Grafik der Sitzsysteme: Mit den Boxen kann Luftfracht vor oder auf gewöhnlichen Sitzen platziert werden.

Neues KabinensystemFracht soll in der Kabine für Social Distancing sorgen

Social Distancing wird auch im Flugzeug ein Thema bleiben. Ein Unternehmen hat eine Lösung, wie leerer Raum zwischen Passagieren genutzt werden könnte.

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Der Ansatz ist eigentlich nicht neu. In einer Passagierkabine Luftfracht zusammen mit Flugreisenden zu befördern, war beispielsweise mit der Boeing 747-400M Combi möglich. Während der Jumbo in den vorderen zwei Dritteln des Hauptdecks bestuhlt war, konnten im Heck über eine zusätzliche große Tür auch Frachtcontainer geladen werden.

Als letzter Betreiber dieser besonderen Jumbovariante setzt KLM ihre letzten «Combis» nur noch als Frachter ein. Weil im Zuge der Coronakrise die Nachfrage nach reinen Frachtflugzeugen gestiegen ist, zweckentfremden auch viele andere Fluglinien ihre Passagierflieger als reine Cargoflugzeuge. Es gibt verschiedene Lösungen, wie Passagierkabinen auch Frachtgüter aufnehmen können – ein neues Konzept möchte die Mitnahme von Luftfracht künftig sogar mit Social Distancing verbinden.

Zügige Entwicklung

Innerhalb eines Monats entwickelte Haeco Cabin Systems mehrere neue Konzepte. Der Kabinenausstatter ist eine amerikanische Tochter des Luftfahrtkonzerns Haeco aus Hong Kong. Sperrige Frachtgüter – außer Gefahrengüter –, die sonst nur im unteren Frachtdeck Platz finden, sollen mit den Systemen auch zwischen Passagiersitzen mitfliegen können. So sollen Flugzeuge nicht nur besser ausgelastet werden, auch die Gewichtsverteilung lässt sich optimieren.

Zu einem entwickelte Haeco Boxen, die vor oder auf gewöhnlichen Sitzbänken platziert werden können. Als weiteres Produkt bietet das Unternehmen Trägergerüste für Luftfrachtboxen an, die sich anstelle von gewöhnlichen Sitzbänken einbauen lassen. In einer Mitteilung heißt es, dass die neuen Produkte zum Großteil mit bisherigen Sitzkonzepten für Passagierkabinen vereinbar sind.

Gastspiele unter Frachtern gab es schon früher

Dies ermöglichte nicht nur die schnelle Entwicklung der Frachtsysteme. Auch die Zulassung soll sich so beschleunigen. Die Frachtplätze können ohne Spezialwerkzeug überall dort installiert werden, wo herkömmliche Sitze für Passagiere Platz finden. «Die Varianten können sowohl für Schmalrumpf- als auch für Großraumflugzeuge kombiniert werden, um eine ideale operationelle Nutzlast zu erreichen», sagt der Hersteller.

Anfang April stellte das in Litauen ansässige Luftfahrtunternehmen Colibri Aero ebenfalls einen Umrüstsatz vor. Mit speziellen Säcken können pro Sitzplatz 82 Kilogramm an Gütern transportiert werden. Dieses Prinzip erinnert an Zeiten, als Passagierflugzeuge in den 1960er- und 1970er-Jahren noch im großen Stil für die Nacht zu Postfliegern umfunktioniert worden sind.

Dreifache Kapazität ohne Sitze

Das Umfunktionieren von Passagierkabinen zu Frachtkabinen geht auch mit provisorischen Mitteln. Ende März flog ein Airbus A330 der Lufthansa beispielsweise medizinische Güter von Shanghai nach Frankfurt. Kurzerhand wurden die Passagiersitze mit Plastikfolien abgedeckt, ehe sie mit Pappkartons beladen und mit Netzen überspannt wurden – Passagiere dürften unter solchen Umständen allerdings nicht mitfliegen.

Aegean funktionierte zwei ihrer Passagierflieger radikaler zu Frachtern um. Die griechische Fluggesellschaft räumte einen Airbus A320 und einen Airbus A321 gleich völlig aus, um so Platz für Güter zu schaffen. Drei mal so hoch wie vorher sei so die Kapazität, so die Fluglinie in einer Mitteilung.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Computerskizzen des Luftfrachtsystems für Passagierkabinen.

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