Boeing 777 von PIA:  Seit Jahren setzen sich Beschäftigte ins Ausland ab.

Asyl beantragtZum achten Mal bleibt eine pakistanische Flugbegleiterin in Kanada zurück

Auch 2024 setzt sich Kabinenpersonal nach Kanada ab. Die Airline reagiert mit einer Altersgrenze für Kanada-Flüge. Doch das Problem sitzt tiefer.

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Es stand schonmal besser um Pakistan International Airlines, kurz PIA. 2006 war sie weltweit die Erstbetreiberin der Boeing 777-200 LR. Außerdem war sie die erste Fluggesellschaft in Südasien, die eine Sitzplatzreservierung per Mobiltelefon ermöglichte. Heute steht die Airline mit einem Schuldenberg von rund 7,1 Milliarden US-Dollar mit dem Rücken zur Wand. Aktuell arbeitet sie mit Beratern an einer Restrukturierung.

Aufgrund der Schuldenlast muss PIA immer wieder Flüge streichen. Mal ist fehlendes Kerosin der Grund, weil der pakistanische Mineralölkonzern die Airline nicht mehr mit Kerosin beliefert. Mal müssen Flugzeuge am Boden bleiben, weil PIA sich die Ersatzteile nicht mehr leisten kann. Ein weiterer Grund ist Personalmangel. Und noch ein anderes Problem plagt die Airline: Immer wieder setzt sich Personal im Ausland ab.

Flugbegleitende bleiben in Kanada

Besonders beliebt ist Kanada. Mindestens acht Flugbegleitende haben seit 2018 im zweitgrößten Land der Erde nach Ihrer Ankunft Asyl beantragt. Der jüngste Vorfall ereignete sich am 18. Januar. Die Flugbegleiterin war Teil der Crew von Pakistan-Airlines-Flug PK 781 von Islamabad nach Toronto. Zwei Tage später sollte der Rückflug nach Karachi starten - die Flugbegleiterin erschien nicht.

Der Sprecher von Pakistan International Airlines bestätigte gegenüber The Media Line den Vorfall und gab Kanada die Schuld. «Wir tun alles, was wir können, um dies zu verhindern, aber das kanadische Recht ist so liberal, dass sich unsere Maßnahmen als kontraproduktiv erwiesen haben», so der Sprecher.

Pässe einkassiert

Die Fluggesellschaft hat teils scharfe Richtlinien erlassen, um gegen das Problem vorzugehen. So müssen das Flugbegleitende nach der Ankunft im Ausland ihre Pässe beim Stationsleiter abgeben. Erst kurz vor dem Rückflug bekommen sie diese zurück.

Ebenfalls wird überprüft, ob die Besatzungsmitglieder im Hotel eingecheckt haben. Hotels sind angewiesen worden, jede Unstimmigkeit zu melden. Dazu gehört auch, dass die Besatzung nachts das Hotel nicht mehr verlassen darf.

Nach Kanada nur noch über 50-jährige

Geholfen hat es nicht viel. Die Flucht ins Ausland ging weiter. Laut dem Sprecher hat die Fluggesellschaft kürzlich neue Regeln speziell für Kanada erlassen. Statt jungen Frauen setzt Pakistan International Airlines nach Kanada nur noch Kabinenpersonal ein, das über 50 Jahre alt ist.

Einigen Quellen zufolge ist die Welle des Verschwindens auf niedrige Gehälter der Flugbesatzungen und die Angst vor einem Privatisierungsplan der Fluggesellschaft zurückzuführen. Der Staat will die Airline mit aller Macht privatisieren.

Pakistan verliert eine Million gut ausgebildete Menschen pro Jahr

Am 9. Januar hat die Privatisierungskommission des 220 Millionen Einwohner Landes die Privatisierung von 51 Prozent genehmigt. Um PIA für Investoren attraktiver zu machen, wurde im vergangenen Jahr ein Viertel der Schulden auf ein neues Unternehmen – eine Bad Company – übertragen. Bisher sind keine Angebote für die Airline bekannt.

Gleichzeitig betrifft das Problem nicht nur die Luftfahrtbranche. Pakistan steckt seit Jahren in einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise. Das Land ist geprägt von Arbeitslosigkeit und Inflation. Laut einem Bericht des Bureau of Emigration and Overseas Employment haben 2023 etwa eine Million Pakistanerinnen und Pakistaner das Land verlassen. Die meisten waren gut ausgebildete junge Menschen.

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