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Noch drastischere Sparmaßnahmen

Lufthansa schaltet wieder auf Minimalbetrieb

Die Luftfahrtindustrie hat einen harten Winter vor sich - deutlich härter als erwartet. Das Management von Lufthansa stellt die Mitarbeiter auf drastische Maßnahmen ein.

aeroTELEGRAPH

Lufthansa-Flieger: Ein Flugniveau wie in den 70ern.

Erst waren es 60 Prozent. Dann 40. Jetzt nur noch 25. Die Lufthansa-Gruppe fliegt derzeit mit nur einem Viertel der ursprünglich geplanten Kapazität, nachdem sie die Prognosen für den Winter immer weiter nach unten korrigieren musste. Daher ist der Vorstand nun gezwungen, deutliche Worte an die Angestellten zu richten. Und die geben wenig Anlass für Zuversicht.

«Nach einem Sommer, der uns allen Anlass zur Hoffnung gegeben hat, befinden wir uns jetzt wieder in einer Situation, die in ihren Auswirkungen einem Lockdown gleichkommt», schreibt das Management in einer Mail an die Belegschaft.

Flugniveau wie 1970

«Im historischen Vergleich sind wir in etwa auf dem Niveau Mitte der 1970er-Jahre: Damals hatte die Deutsche Lufthansa rund 80 ‹Streckenflugzeuge› im Einsatz – in etwa so viele, wie die Lufthansa Airline im kommenden Winter selbst betreiben wird.» Die Passagierzahl dürfte laut Spohr noch unter der Kapazität liegen: Bei einem Fünftel.

Einnahmen in Milliardenhöhe fallen dadurch weg. Zwar verliere der Konzern inzwischen «nur noch» eine Million Euro alle zwei Stunden gegenüber einer Million jede Stunde wie noch im Sommer. Doch da die Aussichten sich verschlechtert haben, bleibe der Lufthansa Gruppe nichts anderes übrig, als die Kosten noch drastischer zu senken.

Das wirkt sich auf alle Bereiche des Konzerns aus:

Die Flotte: 125 Flugzeuge wieder am Boden

Da die Kapazität nicht wie geplant hochgefahren werden kann, muss Lufthansa 125 Flugzeuge erneut stilllegen, schreibt die Lufthansa-Chefetage. Man wolle außerdem soweit wie möglich die effizienten Flugzeuge nutzen, um so die Treibstoffkosten niedrig zu halten. So wird geprüft, vier weitere Airbus A350, die momentan in München nicht gebraucht werden, nach Frankfurt zu verlegen.

Bei der Schweizer Tochter Swiss prüft man derzeit, sämtliche Kurz- und Mittelstreckenflüge mit Airbus A220 und A320 Neo zu fliegen. Derzeit gehören zur Swiss-Flotte zwei A320 Neo, ein A321 Neo und 29 A220. Alle Airbus A320 der älteren Generation würden dann außer Dienst gestellt. Auch «nahezu» der gesamten A320-Flotte von Austrian droht das Grounding. Man prüfe, in erster Linie Embraer und Dash 8 einzusetzen. Eurowings wird mit weniger als 30 Flugzeugen unterwegs sein.

«Aus inaktiven Flugzeugen aller Flotten werden wo immer möglich Ersatzeile genutzt», heißt es weiter. Zudem werden die großen Wartungen abgesagt, die bei Boeing 747-400 geplant gewesen waren und deren Lebensdauer verlängert hätten.

Die Verwaltung: Hauptsitz quasi stillgelegt

Auch für die Verwaltung hat das Sparprogramm drastische Konsequenzen. Im Grunde ist auch hier alles wieder wie im Lockdown-Modus. «Nur noch betriebsnotwendige, rechtlich vorgeschriebene und im Zusammenhang mit der notwendigen Restrukturierung stehende Aktivitäten» werden stattfinden. Die Kurzarbeit wird ab Mitte Dezember bis Ende Februar auf ein Maximum erhöht.

«Administrative Flächen werden im Wintermodus auf ein Minimum von durchschnittlich 30 Prozent reduziert», schreiben Spohr und der Vorstand. Das heißt: Der Hauptsitz, das Lufthansa Aviation Center am Flughafen Frankfurt, wird «bis auf wenige Arbeitsplätze» geschlossen. Arbeitsflächen im Gebäude Squaire am Frankfurter Flughafen (früher Airrail-Center) werden abgemietet. Kantinen, die ausschließlich von Mitarbeitern in administrativen Bereichen genutzt werden, schließen. Eurowings gibt die Büroflächen in Düsseldorf komplett auf.

Die Arbeitsplätze: 100.000 Arbeitsplätze erhalten

Die Lufthansa-Gruppe traut sich keine Prognose zu, wie die Pandemie sich auf die Luftfahrtbranche auswirken wird. Nur so viel macht das Management klar: «Eine Pandemie geht nicht in wenigen Monaten vorüber. Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Folgen unser Geschäft noch über Jahre belasten werden.» Danach rechnet man damit, deutlich kleiner, effizienter zu sein.

Konkrete Aussagen, was das für die Arbeitsplätze bedeutet, gibt es nicht. Man sei aber fest entschlossen, 100.000 der heute 130.000 Arbeitsplätze zu erhalten, heißt es in dem Schreiben. Kürzlich war davon die Rede, dass rund 27.000 Stellen gefährdet sind. Mit dem Nachtrag: «Auch, wenn wir aktuell nicht annähernd genug Beschäftigung für eine Belegschaft dieser Größe haben.»



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