Lufthansa feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Viele Jahre davon hat Angela Zaunert aus nächster Nähe erlebt. Die ehemalige Flugbegleiterin begann ihre Karriere Mitte der 1960er-Jahre – in einer Zeit, in der Fliegen exklusiv, streng reglementiert und zugleich voller Aufbruchsstimmung war.
Als Angela Zaunert 1965 ihre Ausbildung begann, war der Weg in die Kabine hart. Neben Sprachkenntnissen und Allgemeinbildung zählten vor allem äußere Kriterien. «Jede Woche wurde gewogen – wer die Idealmaße nicht hielt, hatte ein Problem», erinnert sie sich. Verantwortlich für die Auswahl war unter anderem die legendäre Ausbildungsleiterin, die als Inbegriff der damaligen Disziplin galt.
Exklusive Klientel an Bord
Fliegen war zu dieser Zeit ein Luxusgut. Ein Ticket von Frankfurt nach New York kostete Anfang der 1970er-Jahre inflationsbereinigt mehrere tausend Euro. Entsprechend exklusiv war die Klientel an Bord: Geschäftsleute, wohlhabende Privatpersonen und Prominente prägten das Bild.
Angela Zaunert mit Kollegin und Kollege am Anfang ihrer Karriere. Sammlung Angela Zaunert
Zaunerts erste Einsätze führten sie auf die legendäre Lockheed Super Star. Das viermotorige Propellerflugzeug war ein Symbol der frühen Nachkriegs-Luftfahrt – und zugleich Ausdruck eines Serviceverständnisses, das heute kaum mehr vorstellbar ist.
Voller Service selbst auf Kurzstrecken
Selbst auf kurzen Strecken wurde ein vollständiger Service geboten. Frühstück mit warmen Eierspeisen auf Flügen von Frankfurt nach Hamburg gehörte ebenso dazu wie Getränke auf 20-Minuten-Verbindungen. «Egal wie kurz der Flug war – der Passagier bekam etwas», sagt Zaunert.
Besonders bemerkenswert war der sogenannte Air-Bus zwischen Hamburg und Frankfurt – lange bevor der Name für den europäischen Flugzeugbauer stand. Passagiere konnten ohne klassische Kontrolle einsteigen, Tickets wurden teilweise erst an Bord verkauft. Ein flexibles System, das vor allem Geschäftsreisenden entgegenkam.
Das Jet-Zeitalter verändert auch bei Lufthansa alles
Angela Zaunert heute. Sammlung Angela Zaunert
Die Boeing 707 brachte nicht nur höhere Geschwindigkeiten, sondern auch ein neues Streckennetz. Lufthansa strukturierte ihre Routen in sogenannte „Divisionen“ – von Nordamerika über Fernost bis Südamerika. Langstreckenflüge waren dabei deutlich komplexer als heute: Mehrere Zwischenstopps gehörten zum Alltag, etwa über Athen, Karachi oder Bangkok auf dem Weg nach Tokio.
Service, Stil und Status
Umläufe für die Crews dauerten bis zu drei Wochen, Aufenthalte von mehreren Tagen an exotischen Zielen waren die Regel. «Wir wollten die Welt sehen», sagt Zaunert. Viele ihrer Kolleginnen seien bewusst in diesen Beruf gegangen, um dem damaligen, eher konservativen Alltag zu entfliehen.
In den 1960er- und 1970er-Jahren galt Lufthansa international als Premium-Airline. «Man war angesehen», erinnert sich Zaunert. «Wir waren das Aushängeschild der Airline – und das wurde auch erwartet.» Der Service an Bord war entsprechend aufwändig. In der First Class wurden frisch zubereitete Speisen serviert, teilweise von speziell ausgebildeten Bordköchen. Die Aufgaben waren klar verteilt und der Kontakt zu den Passagieren intensiver als heute. Auch die Rolle unterschied sich deutlich: Flugbegleiterinnen waren nicht nur Servicepersonal, sondern Gastgeberinnen, Gesprächspartnerinnen – und für viele Passagiere ein Teil des Reiseerlebnisses.
Von der Propellermaschine zum Jumbo Jet
Im Laufe ihrer Karriere flog Zaunert insgesamt zehn verschiedene Flugzeugmodelle – vom Propellerflugzeug bis zum Langstreckenjet. Dazu gehörten später auch die Boeing 747 und der Airbus A340. Mit den Großraumflugzeugen änderte sich das Berufsbild erneut. Die Crews wurden größer, Hierarchien klarer, und die Aufgaben der Purser verlagerten sich zunehmend in organisatorische Bereiche. Gleichzeitig hielt moderne Bordunterhaltung Einzug – zunächst mit Filmprojektoren und zentralen Leinwänden für alle Passagiere.
Angela Zaunert mit Kolleginnen in den Siebzigerjahren. Sammlung Angela Zaunert
Rückblickend beschreibt Zaunert eine Ära, in der Fliegen persönlicher, entschleunigter und zugleich exklusiver war. Passagiere verbrachten ihre Zeit mit Gesprächen, Büchern – oder suchten bewusst den Austausch mit der Crew. «Man hat fast Freundschaften geschlossen», sagt Zaunert. Diese Nähe sei heute, in Zeiten von Massentransport und Digitalisierung, weitgehend verloren gegangen.
Hören Sie jetzt das ganze Gespräch mit Angela Zaunert und erfahren Sie, unter anderem wie damals der Einstellungstest verlaufen ist und welche der vielen verschieden Uniformen sie am liebsten getragen hat.
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