Über fehlende Arbeit können sich die Elbe Flugzeugwerke nicht beklagen. Lufthansa hat den Umbauspezialisten und Luftfahrtzulieferer mit der Modernisierung der Business Class ihrer Airbus A380 beauftragt. Es ist für den Traditionsbetrieb am Flughafen Dresden ein Riesenauftrag. Ein Superjumbo ist schon fertig.
EFW führt den Umbau nicht separat durch, sondern parallel zum C-Check, also wenn der A380 sowieso grundlegend überprüft und dafür für ein paar Wochen stillgelegt werden muss. Das sei für ihn die größte Herausforderung, das Arbeitspaket vom C-Check mit der Business-Class-Modifikation in Einklang zu bringen, sagt Jens Wurmisch, Projektverantwortlicher bei EFW.
Airbus A380 mit 100-Jahre-Sonderlackierung wird innen neu
Wurmisch sagt das mitten im Oberdeck der D-AIMH, dem zweiten von insgesamt sechs Superjumbos, die in Dresden umgerüstet werden. Die beiden weiteren Airbus A380 werden von Lufthansa Technik in Manila umgerüstet. Sie müssen in den noch aufwändigeren D-Check, erklärt Tim Kaya, Kabinenflottenmanager bei Lufthansa.
Neben ihr verlaufen durchsichtige Plastikschläuche, die frische Luft ins Flugzeug blasen, daneben hängen Baulampen. Dass der Umbau fast abgeschlossen ist, sieht man: Alle Sitzreihen sind verbaut, hier und da sind noch Klappen offen oder Fußablagen nicht montiert, aber der Airbus A380 wirkt fertig.
40 Leute arbeiten an dem Superjumbo
Rund 40 Leute arbeiten im Zwei-Schicht-System an dem Superjumbo. «Die dritte Schicht nehmen wir als Ersatz, wenn irgendwo am Ende nur noch eine Baustelle übrig ist», sagt Wurmisch. Die D-AIMH ist nicht irgendein Airbus A380, sondern der mit der 100-Jahre-Lufthansa-Sonderbemalung. Der einzige Unterschied ist laut Wurmisch, dass sie anderen Lack bestellen müssen: dunkelblau statt weiß, wenn außen gestrichen werden muss, zum Beispiel, wenn die Notrutschen getaucht werden müssen.
Neue Business Class: Noch sind die Arbeiten im Airbus A380 nicht ganz abgesachlossen. aeroTELEGRAPH
Sechs Wochen Standzeit sind für die Mike-Hotel, so die interne Bezeichnung für die D-AIMH - in Dresden veranschlagt. Unvorhergesehenes könne natürlich immer auftreten, sagt Kaya, bisher laufe aber alles nach Plan. EFW-Projektchef Wurmisch erklärt den Ablauf: In der ersten Woche werden die alten Sitze und die Fußbodenverkleidung des Airbus A380 ausgebaut, parallel beginnt das Team mit der neuen Verkabelung für das Entertainment-System und die Stromversorgung an jedem Sitzplatz.
Airbus A380 bekommen modernisierte Toiletten
Dabei sei der Aus- und Einbau der Sitze keine triviale Logistikaufgabe, sagt Wurmisch. Die Sitze sind so groß, dass der Platz nicht ausreicht, um sie einfach nach draußen zu schaffen. Es gibt zwei Optionen: Nach vorn müssten Bordküche und Toiletten ausgebaut werden. Nach hinten nur ein Waschraum. Die Entscheidung war einfach: Der Waschraum vor den zweiten Türen musste raus. Wenn alle Sitze installiert sind, wird auch er wieder eingebaut, allerdings in einem modernisierten Zustand, wie Wurmisch betont.
«Die sieht dann ein bisschen moderner aus als andere Toiletten in den A380», sagt Wurmisch. Insgesamt vier weitere Wochen braucht der Wiedereinbau, inklusive neuer Sitzschienen, neuem Kabinenboden und der Installation der 68 neuen Business-Class-Sitze. Die letzte Woche gehört den Funktionstests. «Im Nachgang stellt sich immer raus, auch immer sehr knapp bemessen», sagt er, «aber meistens können die Termine gehalten werden.
