Condor steckt mitten im größten Umbau der 70-jährigen Unternehmensgeschichte. Aus dem traditionellen Ferienflieger, der Urlaubsgäste an den Strand und in die Natur fliegt, wird durch die Aufnahme von immer mehr Städteverbindungen zunehmend auch ein klassischer Netzwerkanbieter. Neu steuert Condor in Deutschland ganzjährig Berlin, Hamburg und München ab Frankfurt an, in Europa Mailand, Prag, Wien und Zürich.
Steigender Kerosinpreis trifft Condor zur Unzeit
Und just in dieser Expansionsphase kommen widrige Umstände hinzu. Nicht nur greift Lufthansa Group die nach der Thomas-Cook-Insolvenz erstarkte Konkurrentin mit der Tochter Discover auf vielen Strecken an und legt ihr auch sonst immer wieder Steine in den Weg, etwa zuletzt mit der Streichung des Rabatts für Condor-Personal. Der Iran-Krieg hat zudem die Kerosinpreise nach oben getrieben, was die Kosten erhöht.
Kürzlich wurde bekannt, dass Condor auf kürzesten Strecken sogar das kostenlose Wasser streicht. Das ist eine Folge der Bemühungen, die komplex gewordene Cateringlogistik zu vereinfachen, um so auch zu sparen. Doch das alleine reicht nicht. Seit Monaten arbeitet man bei der Fluggesellschaft an einem Sparprogramm. Am Donnerstag (17. September) hat das Management den Angestellten mitgeteilt, dass Condor in den kommennden beiden Geschäftsjahren je 100 Millionen Euro sparen muss. «Zukunftspakt» nennt sich das Sparprogramm.
Personal muss 35 Millionen an Einsparungen beisteuern
65 Millionen Euro will Condor durch eine Neuverhandlung von Lizenzen und Verträgen mit Partnern einsparen. Die restlichen 35 Millionen jährlich jedoch sollen vom Personal kommen, davon 10 Millionen von den Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern. Ohne Einsparungen könne sich Eigentümer Attestor nicht vorstellen, «das Wachstum der Condor weiterhin so zu begleiten, wie es eigentlich geplant ist», schreibt die Kabinengewerkschaft Ufo an ihre Mitglieder. Das zeigt, wie ernst die Lage ist. «Die Zusammenarbeit mit unserem Gesellschafter Attestor bleibt dabei unverändert vertrauensvoll und ist auf die erfolgreiche Weiterentwicklung von Condor ausgerichtet», sagt dazu eine Sprecherin der Airline.
Condor bestätigt auch das Programm. Man habe mit den Verhandlungspartnern «einen konstruktiven Dialog über einen Zukunftspakt geführt und sich grundsätzlich auf wesentliche Eckpunkte verständigt», so die Sprecherin. «Die angestrebten Vereinbarungen schaffen vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen sowie anspruchsvoller wirtschaftlicher Rahmenbedingungen eine wichtige Grundlage, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu stärken und den eingeschlagenen Wachstumskurs fortzusetzen.» Die weitere Ausgestaltung und Umsetzung erfolgen im Rahmen der vereinbarten Prozesse und in enger Abstimmung mit den zuständigen Gremien sowie den Sozialpartnern.
Condor ist noch nicht profitabel
Doch die Gewerkschaft Ufo hat allerdings bereits angekündigt, dass sie nicht bereit ist, am Tarifvertrag zu rütteln. Aus dem Unternehmen ist zu hören, dass die Stimmung gedrückt sei, sogar von «Frust» ist die Rede. Dabei wird auch darauf verwiesen, dass der Vorstand für das vergangene Geschäftsjahr neben ihren Gehältern hohe Boni bekommen hat. Für das laufende Jahr und mit schlechter werdenden Resultaten dürfte dies allerdings kaum mehr der Fall sein. «Veränderungsprozesse bringen naturgemäß Fragen mit sich. Deshalb setzen wir weiterhin auf einen transparenten und konstruktiven Austausch mit unseren Mitarbeitenden und ihren Vertretungen. Unser gemeinsames Ziel ist es, Condor dauerhaft wettbewerbsfähig aufzustellen und gemeinsam die Zukunft des Unternehmens erfolgreich zu gestalten» sagtd azu sie Sprecherin.
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