Und hier das Ganze von der anderen Seite.

Markenexperten zum neuen Lufthansa-Auftritt«Blau ist eine Leistungsfarbe»

Lufthansa hat den Markenauftritt modernisiert - und löst damit gemischte Reaktionen aus. aeroTELEGRAPH hat Designexperten gefragt, was sie vom Relaunch halten.

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Nach drei Jahrzehnten verpasst sich Lufthansa einen neuen Markenauftritt. Ein schlankeres Logo, modernere Schrift und ein neues Farbkonzept sind die zentralen Punkte des Relaunches. Das neue Design wird heftig und emotional diskutiert. Die Leser von aeroTELEGRAPH  sind geteilter Meinung. 27 Prozent der rund 4000 Umfrageteilnehmer finden es großartig. 52 Prozent finden den neuen Markenauftritt mittelmäßig und 21 Prozent finden ihn scheußlich.

Für Tobias Phleps ist aber klar: Der Schritt war überfällig. «Im Airlinemarkt herrscht derzeit viel Bewegung, da war ein solcher Schritt wichtig», so der Deutschland-Chef der Internationalen Markenagentur Superunion, die unter anderem für den Markenauftritt von IAGs Billigairline Level verantwortlich war.

«Premium im Design erkennbar»

Bei der Flugzeugbemalung auf das Gelb und Grau zu verzichten, findet Phleps richtig. «Lufthansa hat lange daran gearbeitet, sich weltweit als Premium Carrier zu positionieren», so Phleps. Immerhin seien immer mehr Dienste, die dem nicht entsprachen an Germanwings und dann Eurowings ausgelagert worden. «Jetzt ist das auch im Design erkennbar.»

Der Gelbton habe immer noch einen 70er-Vibe ausgestrahlt. Und der gelbe Kreis mit dem Kranich in der Mitte auf der Heckflosse «sah aus der Entfernung immer ein bisschen aus als hätte man ein Spiegelei an die Wand geworfen», scherzt er.

«Wie der Stern für Mercedes»

Am Kranich hält Lufthansa fest, er ist allerdings neu weiß auf blauem Hintergrund – zudem hat er ein schlankeres und etwas moderneres Design erhalten. Dass Lufthansa am Kranich festhält, ist klar, findet Phleps. «Er ist wie der Stern für Mercedes, der Swoosh für Nike oder die drei Streifen bei Adidas.»

Für Christine Lischka, Managing Partner bei der Kommunikationsagentur Serviceplan, ist der Kranich mit ein Grund, warum der Relaunch des Lufthansa-Auftritts zu einem «großen Wurf» wurde. «Wenn man so eine Ikone wie den Kranich hat, dann kann man in anderen Bereichen – wie eben der Farbgebung – viel mehr machen», so Lischka. «Der Relaunch von Lufthansa ist fast lehrbuchmäßig», sagt sie. Es habe sich nämlich wirklich viel getan – doch viel Vertrautes sei auch erhalten geblieben. Insgesamt sei das neue Bild viel klarer, frischer und eleganter.

«Je digitaler desto eindeutiger die Farben»

Das neue Farbkonzept ergebe in Zeiten zunehmender Digitalisierung Sinn, so Lischka. «Je digitaler die Medien, desto eindeutiger müssen Farben eingesetzt werden, es muss präzise und klar sein. So lassen sich Botschaften klarer strukturieren.»

Das in der Flugzeugbemalung dominierende Blau sei schon immer die Farbe für Eleganz, Seniorität und Status gewesen. «Blau ist eine Leistungsfarbe. Und das ist bei den Flugzeugen auch sinnvoll, so Lischka. Das Gelb verschwindet zwar fast ganz von den Jets – aber Lufthansa legt wert darauf, dass es in der Marke weiterhin eine Bedeutung hat – etwa bei den Bordkarten oder als Erkennungsmerkmal bei Check-in und Gates.

«Gelb ist eine emotionale Farbe»

«Gelb ist eine emotionale Farbe, steht für Menschlichkeit, Vertrauen und Wärme», erklärt Lischka. Diese Farbe an den Punkten einzusetzen, wo es um zwischenmenschlichen Kontakt geht, sei daher ein schlauer Schritt.

Dass das Verschwinden von Gelb auf den Fliegern einige Kunden stört, erklärt sich Christine Lischka ebenfalls mit der Emotionalität der Farbe. Dass etwa auch das Grau am Bauch der Flieger verschwinde, störe daher sicher weniger Kunden. «In den letzten Monaten ist in der Öffentlichkeit das Bild von Lufthansa als kühlem Großkonzern immer stärker geprägt worden. Und jetzt denken sich vielleicht einige: ‹und jetzt nehmen sie uns auch noch das Gelb weg!›» Umso wichtiger sei es daher, dass die Farbe im Bereich des Kundenkontakts beibehalten werde.

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Auch der Schriftzug wird angepasst. «Die Schrift überall funktionieren – vom Flugzeug-Logo bis zu kleinen Angaben auf der Bordkarte. Das ist schwieriger, als man denkt», so Lufthansa.

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