Früher war klar: Wer in ein Flugzeug von Condor steigt, fliegt ans Meer oder anderweitig in die Natur und verbringt am Ziel seinen Urlaub. Doch der deutsche Ferienflieger durchlebte in letzter Zeit eine Wandlung und erweiterte sein Angebot. Seit Sommer 2025 bietet er nun auch Flüge zu diversen Städten in Europa an. Diese Flüge sind nicht nur eine Ergänzung, sondern auch eine Notwendigkeit. Denn da Lufthansa den jahrzehntealten Zubringervertrag gekündigt hatte, brauchte Condor auf einmal eigene Zubringer für ihre Langstrecken.
Was strategisch Sinn macht, erweist sich im Kleinen allerdings mitunter als Herausforderung. So im täglichen Betrieb. «Insbesondere die sehr kurzen City Strecken sind für den Inflight Service aufgrund der sehr limitierten Flugzeit herausfordernd», heißt es in einem Schreiben an die Mitarbeitenden, das aeroTELEGRAPH vorliegt. Deshalb begann Condor, ein neues Servicekonzept für die Kurz- und Mittelstreckenflüge zu entwickeln. Es soll laut der Fluggesellschaft «einfacher, klarer und zukunftsfähig» sein.
Condor spielte drei Szenarien auf Ultrakurzstrecken durch
Im vergangenen Februar und März führte Condor deshalb mehrere Testflüge auf besonders kurzen Strecken durch. Dazu gehören beispielsweise Frankfurt - Berlin oder Frankfurt - Zürich. Sie dauern beide rund eine Stunde. Die reine Flugzeit beträgt sogar nur rund eine halbe Stunde. Dabei wurden drei Szenarien in der Economy Class durchgespielt: Bei einem wurde Wasser nur noch auf Nachfrage abgegeben, beim anderen lief ein Crewmitglied mit einer großen Flasche durch den Gang und verteilte auf Wunsch Wasser und beim dritten wurden Getränke gegen Bezahlung angeboten.
Das war für die Verantwortlichen aufschlussreich. Die Tests hätten gezeigt, «dass Wasser nur auf Nachfrage zu einem Dominoeffekt führen kann, sobald mehrere Gäste nacheinander bestellen», schreiben sie. Das könne dazu führen, dass man in gewissen Flugphasen den Wünschen nicht mehr gerecht werden könne. Aber auch das Ausschenken aus der großen Flasche hatte seine Tücken. Das sei zwar «umsetzbar, wurde operativ jedoch als weniger effizient und weniger professionell wahrgenommen», heißt es im Schreiben.
Es gibt nur noch Wasser, Kaffee und Tee - gegen Bezahlung
Der limitierte Buy-on-Board-Service lasse sich «dagegen gut in den Ablauf integrieren» und sei «von Gästen und Crews insgesamt positiv bewertet» worden. Besonders gefragt gewesen seien Kaffee und Wasser. «Die Tests dienten dazu, die verschiedenen Varianten unter realen Bedingungen zu bewerten und die für die kurze verfügbare Servicezeit passende Lösung zu identifizieren», bestätigt eine Sprecherin von Condor.
Und deshalb führt die deutsche Fluggesellschaft dieses Konzept zum 1. September definitiv ein. «Am besten bewährt hat sich ein auf Getränke konzentriertes Angebot, das von Gästen und Crews positiv bewertet wurde», so die Sprecherin. «Zum Start umfasst das Sortiment Wasser, Kaffee und Tee.» Man werde die Auswahl auf Basis der Nachfrage regelmäßig überprüfen. Auf den kürzesten Flügen gibt es bei Condor künftig deshalb selbst Wasser nicht mehr kostenlos.
. aeroTELEGRAPH