Dassault Rafale C der Indian Air Force: Die Armee will sich modernisieren.

Ersatz von Antonov An-32 und Ilyushin Il-76Indiens Milliarden-Poker um eine schlagkräftigere Luftwaffe

60 neue Transportflugzeuge, weitere Rafale und ein eigener Tarnkappenjet: Indien steckt Milliarden in die Modernisierung seiner Luftstreitkräfte. Dabei setzt Neu-Delhi auf Partner aus Frankreich, Großbritannien, Russland und womöglich Brasilien oder Europa.

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Gerade hat Indien seinen 80. Unabhängigkeitstag gefeiert. Im Verteidigungsministerium in Neu-Delhi war man um den 15. August dennoch auch anderweitig sehr beschäftigt. Vor Kurzem hat die Luftwaffe drei Truppentransporter technisch unter die Lupe genommen: den Airbus A400M, den Embraer C-390 Millennium aus Brasilien und die Lockheed Martin C-130J Super Hercules.

Bereits im März hatte Indien die Beschaffung von 60 mittleren Transportflugzeugen für die Indian Air Force IAF genehmigt. Mitte August folgte schließlich die formelle Ausschreibung für die 60 Maschinen für rund 1 Billion Rupien umgerechnet etwa 9,5 Milliarden Euro. Die Flugzeuge sollen vor allem die alternde Antonov An-32 und Ilyushin Il-76 ersetzen.

Partner Mikoyan, Dassault und Rolls-Royce

Apropos Russland. Die Mikoyan Gurevich Mig-29 UPG bleibt im Dienste Indiens, auch wenn deren Dienstende absehbar ist. Gleichwohl produziert das Land in Lizenz die Su-30MKI, die indische zweisitzige Variante des Mehrzweckkampfjets Sukhoi Su-30 aus Russland, dem wichtigsten Erdöllieferanten. Auch der Kauf von fünf S-400-Luftabwehreinheiten wurde vor Kurzem erteilt. Die Indian Air Force war schon immer ein Sammelsurium aus allen möglichen Militärfluggeräten, was dazu führte, dass französische Dassault Rafales Seite an Seite mit Fluggeräten aus Moskau den Ernstfall probten. Sechsunddreißig Exemplare hat Paris 2019 bis 2022 an die indische Luftwaffe geliefert; weitere 26 Rafale M sind für die indische Marine bestellt zum Schutz der 7500 Kilometer langen Küste.

Dennoch will Indien den Anteil an russischem Kriegsmaterial senken. Von den neuen 114 Rafale-Jets der vierten Generation sollen 96 in Indien selbst gefertigt beziehungsweise montiert werden. Den Vertrag dazu hat der nationalistische Premier Narendra Modi noch nicht unterschrieben. Ebenso Mitte August gaben der indische Konzern Reliance Industries und die britische Rolls-Royce eine Partnerschaft zur Entwicklung und Produktion von Triebwerken für Indiens AMCA-Programm (die Abkürzung steht für Advanced Medium Combat Aircraft) bekannt. Umgerechnet 4,7 Milliarden Euro an neuen Beschaffungsvorhaben genehmigte das indische Defence Acquisition Council im Juli – darunter Raketen, elektronische Kampfführung und jetbasierte Kamikaze-Drohnen.

Es gibt auch Kritiker am Rüstungsprogramm

Der Kaufrausch ist nicht unumstritten. Prominentester Kritiker der Beschaffungspolitik ist Oppositionsführer Rahul Gandhi, der während der Operation Sindoor im Mai 2025 die Regierung wegen der von Pakistan behaupteten Abschüsse indischer Kampfflugzeuge zur Rede stellte. Schon brandmarkten Modi-Anhänger Gandhi als «Fünfte Kolonne» Islamabads.

Aus diesem letzten Waffengang hat Pakistan nicht nur militärische Konsequenzen gezogen. Zum einen beschafft es sich chinesische Tarnkappenjets und Raketen. Zum anderen hat das Land am 7. August mit Nato-Mitglied Türkei und Saudi-Arabien in Mekka ein gemeinsames Verteidigungsabkommen besiegelt, das das Wort «Wow!» von Donald Trump erhielt – was auch als eine Spitze gegen Modi gewertet werden kann, dem der US-Präsident dessen Nein zum Kauf von Lockheed Martin F-35 Lightning II bis heute übel nimmt. Auch entschied sich die indische Marine gegen die Boeing F/A-18 Super Hornet, nachdem sie diese 2022 für ihre zwei Flugzeugträger testete.

«Islamische Nato» vor der Haustür

Kritik kam aus den eigenen Reihen: Der Ex-Air-Marshall Anil Chopra hat mehrfach gewarnt, dass Indien ohne drastische Beschleunigung seiner Programme Gefahr läuft, über ein bis zwei Jahrzehnte hinweg technologisch ins Hintertreffen zu geraten, da sein eigener Tarnkappenjet AMCA nicht vor 2035 einsatzbereit sein dürfte.

Der Schulterschluss der «islamischen Nato», wie einige Medien das Bündnis schnell nannten, bringt Neu-Delhi in ein Dilemma. Zusammen kommt das orientalische Trio über mehrere hundert Kampfflugzeuge westlicher Herkunft, darunter große Lockheed-Martin-F-16-Fighting-Falcon-Bestände in Pakistan und Türkei sowie eine umfangreiche Boeing-F-15-Eagle-Flotte Saudi-Arabiens. Mit Riyadh kann es sich Bharat, wie Indien auf Hindi heißt, kaum verscherzen, bezieht das bevölkerungsreichste Land (1,4 Milliarden Menschen) der Welt doch 14 Prozent seines schwarzen Goldes aus Saudi-Arabien.

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