Erste Boeing 787 von Bamboo Airways: Die Airline aus Vietnam plant auch den Kauf von Boeing 777X.

Ausbau der LangstreckeBamboo Airways schielt auf Star Alliance

Die junge vietnamesische Fluggesellschaft hat viel vor. Nach München und Prag will sie weitere Ziele in Europa erschließen. Bamboo Airways strebt auch einen Allianzbeitritt an.

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Bamboo Airways feierte im Januar das einjährige Jubiläum des Erstfluges. Und bereits bedient die vietnamesische Fluggesellschaft mit 25 Flugzeugen Ziele im Inland und der Region. Demnächst wird sie ihre ersten Langstreckenverbindungen aufnehmen.

Obwohl die Coronavirus-Pandemie die Luftfahrtbranche auf der ganzen Welt in Schwierigkeiten bringt, sieht Bamboo Airways die Expansion nicht gefährdet. «Es ist offensichtlich, dass der Ausbruch von Covid-19 einen erheblichen Einfluss auf die Tourismusindustrie hat. Wir sehen in den Herausforderungen jedoch auch Chancen», erklärt der stellvertretende Generaldirektor Bui Quang Dung im Gespräch mit aeroTELEGRAPH.

Prag wegen Coronavirus verschoben

«Es ist der richtige Zeitpunkt für uns, die Organisation umzustrukturieren», sagt der Manager. Trotz der Krise will die Fluglinie laut Dung «Innovationen» einführen und die Servicequalität verbessern. Die Expansion sucht Bamboo Airways für 2020 allen vor allem auf der Langstrecke - und dies auf fast allen Kontinenten.

Anfang März kündigte die Fluglinie mit Prag ihr erstes interkontinentales Ziel an. Aufgrund der Corona-Krise verschiebt sie den Erstflug Hanoi - Prag vom 29. März vorerst auf den 26. April. Die ab kommenden Sommer angekündigten Flüge zwischen Hanoi und Ho Chi Minh City und München sollen laut Dung aber weiterhin auf im Juli starten.

Drittes Ziel in Europa geplant

Mit Deutschland und der Tschechischen Republik will es Bamboo in Sachen Europa aber nicht bleiben lassen. Werden die Ergebnisse in München und Prag positiv sind, will Bamboo auf dem alten Kontinent ausbauen: «Wir haben bereits weitere Destinationen in Europa untersucht», sagt Dung.

Mit Singapur und Malaysia verhandelt die Fluglinie derzeit über Slots. Zudem werden Flüge nach Indonesien und die Philippinen geprüft, sagt der Manager. «Bamboo Airways bedient bereits Strecken zwischen Vietnam und Ländern in Nordostasien. In Zukunft werden wir unser Netzwerk in Südostasien weiter ausbauen», erklärt Dung.

777X für die USA

Sehr konkret blickt Bamboo in Richtung USA. Dies betrifft auch die Flottenplanung. Bisher empfing die Airline drei von insgesamt zehn bestellten Boeing 787 Dreamliner. Im vergangenen Februar wurde bekannt, dass Bamboo auch eine Bestellung von zwölf Boeing 777X plant.

«Wir erwägen die Boeing 777X für Direktflüge in die Vereinigten Staaten», sagt der stellvertretende Generaldirektor. Im vergangenen Juni dachte die Fluglinie sogar laut über den Einsatz von Airbus A380 für Flüge nach Nordamerika nach. Laut Dung sei dieses Vorhaben nicht endgültig verworfen, aber vorerst vom Tisch.

Bisher keine Flüge nach Amerika

Zwar ist die Boeing 777X kleiner als die A380, aber noch immer das größte zweistrahlige Passagierflugzeug der Welt. Angst, die enorme Kapazität nicht füllen zu können, hat Bamboo nicht. «Unsere Prognosen für den Markt USA sagen für die 777X einen Ladefaktor von 89 bis zu 95 Prozent voraus», sagt Dung.

Ein Grund für die Zuversicht: Direktflüge zwischen den USA und Vietnam gibt es bisher nicht. Währenddessen boomt in Vietnam der Tourismus: Allein in den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der Reisenden verdreifacht. Erst im vergangenen Herbst vergaben die Vereinigten Staaten erstmals eine Lizenz für Direktflüge an Vietnam Airlines.

Keine Sorge vor heimischer Konkurrenz

Obwohl die Nationalfluglinie bereits ein etablierter Anbieter von Langstreckenflügen ist und ebenfalls Pläne in Richtung USA hegt, sieht Bamboo keine Gefahr. Man plane hauptsächlich andere Langstreckenrouten als der staatliche Konkurrent anzubieten, so Dung. «Wir haben eine eigene Strategie, um verschiedene Routen in anderen Kontinenten zu nutzen.»

Im Inlandsverkehr sieht sich Bamboo ebenfalls gut gewappnet. Dort tritt die Fluglinie auch gegen die beiden vietnamesischen Billigflieger Vietjet sowie Jetstar Pacific an. Gegen diese habe man sich gut geschlagen: «Nach mehr als einem Jahr Betrieb haben wir einen Inlandsmarktanteil von fast 20 Prozent erreicht», sagt Dung. Bis 2021 will die Fluglinie diesen Anteil auf 30 Prozent steigern. Aktuell setzt Bamboo im Inlands- und Regionalverkehr 22 Flieger der Airbus A320-Familie ein.

Beitritt zu Allianz 2021

Bamboo Airways will sich bei ihrer Expansion auch Unterstützung anderer Airlines holen und dazu Kooperationen eingehen. Der stellvertretende Kommerzchef Thach Pierre Hoang sagt gegenüber aeroTELEGRAPH, dass die Fluglinie mit mehreren Airlines über Codeshare-Abkommen verhandelt. Ebenso will sie als zweiten Schritt im nächsten Jahr einer Allianz beitreten.

Im Blick hat Bamboo dabei Oneworld und Star Alliance, sagt Hoang. Vietnam Airlines ist Mitglied bei Skyteam. Star Alliance ist für Bamboo vor allem für die kommende Destination in München interessant, da sie mit Lufthansa dort den Platzhirsch als Allianzpartner hätte. Eines ist klar: Die Vietnamesen meinen es mit ihrer Expansion ernst. Bis 2024 will Bamboo eine Flotte mit insgesamt 100 Flugzeugen betreiben.

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