Isabel Doppelreiter: «Welches Augenmerk richten wir darauf, wie viele Unfälle schon durch die rechtzeitigen Eingriffe der Crews verhindert werden konnten?».

Isabel Doppelreiter, Austrian Cockpit Association«Die Kommunikation ist seit der Pandemie offener»

Wie die Pandemie das Fliegen verändert hat, was sie von Billigfluggesellschaften und einem Ein-Personen-Cockpit hält, sagt Isabel Doppelreiter, Präsidentin der Austrian Cockpit Association.

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Die Pandemie hat die Luftfahrt nach wie vor im Griff. Und sie hat etwas verändert – nicht nur bei der Zahl der Flüge und Fluggäste. Der Umgang der Crews untereinander sei nicht mehr gleich wie früher, erzählt Isabel Doppelreiter. «Das routinemäßige ‹Wie gehts› ist viel ernsthafter geworden, die Kommunikation offener, entspannter», sagt die Präsidentin der österreichischen Pilotenvereinigung ACA in einem Gespräch im Herbst.

Doppelreiter* führt das darauf zurück, dass viele die lange Auszeit während der Pandemie zur Selbstreflexion genutzt haben. Was bedeutet die Fliegerei für mich? Wie definiert sie mich und ich sie? Was wäre ich ohne diesen Job, wenn er morgen nicht mehr da ist? «Es menschelt, das ist sehr schön.»

Von Dash 8 zu Airbus

Auch die ACA hat ihr Angebot aufgestockt, das Pilot Support System verstärkt und psychologische Betreuung angeboten. Dies kann von allen Piloten und Pilotinnen in Anspruch genommen werden, die in Österreich ihren Arbeitsplatz haben und Mitglied der Pilotenvereinigung sind.

Auch für Isabel Doppelreiter hat die Pandemie Veränderungen mit sich gebracht. Mit dem Verkauf aller De Havilland Canada Dash 8-400 ist der Arbeitsplatz von Isabel Doppelreiter als Dash-Kapitänin bei Austrian Airlines verloren gegangen. Es folgte die Umschulung auf Airbus, das Typerating, das Fliegen mit einem Fluglehrer und schließlich der neue Arbeitsplatz als Kopilotin am Airbus.

Zufrieden mit AUA

Eine Umschulung, die länger gedauert hat, weil zu dieser Zeit viele Austrian-Pilotinnen und -Piloten umgeschult werden müssen. Was der Unterschied zwischen Dash und Airbus ist? «Es fliegt, wie es fliegt», lacht Doppelreiter, um dann mit Jet statt Propeller, Stick statt Steuerruder sowie schwerer und größer doch einige Unterschiede festzumachen. Neu ist jedenfalls, dass sie wieder vom linken auf den rechten Cockpitsitz gewechselt ist, und dass sie neue Destinationen kennenlernt.

Überhaupt befürwortet sie, wie sich das Unternehmen in der Pandemie hinsichtlich Flight Safety und der Rückkehr der Crews nach längeren Abwesenheiten verhalten hat. «Austrian Airlines hat versucht, laufend mit allen per Videokonferenz Kontakt zu halten, allen wurden die notwendigen Trainings angeboten und bezahlt, damit die Lizenzen nicht verfallen.» Es sei ein Glück, sagt sie, wie das Unternehmen mit Ausbildungs- und Sicherheitsfragen umgehe. Das sei ein wesentlicher Unterschied zu Billigfluglinien wie Ryanair und Lauda Europe.

«Noch billiger als früher»

Deshalb ist es Doppelreiter sehr wichtig, wer in Österreich zu welchen Bedingungen und mit welchen Verträgen durch unseren Luftraum fliegt. «Flugzeugbesatzungen müssen Fehler offen diskutieren können, müssen sich krankmelden können und ausgeschlafen sein, ohne die Kündigung vor Augen haben zu müssen. Alles andere ist Wahnsinn!»

Was sie dazu sagt, dass bei Lauda Europe Pilotinnen und Piloten künftig nur mehr nach geflogenen Stunden bezahlt werden sollen? «Es kommt das Unternehmen noch billiger als früher. Wie kann das der Sicherheit dienen?» Bei etablierten Airlines gibt es Kollektivverträge, bekommt das Cockpitpersonal ein regelmäßiges Gehalt, hat ein Recht auf Urlaub, Teilzeit und so weiter.

«Das werde ich nicht mehr erleben»

Für die Zukunft definiert Isabel Doppelreiter vier Prioritäten. Erstens die Einhaltung von sozialen Mindeststandards beim fliegenden Personal und die Kontrolle der Arbeitsverträge. «Eine faire Konkurrenz ist gesund, aber zu denselben Grundbedingungen.» Zweitens müssen alle Anspruchsgruppen der Luftfahrtbranche ihre Anstrengungen intensivieren, um die Luftfahrt wirklich nachhaltig zu machen.

«Wir wollen doch nicht einfach sagen, dann reisen wir halt nicht mehr. Solange ich lebe, möchte ich gerne reisen, ich bin jung, möchte das aber CO2 neutral machen. Wir alle können da schon mit vielen kleinen Dingen mitmachen.» Ob sie glaubt, einmal mit einem Elektro- oder Wasserstoffflugzeug zu fliegen? «Es hat sich gerade in der jüngeren Vergangenheit so viel entwickelt, dass ich mich nicht traue zu sagen, das werde ich nicht mehr erleben.»

Gegen Einpersonen-Cockpit

Dritter Punkt: Doppelreiter will, dass die von den Flugzeugherstellern zunehmend angebotene Single-Pilot-Version neu durchdacht wird. Sie sieht das kritisch. «Wenn argumentiert wird, dass angeblich die meisten Fehler im Cockpit von Menschen verursacht werden, frage ich zurück: Welches Augenmerk richten wir darauf, wie viele Unfälle schon durch die rechtzeitigen Eingriffe der Crews verhindert werden konnten?»

Und schließlich ist Doppelreiter das Thema Drohnen ein Anliegen. Drohnen hätten viele positive Aspekte. Aber man müsste alle Pilot:innen, die privaten, die Hubschrauber- und Segelfliegerpilot:innen mit einbeziehen. «Hier müssen wir einen gemeinsamen Weg finden.»

* Isabel Doppelreiter (40) ist seit November 2016 Präsidentin der Austrian Cockpit Association. Die österreichische Pilotenvereinigung ist damit die erste weltweit, die eine Frau an ihrer Spitze hat. Noch bis Dezember, dann übergibt Doppelreiter ihre Funktion in neue Hände. Sie fliegt seit 2008 für Austrian Airlines, zuerst auf Fokker 70 und 100, danach Embraer 195, Dash 8-400 und seit 2021auf Airbus A320. Sie ist zusätzlich Trainerin für Flugsicherheit CRM und im Team der Ifalpa Accredited Accident Investigators tätig.

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