Internationaler Flughafen von Kandahar: Afghanistan braucht den Handel durch die Luft.

DiplomatieAfghanistan bekommt Frachtverbindung nach Indien

Indien und Afghanistan wollen zusammenarbeiten. Doch die angespannten Beziehungen mit Pakistan hemmen den Handel. Deshalb soll der ungeliebte Nachbar künftig überflogen werden.

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Auch 15 Jahre nach der Invasion der USA ist Afghanistan eines der ärmsten Länder in Asien. Das Bruttoinlandsprodukt – ein Maß für die Wirtschaftskraft – hat sich seit 2000 zwar mehr als verachtfacht. Doch das Pro-Kopf-Einkommen liegt selbst kaufkraftbereinigt tiefer als das in Nepal, Haiti oder Sierra Leone.

Zu den größten Hindernissen für den wirtschaftlichen Aufschwung gehört neben der anhaltenden Gewalt die schlechte Anbindung des Binnenstaates an die internationalen Handelsrouten. Ein Problem für die Entwicklung ist das zwischen Afghanistan und Indien gelegene Pakistan. Ein florierender Handel wäre für Afghanen wie Inder ein großer Gewinn. Doch der gemeinsame Nachbar torpediere die Zusammenarbeit, sagen sowohl der afghanische Präsident Ashraf Ghani als auch der indische Premier Narendra Modi.

Handel stark eingeschränkt

Nun soll eine regelmäßige Luftfrachtverbindung Abhilfe schaffen. Dies gaben Indien und Afghanistan Anfang Dezember am Rande einer Stabilisierungskonferenz für das Krisenland bekannt. Denn dass sich an der Erbfeindschaft zwischen Indien und Pakistan bald etwas ändert, ist wenig wahrscheinlich. Zuletzt haben sich die Beziehungen sogar noch verschlechtert, was auch den Luftverkehr traf.

Um Waren nach Indien zu exportieren ist Afghanistan bisher auf den pakistanischen Hafen Karachi angewiesen. Importe aus Indien sind auf dieser Route allerdings nicht erlaubt. Zudem ist auch das Verhältnis zwischen Afghanistan und Pakistan belastet. 2016 war die lange Grenze zwischen den beiden Ländern deshalb mehrmals geschlossen worden.

Früchte und Teppiche

Für Khalid Payenda vom afghanischen Finanzministerium ist der Handel über den Luftweg die beste Lösung. Nach Indien wolle man vor allem frische und gedörrte Früchte verkaufen, so der Experte gegenüber Reuters. Mit Indien als Zwischenstation entstünden zudem zusätzliche Chancen für die heimische Teppichindustrie, ihre Waren auf den Weltmarkt zu bringen.

Indien verfolgt dagegen mit seiner Afghanistan-Politik in erster Linie geostrategische Ziele. Das Land unterstützt mit viel Geld Projekte in Bereichen wie Bildung, Landwirtschaft und Energie. Zudem gibt es eine zunehmende militärische Kooperation in der Terrorbekämpfung − sehr zum Missfallen von Pakistan.

Nachholbedarf bei der Infrastruktur

Wie bei der gesamten Verkehrsinfrastruktur sind auch Afghanistans Kapazitäten im Luftverkehr relativ bescheiden. Obwohl das Land flächenmäßig fast doppelt so groß wie Deutschland ist, gibt es nur vier Flughäfen mit internationalen Verbindungen. Für den nicht-militärischen Frachtverkehr sind bisher fast nur der Hamid Karzai International Airport in Kabul und der Kandahar International Airport von Bedeutung.

Frachtlinien bestehen bislang vor allem in die Golfstaaten (Dubai, Abu Dhabi, Bahrain) sowie nach Aserbaidschan, Iran und Pakistan. Eine Verbindung in nicht-islamische Staaten bietet die amerikanische Frachtairline Kalitta mit regelmäßigen Flügen von Kandahar nach Hong Kong und New York.

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