Flughafen A Coruna: Auch der Tower in der nordspansichen Stadt wird von einem privaten Anbieter besetzt.

Gewerkschaft warntFluglotsen in Spanien: Unterbesetzung, Überstunden und mangelnde Konzentration

In Spanien wurden kleinere Kontrolltürme an private Anbieter ausgelagert. Fluglotsinnen und Fluglotsen warnen vor schlechten Arbeitsbedingungen, die letztlich die Sicherheit gefährden könnten.

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In Spanien ist Enaire, die Flugsicherungsorganisation, unter der Aufsicht des Verkehrsministeriums für die Steuerung des gesamten Flugverkehrs des Landes verantwortlich. Die Fluglotsinnen und Lotsen koordinieren von den Kontrolltürmen aus Starts, Landungen und Rollbewegungen an 21 großen Flughäfen.

Kleine und mittelgroße Flughäfen, wie beispielsweise Sevilla und Jerez wurden vor einigen Jahren an private Anbieter wie FerroNATS oder Saerco ausgelagert. Mit der Liberalisierung wollte die spanische Regierung Kosten sparen. Die Ausschreibungsmodelle führen zu Kostendruck, der die Sicherheit gefährdet, moniert die European Transport Workers’ Federation (ETF) nach einem Treffen mit Vertretenden der Comisiones Obreras (CCOO).

Fluglotsinnen und Fluglotsen berichten von Überstunden und fehlendem Personal

Der Gewerkschaftsverband warnt vor zunehmenden Ermüdungsrisiken und Arbeitsrechtsverletzungen in liberalisierten spanischen Flugsicherungstürmen, insbesondere am Flughafen Jerez. Der Flughafen wird von Saerco kontrolliert. Laut Beschäftigten hat sich das private Unternehmen durchgesetzt, weil es ein Angebot abgegeben hat, das weniger Personal vorsieht, als tatsächlich benötigt wird.

Die Mitarbeiter in Jerez klagen über chronische Unterbesetzung, Einkommensverluste, die Abwanderung erfahrener Kolleginnen und Kollegen, gepaart mit fehlenden Neueinstellungen. Fluglotsinnen und Fluglotsen berichten von regelmäßigen Überstunden, unbezahlter Arbeit und dem Druck, auch außerhalb der Dienstzeiten verfügbar zu sein. Dies gefährdet die Konzentration und die Sicherheit, warnen sie.

Auch Cockpitpersonal nimmt Veränderungen wahr

Das hat auch direkte Folgen in der Zusammenarbeit mit Pilotinnen und Piloten: Die Kommunikation verschlechtert sich, die Kommunikation wird starrer, und die Kultur der kooperativen Entscheidungsfindung leidet, heißt es in der Mitteilung der ETF. Ein Pilot, der anonym bleiben will, spricht von einer spürbaren Verschlechterung der operativen Zusammenarbeit in den meisten ausgeschriebenen Towers. Diese würden nur noch «Dienst nach Vorschrift» absolvieren.

Die Gewerkschaftsverbände fordern den Flughafenbetreiber Aena, die staatliche Agentur für Flugsicherheit AESA und die spanischen Behörden auf, die vollständige Einhaltung der Arbeitsnormen und Anforderungen an das Ermüdungsmanagement sicherzustellen, eine angemessene Personalausstattung zu gewährleisten, die den Anforderungen der Betriebssicherheit entspricht, sowie die Aufsichtsmechanismen für ausgeschriebene Flugsicherungsdienste zu verstärken.

Easa soll besser überwachen

Zudem soll sichergestellt werden, dass bei künftigen Auftragsvergaben Sicherheit und soziale Nachhaltigkeit Vorrang vor kurzfristigen Kostensenkungen haben. Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit Easa soll laut ETF dafür sorgen, dass die betroffenen nationalen Behörden eine angemessene Aufsicht über die vertraglich vereinbarten Dienstleistungen ausüben. Die ETF fürchtet sonst einen «Wettlauf nach unten» in ganz Europa, wenn solche Modelle Schule machen.

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