Die neue Airbus-A350-Kabine von Edelweiss gibt es noch nicht zum Anfassen. Gleich zu Beginn der Präsentation vor versammelten Medien am Dienstag (20. Januar) hieß es sinngemäß: Leider könne man noch nicht probesitzen, die Sitze seien noch nicht vor Ort.
Edelweiss-Chef Bernd Bauer ordnete das Projekt der Schweizer Lufthansa-Tochter als Neuanfang ein: «Mit dem neuen Airbus A350 haben wir die Chance genutzt, unser gesamtes Kabinenprodukt neu zu denken und konsequent vom Wohlbefinden unserer Gäste her zu entwickeln.» Aus dem, was dann gezeigt wurde, wird ersichtlich: Edelweiss will nicht einfach modernisieren, sondern sich positionieren – als Ferienfluglinie mit Premium-Anspruch.
Premium Economy: erstmals eine echte neue Klasse
Designtechnisch übersetzt sich das in eine ruhigere, reduzierte Farbwelt: weniger visuelles Rauschen, mehr Wohnlichkeit. Blautöne dominieren, bewusst als Wohlfühl- und Reisefarbe gesetzt; ergänzt durch dezente Holzflächen und klare Linien. Auch Edelweiss selbst spricht von einem «bewusst gestalteten Raumgefühl», das Entspannung und Komfort ins Zentrum stellt.
Der markanteste Schritt – auch strategisch – ist die neue Premium Economy Class. Was bisher bei Edelweiss als «Economy Max» vor allem ein Sitzplatz-Upgrade war, wird nun zur eigenständigen Reiseklasse: 28 Sitze in 2-3-2-Konfiguration, rund ein Meter Sitzabstand, Hartschalensitz. Patrick Heymann, Kommerzchef von Edelweiss, erklärte bei der Vorstellung, das Produkt werde ein «neues Reiseerlebnis» ermöglichen – also mehr als nur ein bisschen mehr Beinfreiheit.
Die Premium Economy Class. Edelweiss
Auch die Economy von Edelweiss bekommt ein Upgrade
Entscheidend ist dabei nicht nur der Sitz, sondern das Servicepaket: Welcome Drink vor dem Start, Mahlzeiten auf Porzellan mit Tischtuch, mehr Auswahl, alkoholische Getränke inklusive – und Noise-Cancelling-Kopfhörer. Edelweiss will Premium Economy sichtbar als Premium verkaufen. Das passt zur Preislogik, die bei dem Event herumgereicht wurde: Auf der Langstrecke ist ein Aufpreis im Bereich von grob 600 bis 1000 Franken (rund 650 bis 1080 Euro) für Hin- plus Rückflug im Vergleich zur Economy Class nicht unrealistisch – je nach Route und Saison. Genau hier wird sich zeigen, ob der Markt das neue Angebot als «Sweet Spot» annimmt, oder als zu nah an Business Class einordnet.
Auch die Economy Class bekommt ein Upgrade, und zwar dort, wo es auf Langstrecken wirklich zählt: mehr Platz und moderne Stromversorgung. Edelweiss nennt rund drei Zentimeter mehr Sitzabstand und einen größeren Sitzneigewinkel als bisher. Die Sitze sind voll elektrisch, die Bildschirme wachsen deutlich, die Kopfstützen werden stärker verstellbar.
Die Economy Class. Edelweiss
Business und Business Suite: Ferienflieger mit Tür
In der Business Class geht Edelweiss auf ein durchgehendes 1-2-1-Layout, damit jeder Sitz direkten Gangzugang hat. Das ist im Jahr 2026/27 keine Kür, sondern Pflicht – aber für Edelweiss, die aus einer klaren Leisure-Logik kommt, trotzdem ein wichtiger Schritt. Interessant ist die Auslegung: ein Teil der Sitze als Doppelsitze in der Mitte, explizit für gemeinsam reisende Paare. Das ist eine bewusste Abweichung von stark «solo-orientierten» Business-Konzepten der Netzwerkcarrier.
Die eigentliche Schlagzeile ist aber die Edelweiss Business Suite: schließbare Türen, großer 32-Zoll-Monitor, mehr Privatsphäre, mehr Stauraum – und ein offener Fußraum, der im Liegen mehr Bewegungsfreiheit verspricht. Heymann betont in der Produktlogik die weichen Faktoren: etwa einen Topper als Matratzenauflage und «eine Aufmerksamkeit der Crew» – vom Gruß aus der Küche bis zu kleinen Gesten, die das Suite-Erlebnis abrunden sollen.
Operativer Start neuer Kabine ab Dezember 2026
Offen bleibt, ob das Produkt am Markt einen Aufpreis von 600 bis 1000 Franken im Vergleich zur normalen Business Class nachhaltig durchsetzen kann – insbesondere auf typischen Ferienrouten mit preissensiblerer Nachfrage als im Geschäftsreiseverkehr. Bei Premium-Destinationen wie den Malediven dürfte die Akzeptanz jedoch deutlich höher liegen.
Normaler Business-Class-Sitz. Edelweiss
Edelweiss plant den operativen Start der ersten A350 mit neuer Kabine ab Dezember 2026; buchbar seien die Flüge ab Sommer 2026. Danach folgt die Umrüstung schrittweise bis Sommer 2027, dann soll die A350-Flotte komplett umgestellt sein. Umgerüstet wird in Malta bei Lufthansa Technik. Wohin die ersten Maschinen mit neuer Kabine konkret eingesetzt werden, bleibt vorerst offen.
Nicht «Senses» oder «Allegris», sondern ein Claim
Mit der neuen Kabine liefert Edelweiss mit «Mehr Raum zum Wohlfühlen» keinen Marketingnamen wie «Senses» oder «Allegris», sondern einen Claim – und setzt auf ein ganzes Bündel an Verbesserungen: mehr Komfort in der Breite, eine echte Premium Economy als neues Segment und eine überraschend ambitionierte Suite als Premium-Spitze.
So präsentiert Edelweiss die neue Kabine im Video:
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