflüge keinem starren Schema, sondern wird individuell auf das jeweilige Programm zugeschnitten. Wie der Sprecher betont, fließen dabei die bereits vom Hersteller durchgeführten Tests ein. «Es gibt keine pauschale Checkliste». Stattdessen entstehen die Vorkehrungen in enger Abstimmung mit Hersteller und Behörden – für eine maßgeschneiderte Planung, die alle relevanten Aspekte abdeckt.

Easa spricht von konstruktiver Zusammenarbeit

Laut dem Sprecher sei es daher bisher auch nicht vorgekommen, dass die lokalen Behörden die Arbeit des entsandten Testpersonals abgelehnt oder bewusst erschwert hätten. «Die Zusammenarbeit ist in der Regel konstruktiv», so der Easa-Sprecher. Letztlich hätten alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel: die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Flugzeugs zu gewährleisten.

Die Auswertung der Testergebnisse erfolgt gemeinsam mit dem Hersteller, wobei auf etablierte Flugtestmethoden zurückgegriffen wird. Erst wenn alle Anforderungen erfüllt sind, empfiehlt die Easa die Zertifizierung. «Sicherheit steht an erster Stelle», so der Sprecher. «Nur wenn alle Kriterien erfüllt sind, erhält das Flugzeug das notwendige Zertifikat».

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