Nachtluftpost wird am Flughafen Frankfurt in eine Convair 440 Metropolitan von Lufthansa verladen: Das Foto entstand um das Jahr 1961.

In der KabineTagsüber fliegen Passagiere, nachts die Post

Viele Fluglinien nutzten derzeit Passagierkabinen für den Transport von Fracht. Dass nicht nur Reisende auf den Sitzen Platz nehmen, hat eine lange Tradition.

Top-Jobs

Pilatus Logo

Teamleiter Montage & Support (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
Pilatus Logo

Leiter Zerspanung Kleinteile / Stv. Abteilungsleiter (a)

Pilatus Flugzeugwerke AG
Vollzeit
Top jobs
Schweiz
Feste Anstellung
Flugzeughersteller
k5 logo

Captain A320 (m/w/d)

K5-Aviation GmbH
München, Hamburg, Stuttgart
Feste Anstellung
Business Aviation
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
logo-gi-group

Teamleiter (gn) am Flughafen Hamburg

Hamburg
Feste Anstellung
Gi Group Recruiting
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Auf den Sitzen von Lufthansa, Condor und Co. finden sich derzeit gelegentlich Kartons statt Passagieren. Da aufgrund der Corona-Krise Frachtkapazitäten fehlen, werden aus Passagier- nun Cargoflieger, etwa für medizinische Güter. Für manchen sind die beladenen Sitze ein außergewöhnlicher Anblick, bei anderen wecken sie Erinnerungen - an die Nachtluftpost.

«Dafür habe ich seit meiner Ausbildung zum Flugzeugmechaniker bei Lufthansa in Hamburg Anfang der 1970er-Jahre spätabends Flugzeuge vorbereitet», erzählt aeroTELEGRAPH-Leser Michael Walczak. Für die Nachtpostflüge hätten er und zwei oder drei Kollegen in Passagierflugzeugen die Abdeckungen der Sitzschienen entfernt und spezielle Schutzbezüge über die Sitze gezogen, erinnert sich der heutige Rentner.

Tagsüber Passagiere, nachts Briefe und Pakete

Sobald das Flugzeug, in dem kurz zuvor noch Reisende gesessen hatten, umgebaut war, wurde es mit Post beladen. Große Pakete gingen in den Frachtraum, Kästen mit Briefen landeten auf den Sitzen und wurden dort mit Gurten festgezurrt. «Die Maschine ging dann immer um kurz vor 23 Uhr in die Luft in Richtung Frankfurt», erzählt Walczak. Am größten deutschen Flughafen trafen sich Nachtpostflieger aus etlichen deutschen Städten.

«Auf einer Außenposition vor Terminal 2 wurde die Post zwischen den Fliegern umgeladen und dann ging es zurück zum Abflugort», so Walczak. Dort wurde die Post entladen, die Sitzbezüge wurden entfernt und die Abdeckungen der Sitzschienen wieder eingebaut. «Um 6 Uhr startete die Maschine dann meist wieder zum ersten Flug mit Passagieren.» Beim Be- und Entladen hätten die Loader in Hamburg oft Hilfe von der Flughafenfeuerwehr erhalten.

Post als größten Auftraggeber der Lufthansa

Die innerdeutsche Nachtluftpost startete 1961. «Die Deutsche Bundespost ist sozusagen 'über Nacht' zum größten Auftraggeber der Lufthansa geworden», war damals im Firmenmagazin «Lufthansa Nachrichten» zu lesen. «Sie hat die Lufthansa beauftragt, ein Nachtluftpostnetz einzurichten, das in der Nacht vom 1. zum 2. September in Betrieb genommen wurde.» Zuerst flogen vier Convair 440 Metropolitan und eine Viscount 814.

«Da diese Flugzeuge tagsüber im regulären Liniendienst fliegen, werden die Sitze mit Schonbezügen in der Länge der Kabine versehen - ein Verfahren, das der Nachtluftpost schon die Bezeichnung 'Unternehmen Fliegender Teppich' eingetragen hat», hieß es. Die Flieger steuerten montags bis freitags Frankfurt als Mittelpunkt des Nachtflugnetzes an.

Mehr Airports, mehr Flugzeuge, mehr Post

«Eine halbe Stunde nach Mitternacht treffen dort als erste Luftpost-Flugzeuge die Metropolitan aus Stuttgart und die Viscount aus München ein; um 0.45 Uhr folgt die Metropolitan aus Richtung Hannover - Köln/Bonn; fünf Minuten später landen die beiden Metropolitan aus Hamburg und Bremen - Düsseldorf», so die «Lufthansa Nachrichten».

