Business-Class-Plätze von Condor auf der Kurz- und Mittelstrecke: Harter Wettbewerb.

Projekt One XSo passt Condor das Essens-und Getränkeangebot an

Mit den neuen Städteflügen ist das Streckennetz der deutschen Fluglinie komplizierter geworden – und damit auch das Angebot an Bord. Jetzt räumt sie auf: Künftig entscheidet bei Condor die Flugdauer über Essen und Service. Besonders in der Business Class ändert sich einiges.

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Es war eine eilig eingeführte Neuerung: Da Condor ab Ende 2024 auf einmal das Lufthansa-Zubringernetz nicht mehr nutzen konnte, startete die Fluglinie im März 2025 eigene Städteflüge als Zubringer für ihre Langstrecke ab Frankfurt. Dadurch veränderten sich das Kurz- und Mittelstreckennetz und der Passagiermix. An Bord des einstigen Ferienfliegers treffen nun immer öfter Urlauber, Geschäftsreisende und ethnischer Verkehr aufeinander.

Angesichts dieser Veränderungen hieß es dann in einem Schreiben an die Condor-Mitarbeitenden im Februar 2026, es zeige sich immer klarer, «dass Lösungen, die bei der Einführung noch sinnvoll und richtig waren, heute immer häufiger an ihre Grenzen stoßen». So gebe es auf Strecken wie Frankfurt - Palma und Frankfurt - Barcelona unterschiedliche Produkte an Bord, obwohl die Flüge ähnlich lang seien und mit dem gleichen Flugzeugmodell bedient würden. Dem uneinheitlichen Angebot entgegenwirken soll ein Projekt namens Projekt One X, das unter der Leitung des Produktmanagements seit November 2025 läuft.

Ab September kein Gratis-Wasser mehr auf kürzesten Flügen

Das Ziel des Projektes: Condors Produkt auf der Kurz- und Mittelstrecke soll einheitlicher werden, die Komplexität in der Kabine und im gesamten damit verbundenen Betrieb soll sinken, zugleich möchte Condor in diesem Zuge Geld sparen. Die Airline startete Tests auf ausgewählten Flügen, wertete anschließend Feedback von Reisenden und Crews aus.

«Auf dieser Basis steht nun das künftige Bordprodukt für die Kurz- und Mittelstrecke fest», heißt es in einem weiteren Schreiben von August 2026, das aeroTELEGRAPH vorliegt. Der erste Schritt erfolgt am 1. September. Ab dann gibt es auf den kürzesten Condor-Strecken kein kostenloses Wasser mehr, dafür werden Wasser, Tee und Kaffee verkauft.

Condor ordnet Ziele künftig nach Blockzeiten ein

Was die kürzesten Strecken sind, wird künftig nach Blockzeit bewertet. Das ist die Zeit vom Lösen der Bremsklötze (Off-Block) am Startflughafen bis zum Setzen der Bremsklötze am Ziel (On-Block). Dabei nutzt Condor in Zukunft vier Kategorien:

Level 1, Ultra-Kurzstrecke, unter 1:50 Stunde Blockzeit

Level 2, Kurzstrecke, unter 3:40 Stunden

Level 3, Mittelstrecke, unter 6:00 Stunden

Level 4, erweiterte Mittelstrecke, unter 06:55 Stunden

Flüge von und nach Abu Dhabi, die Condor in Codeshare-Kooperation mit Etihad durchführt, sind ein Sonderfall mit einem speziellen Produkt. Ansonsten gilt: «Künftig bestimmt vor allem die Länge der Reise, welches Produkt Gäste erhalten, und nicht mehr die bisherige Streckenkategorie», heißt es im Schreiben. Aktuell teilt Condor ihr Netz in sieben Flugzonen ein, wobei in die Zonen 1, 2 und 6 Kurz- und Mittelstreckenziele fallen, in die Zonen 3, 4 und 5 Langstreckendestinationen und in Zone 7 die Vereinigten Arabischen Emirate.

Das ändert sich bei den Mahlzeiten in der Business Class

Im neuen System weist in Zweifelsfällen jeweils die längere Blockzeit von oder nach Frankfurt den Weg. So würde beispielsweise ein Flug von München nach Olbia mit 1:35 Stunde zwar in die Kategorie Level 1 fallen. Doch der Flug von Olbia nach Frankfurt kommt auf 1:50 Stunden - und das gibt den Ausschlag dafür, dass Olbia generell ein Level-2-Ziel ist.

Gestaffelt nach dem neuen System wird am 1. November die nächste Änderung folgen, und zwar bei den Mahlzeiten. In der Economy Class können ab Level 2 weiterhin kostenpflichtig Mahlzeiten vorbestellt werden. In der Business Class gibt es bei Level-1-Zielen ein kaltes Gericht, das zur Tageszeit passt, serviert auf einem Tablett. Besondere Vorbestellungen sind nicht möglich. Bei Level 2 gibt es eine warme Mahlzeit, Spezialmenüs sind hier und bei den höheren Leveln verfügbar. Level 3 bietet neben der warmen Mahlzeit ein Dessert und Level 4 beinhaltet zusätzlich einen zweiten Service, der allerdings nur aus einem Snack besteht. Die gesamte Getränkeauswahl gibt es in der Business Class bei allen Zielen. Duty-Free-Verkauf findet nur bei den Level-3-Zielen in Ägypten, Marokko und den Kanaren statt.

Business-Kurzstrecke: Kaltes Gericht statt Sandwich

Bisher gibt es in der Business Class auf der Kurz- und Mittelstrecke auch schon eine warme Mahlzeit. Das gilt allerdings nicht für Flüge mit weniger als 1,5 Stunden Flugzeit - auf denen gibt es bisher nur ein Sandwich, das nicht vorab selbst ausgewählt werden kann.

Zum neuen Konzept heißt es im Schreiben: «Damit wächst der Leistungsumfang künftig nachvollziehbar mit der Länge der Reise.» Zugleich werde besonders die Business Class auf kürzeren Strecken aufgewertet. Das soll dazu beitragen, dass die gut zahlenden Kunden zufriedener werden «auf diesen besonders kompetitiven Strecken». Hintergrund ist der Wettbewerb mit den Airlines der Lufthansa-Gruppe, die im Gegensatz zu Condor Geschäftsreisende mit Vorteilen ihres Vielfliegerprogramms Miles & More locken können.

Condor spricht von einheitlichem Basisangebot

Derweil sollen Condors Crews in Zukunft durch «klarere und besser wiederholbare Abläufe» davon profitieren, dass es weniger Produktvarianten und Sonderregeln gibt, heißt es im Schreiben an die Mitarbeitenden. «Für Catering und Operations sorgen einheitlichere Produkte und Ladeliste für einfachere Planung und wenig Komplexität im Alltag.»

Eine Condor-Sprecherin erklärt auf Anfrage: «Nach dem Ausbau des City-Streckennetzes führt Condor die Kurz- und Mittelstreckenverbindungen in einem übergreifenden Produktkonzept zusammen.» Dabei orientiere sich das Bordprodukt künftig stärker an der Fluglänge und den damit verbundenen Anforderungen. «Aufbauend auf einem einheitlichen Basisangebot ergänzen je nach Flugdauer weitere Serviceelemente das Angebot», sagt die Sprecherin der Fluggesellschaft. Dadurch entstünden in der Condor-Kabine «klare Standards für Gäste und Crews bei gleichzeitig verlässlich umsetzbaren Abläufen an Bord».

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