Lufthansa setzt auf die pragmatische Lösung
Lufthansa hat sich bei der neuen Business Class für einen Sitz von Thompson Aero Seating entschieden. Umbauverantwortliche Kaya erklärt, dass Pragmatismus der ausschlaggebende Grund war: «Eine Neuentwicklung dauert in der Regel vier Jahre. Uns ging es um Geschwindigkeit, schnellstmöglich eine neue Business Class in die A380 einzubauen. Deswegen hat man sich für ein Produkt von der Stange entschieden und das entsprechend angepasst». Und das ist sichtbar. Optisch orientiert sich der Sitz am neuen Bordkonzept von Allegris: dunkelblaue Sitze, holzfarbene Armlehnen. Eine Art Allegris Light.
Der neue Business-Class-Sitz von Thompson: Die Kopfhörer sind mit einer Schraube fixiert. aeroTELEGRAPH
Lufthansa verzichtet bei der neuen Kabinenkonfiguration auf zehn Business-Class-Sitze. Die neue Business Class hat 58 Plätze, dafür hat jeder Sitz einen eigenen Zugang zum Gang. Neu ist auch der sogenannte Privacy Divider, eine Art kleine Trennwand, die ein wenig mehr Privatsphäre schaffen soll. Ein Detail fällt besonders auf: Die Kopfhörer für das neue Inflight-Entertainment-System liegen schon am Platz, und wer genau hinschaut, erkennt, dass die Headsets mit einer Schraube fest verbaut sind. Mitnehmen zwecklos.
16 Router sorgen für Internet an Bord
Kaya ergänzt allerdings, dass das neue System von Panasonic es ermöglicht, eigene Bluetooth-Kopfhörer zu verwenden. Kurz müssen wir Platz machen, damit drei Mitarbeitende von Thompson, die testen, ob sich die Sitze auch zum Bett ausfahren lassen, vorbeikommen. Wurmisch ergänzt, dass neben dem neuen Unterhaltungssystem auch das Internet an Bord verbessert wurde. Insgesamt 16 Router sind nun über das gesamte Flugzeug verteilt.
Weniger Sitze ziehen weitere Arbeiten nach sich, an die man nicht sofort denkt: «Die PSUs mussten angepasst werden, weil die Masken jetzt an einer anderen Stelle sitzen», sagt Wurmisch. PSU steht für Passenger Service Unit und ist die Versorgungseinheit über jedem Sitzplatz. Sie enthält die Sauerstoffmaske für den Notfall, die Leselampe und den Schalter für das Licht sowie die Luftdüse.
Lufthansa hatte alle Thompson-Sitze im Lager
«Wir haben alle Sitze von Thompson für unsere A380-Flotte bereits geliefert bekommen», sagt Tim Kaya. Die Sitze lagern derzeit in einem Lager bei Frankfurt. Den genauen Ort will er nicht verraten, sonst würden sie am Ende noch gestohlen. Die alten Sitze werden zum Teil noch als Erstatzteilspender genutzt, sagt Kaya. Aber nicht alle Sitze, die wir noch haben. Die meisten will Lufthansa verkaufen.
Techniker von EFW folieren eine Rückwand. aeroTELEGRAPH
Neben dem Einbau der Business Class werden beim C-Check auch kleinere Arbeiten in der Kabine durchgeführt. Beim Rundgang durch das Flugzeug sind mehrere Techniker damit beschäftigt, die Rückwand einer Bordküche neu zu folieren. Die Grundreinigung ist auch ein wichtiger Teil der Arbeiten.
Nach Dehli oder Los Angeles
Wenn alles klappt, wird die Mike-Hotel Dresden am 5. oder 6. Juni wieder Richtung München verlassen. Dort wird der Airbus A380 mit neuem Innenleben dann direkt für den nächsten Einsatz vorbereitet: Je nach Zeitpunkt wird das erste Ziel Delhi oder Los Angeles. In Dresden wird man die Hände nicht im Schoß verschränken können: Noch am selben Tag soll der nächste Lufthansa A380 kommen. Und das Spiel beginnt von vorn.
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