Was tun mit der Powerbank im Flugzeug? Seitdem ein Airbus A321 von Air Busan im Januar 2025 in Südkorea vollständig ausbrannte, verschärfen Fluglinien weltweit die Regeln zu den mobilen Ladestationen im Taschenformat. Zuvor galt im Wesentlichen: Powerbanks dürfen nicht ins Aufgabegepäck, sondern müssen ins Handgepäck. Und für sehr leistungsstarke Geräte ist eine besondere Erlaubnis nötig. Etliche Airlines untersagten zudem bereits, die Powerbank über eine Steckdose oder einen USB-Anschluss im Flieger aufzuladen.
Der Airbus A220 stand startbereit am Gate in Amsterdam
Wer schon mal auf dem Fensterplatz saß, angeschnallt war und dann kurz vor Abflug die Sitznachbarn wieder aufstehen lassen musste, weil («Mist, vergessen!») doch noch die Powerbank im Rucksack im Handgepäckfach lag, weiß das genau. Da die Crew das Handgepäck nicht kontrollieren kann, mag mancher an dieser Stelle denken: «Ach, was soll's, ich lass das Ding jetzt dort oben, wird schon nichts passieren.» Andere Reisende kennen die neueste Regel womöglich gar nicht und hören bei der Borddurchsage nicht zu.
Warum das aber überhaupt keine gute Idee ist, zeigt ein neuer Bericht der niederländischen Untersuchungsbehörde Onderzoeksraad voor Veiligheid - und das ganz ohne ausgebranntes Flugzeug oder Verletzte an Bord. Denn er zeigt, wie schwer eine Powerbank zu löschen ist. Und er macht deutlich, dass es gut gewesen wäre, wenn das Problem früher aufgefallen wäre. Es geht um einen Vorfall vom 12. Juni 2025 in einem Airbus A220-300 von Air France. Der Jet stand damals startbereit am Gate C3 des Flughafens Amsterdam Schiphol.
Aus dem Handgepäckfach steigt plötzlich Rauch auf
Alle Türen waren geschlossen und der Pushback-Truck war angekoppelt an den Jet mit dem Kennzeichen F-HZUA. Doch gerade als der Purser die Anweisung «Notrutschen aktivieren» geben wollte, meldete ein Passagier Rauch aus einem geschlossenen Handgepäckfach über Reihe 14. Die Crew-Mitglieder im vorderen Kabinenbereich setzten Schutzhauben auf.
Der Kapitän setzte einen Notruf ab und forderte die Feuerwehr an. Die Piloten versuchten vergeblich, das Bodenpersonal zu kontaktieren, um die Fluggastbrücke wieder mit dem Airbus A220 zu verbinden. Inzwischen hatte der Passagier seinen Rucksack aus dem rauchenden Handgepäckfach geholt und festgestellt: Der Rauch kam von einer Powerbank im Rucksack. Der Purser setzte eine Schutzhaube auf und entleerte zwei Feuerlöscher auf den Rucksack. Der Rauch war jetzt zwar geringer, aber immer noch beträchtlich.
Piloten nutzen externes Warnsignal, Rauch zieht ins Cockpit
Daraufhin holte der Purser den Mülleimer von der vorderen Toilette, zog Handschuhe an, warf den Rucksack in den Mülleimer. Zwei Crewmitglieder entleerten Wasserflaschen darüber - trotzdem rauchte der Rucksack weiter. Auch der Rest der Kabinencrew setzte Schutzhauben auf, die Piloten ihre Sauerstoffmasken, da der Rauch nun auch ins Cockpit zog. Die Kabine war nun mit dichtem, weißem Rauch mit stechendem Geruch gefüllt.
Die Piloten betätigten mehrmals das Außenhorn des Flugzeugs, um die Aufmerksamkeit des Bodenpersonals zu erregen, aber niemand reagierte. Schließlich gelang es dem Kopiloten, per Funk Kontakt aufzunehmen und die Wiederverbindung der Fluggastbrücke anzufordern. Nachdem dies geschehen war, wurden die 142 Menschen an Bord darüber evakuiert und der Purser stellte den mit Wasser gefüllten Mülleimer mit dem immer noch qualmenden Rucksack in die Fluggastbrücke. Dann übernahm die Feuerwehr die weitere Löschung.
Air France passt Regeln an und überarbeitet Schulungen
Bei der Untersuchung des Vorfalls durch Air France wurde laut der niederländischen Behörde deutlich, dass die Kommunikation durch die Schutzhauben beeinträchtigt war. Daher mussten einige Crewmitglieder ihre Hauben zeitweise abnehmen, um zu kommunizieren. Darüber hinaus identifizierte die Fluglinie mehrere Verbesserungspunkte für die Schulung für den Brand- und Rauchfall. Am 24. Juni 2025 änderte Air France außerdem die Bestimmungen zum Transport von Powerbanks. Seitdem müssen diese gut sichtbar aufbewahrt werden.
Was mit Powerbanks geschieht, die im Aufgabegepäck landen, lesen Sie hier.
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