Letzte Aktualisierung: um 22:30 Uhr

Wettbewerb

Wo die EU beim Einstieg von IAG bei Air Europa Probleme sieht

Nun haben die europäischen Wettbewerbshüter auch IAG gewarnt. Und sie haben konkret dargelegt, wo die Übernahme von Air Europa heikel ist.

Vor einem Monat war Lufthansa Group an der Reihe. Der deutsche Konzern erhielt von der EU-Kommission ein Statement of Objections. In dem so bezeichneten Schreiben führt die Wettbewerbsbehörde ihre konkreten Bedenken gegenüber einer geplanten Fusion oder Übernahme aus. Brüssel sieht den Einstieg von Lufthansa bei ITA Airways aus Wettbewerbssicht kritisch.

Jetzt ist auch die Konkurrentin IAG dran. Man habe eine umfassende Untersuchung durchgeführt, um die potenziellen Auswirkungen zu ermitteln, die ein Kauf von Air Europa hätte, schreibt die Kommission. Dabei habe man Informationen und interne Dokumente der Unternehmen sowie Stellungnahmen von konkurrierenden Fluggesellschaften, Flughäfen, Slot-Koordinatoren und Kunden sowie von Verbraucherverbänden ausgewertet.

Probleme bei Kanaren- und Balearen- …

Die EU-Kommission hat drei Hauptprobleme bei einer Übernahme von Air Europa durch Iberia-Mutter IAG ausgemacht. Sie befürchtet, dass der Wettbewerb auf einer Reihe von spanischen Inlandsstrecken leidet. Es geht vor allem Strecken, auf denen Hochgeschwindigkeitszüge keine Alternative darstellen, sowie auf Strecken zwischen dem Festland und den Balearen und Kanarischen Inseln.

Dort stehen IAG und Air Europa derzeit in direktem Wettbewerb zueinander. «Auf einigen dieser Strecken wird es nach dem Zusammenschluss keinen direkten Wettbewerb mehr geben. Auf anderen scheint der Wettbewerb begrenzt zu sein und kommt in erster Linie von regionalen spanischen Fluggesellschaften und Billigfluglinien wie Ryanair», schreibt die EU-Kommission in einer Mitteilung vom Freitag (26. April). Da sei das Problem, dass die Billigairlines oft von weit entfernten und dezentralen Flughäfen fliege und daher keine echte Alternative darstelle, so die europäischen Wettbewerbshüter.

… sowie Amerika-Strecken

Dieselbe Befürchtung hat die Kommission für eine Reihe von Kurzstrecken, die Spanien mit Ländern in Europa und im Nahen Osten verbinden. Betroffen sind auch einige Langstrecken, die Spanien mit Nord- und Südamerika verbinden – einem zentralen Betätigungsfeld sowohl von Air Europa als auch von Iberia. Auf einigen dieser Strecken würde es nach dem Zusammenschluss keinen direkten Wettbewerb mehr geben. Auf anderen hätten beide Parteien «relativ hohe Marktanteile», so die Kommission.

IAG hat kürzlich bereits weitreichende Zugeständnisse angekündigt. Man sei bereit, das Äquivalent von 40 Prozent der von Air Europa 2023 durchgeführten Flüge an andere Fluggesellschaften abzugeben, so IAG-Chef Luis Gallego kürzlich. Ob das reicht, wird sich erst noch zeigen.

Zeit bis zum 10. Juni

Ein Statement of Objections ist allerdings keine Vorentscheidung und noch keineswegs ein endgültiges Plazet. Der Schritt bedeutet jedoch, dass IAG und Air Europa jetzt offiziell Abhilfemaßnahmen vorschlagen müssen. Sie haben dazu Zeit bis am 10. Juni. Als nächsten Schritt kann die Kommission den Kauf verbieten oder nur unter Auflagen genehmigen.