Saab Global Eye: Basis ist eine Bombardier Global 6000/6500.

Airborne Early Warning & ControlWie moderne fliegende Radarsysteme helfen, die Arktis zu sichern

Wie kann eine rohstoffreiche und strategisch immer wichtigere Region wie die Arktis überwacht und im Ernstfall verteidigt werden, angesichts klirrender Kälte und riesiger Ausdehnung? Hersteller wie Boeing, IAI und Northrop Grumman buhlen mit ihren Systemen um Kunden. Ihr härtester Konkurrent kommt aber aus Europa: Saab Global Eye.

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Die Augen der Welt sind aktuell auf den Nahen Osten gerichtet, wo der Iran-Krieg seine Spuren hinterließ. Doch westliche und östliche Strategen schauen bereits länger auch in eine andere Richtung – zur Arktis.

Moskau sei «besorgt» über den Aufmarsch der Nato in der Region, verlautete kürzlich aus dem Kreml. Und Donald Trump hat wiederholt Ansprüche auf Grönland artikuliert. So bleibt es in Friedenszeiten Mission aller arktischen Anrainerstaaten, die rohstoffreiche Region zu überwachen.

Überwachung ist Mission aller arktischen Anrainerstaaten

Dafür braucht es innovative Lösungen. Denn mit 20 Millionen Quadratkilometern ist sie ein Gigant. Und das stellt zusammen mit den extremen Temperaturen die Aufklärung und Überwachung aus der Luft vor besondere Herausforderungen. Hinzu kommt der Aufstieg der asymmetrischen Kriegsführung, die durch Miniroboter am Boden und Kleinstdrohnen in der Luft die Feindaufklärung vor immer neue Hürden stellt.

Der schwedische Rüstungskonzern Saab hat ein hochmodernes luftgestütztes Sensor- und Frühwarnsystem entwickelt, das genau diesem Zweck dient. Alle Daten, die von Global Eye - so der Name – aufgefangen werden, fließen direkt in ein neu entwickeltes Kommando- und Kontrollzentrum an Bord ein. Das Airborne Early Warning & Control-System (kurz spricht man von AEW&C-) Saab Global Eye – basiert auf der Bombardier Global 6000/6500 - hat aber ein um ein Vielfaches komplexeres Innenleben.

Saab Global Eye kann über zwölf Stunden in der Luft sein

Saabs Global Eye operiert in einer Höhe von 37.000 Fuß und erkennt Bedrohungen in einer Entfernung von bis zu 650 Kilometer. Durch das Kreisen in großer Höhe verringern AEW&C-Flugzeuge zudem tote Winkel, die durch Berge oder Störsignale von Meereis verursacht werden, und können große Patrouillengebiete überwachen. Ausgestattet mit fortschrittlichen Aeasa-Radarsystemen können sie ihre Energie auf relevante Gebiete oder Ziele konzentrieren und selbst bei starker Störung oder starken Störsignalen eine automatische Verfolgung durchführen.

Mit einer Einsatzdauer von über zwölf Stunden und der Fähigkeit, kurze Landebahnen von circa 6500 Fuß zu nutzen, kann Saab Global Eye flexibel von Stützpunkten in Norwegen, Alaska oder Nordkanada aus eingesetzt werden, um in Krisengebiete vorzudringen. Die montierten Sensoren können mit nationalen Datenverbindungen und Satelliten für eine domänenübergreifende Fusion verknüpft werden.

Viel moderner als das alte Awacs-System

Global Eye von Saab gehört funktional zur Familie der AEW&C-Systeme und wird oft in die gleiche Kategorie wie Awacs eingeordnet – auch wenn es technisch moderner und anders konzipiert ist. Awacs steht für Airborne Early Warning and Control System und meint das ursprünglich für das USA/Nato-System Boeing E-3 Sentry von 1975. Heute wird es oft allgemein für AEW&C-Flugzeuge verwendet.

Das Akronym entstand in den 1970er-Jahren während des Kalten Krieges und markierte geopolitisch Mitte der Neunzigerjahre ein Comeback. Damals verhängte die Nato für die Luftwaffe Serbiens eine Flugverbotszone über das Bürgerkriegsgebiet Bosnien und Herzegowina, um nach dem Zerfall des Vielvölkerstaats Jugoslawien den Vormarsch serbischer Milizen zu stoppen.

Auch Boeing, Northrop Grumman und IAI mischen mit

Die Konkurrenz schläft indes nicht. Die Boeing E-7 Wedgetail gilt als wichtigster Konkurrent zu Saabs Global Eye. Sie basiert auf der Boeing 737, wird derzeit in Australien und Südkorea eingesetzt und ist aufgrund ihres markanten Radars oben auf dem Rumpf unverkennbar. Ebenfalls aus den USA stammt das Propellerflugzeug Northrop Grumman E-2D Hawkeye. Es ist auf den Decks der Flugzeugträger der Marine der USA, Japans und Frankreichs zu finden.

Die Israelis haben ein von Israel Aerospace Industries IAI entwickeltes Radar auf die EL/W-2085 Phalcon aufgesetzt, die auch auf der Gulfstream G550 basiert. Diese hat eine Reichweite von 400 Kilometern, was der Luftlinie von Tel Aviv nach Kairo entspricht.

Im Blickpunkt der Supermächte

China und Russland haben mit der KJ-500/KJ-2000 – sie werden allerdings nicht exportiert – respektive der Beriev A-50/A-100 eigene Aufklärer in der Luft. Das russische Pendant zur Awacs basiert auf der Ilyushin Il-76 und ist so groß, dass sie bis zu 20 Besatzungsmitgliedern Platz bietet. Die Russische Föderation hat mit 24.140 Kilometern Küstenlinie zur Arktis (dies entspricht einem viermaligen Pendeln zwischen Berlin und New York) ein vitales Interesse daran, ihre Nordflanke abzusichern.

Aber auch die neuen Nato-Mitglieder Schweden und Finnland haben ihre Ostgrenzen zu Russland fest im Blick, solange der nunmehr vier Jahre andauernde Konflikt in der Ukraine weitergeht. Und danach sieht es derzeit aus.

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