Brände von Lithiumbatterien sind eines der Hochrisiko-Themen in der Luftfahrt. Da immer mehr Powerbanks, E-Zigaretten und weitere Geräte mit den Fluggästen an Bord gelangen, reagieren Behörden und Airlines. Die europäische Luftfahrtbehörde Easa veröffentlichte im Sommer 2025 neue Empfehlungen. Als Reaktion darauf gilt bei vielen Fluggesellschaften nun: Reisende müssen ihre Powerbank stets im Blick haben, nicht oben im Handgepäckfach, und dürfen sie außerdem nicht an Bord benutzen, um andere Geräte aufzuladen.
Aber es geht nicht nur um die Passagierkabine. Lufthansa-Cargo-Chef Ashwin Baht sagte kürzlich im Gespräch mit aeroTELEGRAPH, bei der deutschen Frachtfluggesellschaft gelte «ein vollständiges Transportverbot für Elektrofahrzeuge» aufgrund der verbauten Akkus. Zudem sichere man aufgrund von Lithiumbatterien, die sich in vielen anderen Geräten befinden, seit Mitte 2025 jeden Frachtcontainer zusätzlich mit Feuerschutzabdeckungen.
Electronic Flight Bags funktionieren meist mit Lithiumbatterien
Doch es gibt noch einen Ort, an den es zu denken gilt, und zwar in Passagier- und in Frachtflugzeugen: das Cockpit. «Die meisten Electronic Flight Bags, die von Cockpitcrews weit verbreitet genutzt werden, enthalten Lithiumbatterien als primäre Stromquelle», heißt es dazu im Magazin Safety First des Flugzeugbauers Airbus, das sich an Pilotinnen und Piloten sowie an andere Fachleute aus der Luftfahrtbranche richtet.
Der Electronic Flight Bag ist ein digitales System mit Karten, Checklisten, Handbüchern und vielem mehr, was die Crew braucht und früher in Papierform nutzte. Heute kommen dafür beispielsweise Tablets zum Einsatz. Weiter heißt es im «Safety First»-Artikel: «Lithiumbatterien können auch in Laptops, Tablets, Kameras, Mobiltelefonen oder anderen tragbaren elektronischen Geräten im Cockpit vorhanden sein.»
Diese sechs Schritte muss die Cockpitcrew beachten
Das Fachmagazin erklärt, wie die Besatzung vorgehen soll, wenn es wirklich zu einem Lithiumbatterie-Brand im Cockpit kommt. Dieses Vorgehen ist in sechs Schritte aufgeteilt:
1.) Steuerung übergeben, falls erforderlich: Einer der Piloten muss das Flugzeug steuern. Der andere nimmt die Rolle des Brandbekämpfers ein - und zwar derjenige, der sich am Batteriebrand am nächsten befindet. Daher kann eine Übergabe der Steuerung nötig sein.
2.) Anweisung an die Kabinencrew geben: Die Cockpitcrew muss die Kolleginnen und Kollegen in der Kabine anweisen, das Verfahren «Storage Procedure After a Lithium Battery Fire» einzuleiten. So bereitet das Personal in der Kabine schon Schritte vor, die später benötigt werden: Das Gerät muss von der Kabinencrew mit feuerfesten Handschuhen in einen Behälter mit nicht brennbarer Flüssigkeit gegeben werden. Dieser Behälter wird, wenn dies möglich ist, in einen der Toilettenräume gebracht und unter Beobachtung gestellt.
3.) Sicherheit der Cockpitcrew sicherstellen: Falls offene Flammen sichtbar sind, sollte der Pilot, der das Flugzeug steuert, seine Sauerstoffmaske anlegen. Der Brandbekämpfer legt derweil die tragbare Atemschutzausrüstung an (Protective Breathing Equipment, kurz PBE).
Die Schritte 1 bis 3. Airbus Safety First
4.) Brand bekämpfen: Der Brandbekämpfer sollte den Feuerlöscher verwenden, um etwaige offene Flammen zu löschen.
5.) Gerät kühlen: Nach dem Löschen, oder wenn keine Flammen vorhanden waren, muss das Gerät gekühlt werden. Falls es nicht aus dem Cockpit entfernt werden kann - etwa aufgrund einer schwierig zu trennenden Kabelverbindung -, sollte der Brandbekämpfer oder ein Mitglied der Kabinencrew Wasser oder eine alkoholfreie Flüssigkeit darüber gießen.
6.) Falls das Gerät aus dem Cockpit herausgebracht werden kann, sollte ein Mitglied der Kabinencrew nun so vorgehen, wie in Punkt 2 beschrieben. Gibt es kein Kabinenpersonal, etwa bei Fracht- oder Überführungsflügen, muss der Brandbekämpfer das übernehmen.
Notfalls Staufach im Cockpit mit Wasser füllen
Bei all diesen Schritten gilt: Sollte zu irgendeinem Zeitpunkt der Rauch im Cockpit zur größten Bedrohung werden, sollte die Crew das entsprechende Verfahren («Removal of Smoke / Fumes») in Erwägung ziehen. Ebenso muss die Cockpitbesatzung eine sofortige Landung in Betracht ziehen, falls die Situation außer Kontrolle gerät.
Airbus weißt für die eigenen Flugzeuge darauf hin, dass viele Modelle Staufächer für Dokumente oder Laptops im Cockpit bieten. Diese Fächer sind für einen Lithiumbatterie-Brand von bis zu 3 Minuten getestet. «Sie können bei Bedarf mit Wasser oder einer alkoholfreien Flüssigkeit befüllt werden», schreibt der Flugzeugbauer.
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