Später kamen weitere Städte hinzu. 1991 wurden etwa Leipzig und Dresden an das Nachtluftpostnetz angeschlossen und ebenfalls Direktflüge zwischen Köln und Stuttgart, Nürnberg sowie Berlin aufgenommen. Natürlich änderten sich auch die Flugzeugtypen. So waren zum Beispiel Boeing 727, Boeing 737, Airbus A300 und Airbus A310 im Einsatz.

«Pro Nacht über 300 Tonnen innerdeutsche Briefpost»

Im Jahr 1999 waren es 18 Flugzeuge, die Post zwischen 13 deutschen Flughäfen verteilten. «Damit bewältigt Lufthansa Cargo 85 Prozent des täglichen Nachtluftaufkommens der Deutschen Post», hieß es damals in einer Mitteilung. «Das sind pro Nacht über 300 Tonnen innerdeutsche Briefpost.» Doch in den kommenden zehn Jahren änderten sich die Zeiten. So stellte die Post die innerdeutschen Nachluftpost-Flüge im Sommer 2009 schließlich ein, aus Kostengründen und aufgrund unausgelasteter Kapazitäten.

Doch damit endete diese Geschichte nicht. Denn schon am 1. Dezember 2009 hoben erneut Nachtluftpostflieger in Deutschland ab. «Von montags bis freitags werden wieder auf den drei Nord-Süd-Strecken Stuttgart-Berlin, Stuttgart-Hannover und München-Hannover (jeweils in beiden Richtungen) Maschinen für die Post unterwegs sein», schrieb die Nachrichtenagentur DPA. «Eingesetzt werden Flieger von Germanwings, Air Berlin und Tui.» Der Grund: Der Transport per Lkw hatte zu Verzögerungen bei der Zustellung geführt.

Drei Strecken existieren bis heute

Und tatsächlich gibt es bis heute solche Nachtluftpostflüge. «Grundsätzlich fliegen wir im Rahmen unseres Nachtluftpostnetzes noch die Relationen Stuttgart-Berlin Tegel, Stuttgart-Hannover und Hannover-München und nutzen hier jeweils Passagierflieger mit Kabinenbeladung», so ein Sprecher von Deutsche Post DHL gegenüber aeroTELEGRAPH. Aktuell werde aber wegen der Corona-Pandemie keine Post innerhalb Deutschlands geflogen. Der Flughafen Stuttgart sei zudem wegen eines Umbaus geschlossen.

Welche Fluggesellschaften die Post für DHL transportieren, erklärte das Unternehmen nicht. Ein Sprecher von Eurowings bestätigte aber, dass die Lufthansa-Tochter noch bis Anfang April Nachtpost zwischen Stuttgart und Berlin-Tegel flog. Man gehe davon aus, diese Flüge fortzusetzen, wenn der Flughafen Stuttgart wieder geöffnet sei. Tuifly erklärte auf Anfrage zu den Postverbindungen, man führe «noch vereinzelt Flüge durch».

Mehr zum Thema

Die Kabine eines Airbus A330 von Lufthansa: Hier wird sie in Shanghai mit Fracht beladen. Die Sitze haben ...

Pappkartons nehmen auf Passagiersitzen Platz

Colibri Aero Bags: 84 kg of freight can be carried per seat; 75kg on the seat and 9kg beneath.

Säcke machen Airbus A320 zu Frachtern

A glance into the  stripped down A321: In it, Aegan Airlines carries medical equipment.

Aegean macht aus A320 und A321 temporäre Frachter

ticker-lufthansa

Lufthansa verkleinert Angebot nach Dresden und Leipzig

Video

condor flughafen zeichnen
Wer am Flughafen warten muss, kann einen künstlerischen Zeitvertreib ausprobieren. Zeichner Kevin Zych gibt eine kurze Videoanleitung dafür.
Timo Nowack
Timo Nowack
erdfall la guardia loch
Am New Yorker Flughafen LaGuardia ist nahe einer Start- und Landebahn ein tiefes Loch im Rollweg entdeckt worden. Viele Flüge mussten am Mittwoch gestrichen werden.
Timo Nowack
Timo Nowack
Snowbirds im Formationsflug: Die Flugstaffel fliegt ab 2030 mit Pilatus PC-21.
Über 50 Jahre setzten die Snowbirds auf heimische Strahlflugzeuge von Canadair. Nach der aktuellen Saison ist damit Schluss. Künftig werden die Pilotinnen und Piloten der kanadischen Kunstflugstaffel mit Flugzeugen von Pilatus begeistern.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies