Leichter Mehrzweckjäger Hal Tejas Mark-1 - Noch will das Ausland nicht so recht zugreifen

Indian Air Force IAFDer Gemischtwarenladen der indischen Luftwaffe

Migs aus Sowjetzeiten, französische Rafales und heimische Tejas: Die indische Luftwaffe wirkt wie ein fliegendes Museum. Doch zwischen Modernisierung, Milliardeninvestitionen und wachsendem Druck aus Pakistan kämpft die Indian Air Force gegen gefährliche Lücken.

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Luftfahrt

«Berühre den Himmel mit Ruhm», lautet der Schlachtruf der Indian Air Force, die meist einfach abgekürzt IAF genannt wird. Doch der Stolz der Nation ist angeschlagen. Viele der schätzungsweise 2000 Kampfjets, Transportflugzeuge und Helikopter aus aller Herren Länder sind veraltet.

Noch immer stecken Neu-Delhi die Verluste in der Luftschlacht von Sindoor vor einem Jahr in den Knochen, als die Luftwaffe mehrere Flugzeuge (darunter angeblich auch moderne Dassault Rafale) gegen den Erzfeind Pakistan und seine Chengdu J-10 verlor (Pakistan beansprucht fünf Abschüsse, Indien gab nur einen Jet-Verlust zu). Bei dem Fernduell überflogen die Kampfpiloten der beiden Atommächte des Subkontinents nicht für eine Sekunde die gegnerische Staatsgrenze.

Hal Tejas: Mehrzweckjäger mit stotterndem Exportmotor

Also hat die Regierung unter dem Nationalisten Narendra Modi im vergangenen Februar ein Armeemodernisierungspaket im Wert von 40 Milliarden Dollar beschlossen. Unter anderem sollen damit der letzte Serienauftrag von 97 leichten Mehrzweckkampfjets HAL Tejas Mark 1A aus heimischer Produktion finanziert und die letzten alten Mikoyan-Gurevich Mig-21 ersetzt werden.

Die Mig-21 ist jene sowjetische Maschine, die schon der Vietcong in den Sechzigerjahren gegen US-Platoons einsetzte. Indiens bekannter Militär-Dozent Ajai Shukla, ein Ex-Panzerkommandeur der indischen Armee, schätzt, dass die IAF ein Defizit von 250 modernen Kampfjets der vierten Generation aufweist, so Shukla in einem Artikel in der Zeitung The Diplomat.

Hal Tejas: Mehrzweckjäger mit stotterndem Exportmotor

Die HAL Tejas, gebaut von Hindustan Aeronautics Limited in Bengaluru, ist ein leichter Erdkampfbomber der viereinhalbten Generation (modernste Bordtechnologie, aber keine Tarnkappe), bestückt mit einem GE Aerospace F404-Triebwerk aus den USA. Mit einer Länge von ca. 13,2 Metern, 8,2 Metern Spannweite und 4,4 Metern Höhe ist die Hal Tejas etwas kleiner als die Dassault Rafale, aber in ihrer Größe ist der Einsitzer vergleichbar mit der agilen Schwedin Saab JAS 39 Gripen oder der F-16 Fighting Falcon.

Die voll ausgestattete Version des Kampfjets, die bis zu vier Tonnen Waffen und Zusatztanks als Nutzlast mit sich führen kann, ist mit 60 Millionen Dollar zwar billiger als ihre wesentlichen Pendants. Dennoch bleibt sie der Öffentlichkeit den Beweis eines Fronteinsatzes schuldig. Zudem kann sie nicht wie die Saab JAS 30 Gripen und die Dassault Rafale in der Luft betankt werden.

Indien möchte den eigenen Kampfjet exportieren

Allzu gerne würde das stark verschuldete Indien seinen Inhouse-Jet exportieren. Gespräche führten die börsennotierte HAL und die indische Regierung bereits mit einer Reihe aufstrebender Länder des Globalen Südens wie Argentinien, Ägypten, Philippinen und Nigeria. Malaysia war auch mal ein Kandidat, entschied sich aber 2023 für die südkoreanische KAI FA-50.

Auch spürt Indien die starke Konkurrenz durch die Saab Gripen (Tschechien und Ungarn haben sie geleast, Brasilien ist größter Exportkunde vor Südafrika und Thailand, die Briten nutzen sie für Trainingsflüge), die F-16 und die chinesisch-pakistanische CAC/PAC JF-17 Thunder, auf die bereits Myanmar und Nigeria setzen.

IAF: Größe ist nicht immer Stärke

Die wichtigste Anschaffung aus dem Westen bleibt für die IAF die französische Dassault Rafale. Ihr bestehendes Kontingent dieser modernsten Mehrzweckjäger will die indische Luftwaffe erheblich ausbauen. Sechsunddreißig Rafales sind bereits im Dienst. 114 weitere sind fest bestellt. Ihr AESA-Radar (RBE2) ist ein modernes Active Electronically Scanned Array-Radar mit hoher Reichweite und Zielgenauigkeit. Indien und das Nato-Land Frankreich arbeiten eng zusammen und führen auch gemeinsame Luftkampfmanöver durch.

Indien hat noch keinen Militärflieger der fünften Generation, also kein Tarnkappen-Ass wie die Lockheed Martin F-35 Lightning II. Was die F-35 betrifft, so hat US-Präsident Donald Trump signalisiert, es lägen alle Optionen offen, um Neu-Delhi enger an das westliche Bündnis zu binden. Dennoch wäre ein Verkauf des Stealth-Fighters problematisch, weil Indien eben russische Militärmaschinen und Flugabwehrsysteme vom Typ S-400 betreibt. Der Erzfeind Pakistan nennt aber mit der chinesischen Shenyang J-35 einen Tarnkappenjäger in seinen Beständen.

Einfuhr von amerikanischer Hardware schwierig

Ebenso gestaltet sich die Einfuhr amerikanischer Hardware schwierig für die größte Demokratie der Welt, weil die heimische Währung seit Jahren gegenüber dem Dollar von einem Allzeittief zum nächsten fällt. 73 Rupien kostete der Greenback vor fünf Jahren, heute muss man 96 Rupien für einen Dollar hinblättern.

Auf seiner Habenseite verbucht das Land mit seinen 1,4 Milliarden Menschen einen gigantischen Talent-Pool. Kampfpiloten gelten als Volkshelden. In der Forschung und Entwicklung glänzt die Hightechnation Indien mit ihren Programmiererarmeen in Mumbai, Bengaluru und Gurugram international, was Rückenwind für die auf Modernisierung erpichte indische Luftwaffe bedeutet. Kooperationen in der militärischen Luftfahrt bestehen mit Frankreich, Brasilien und bei begleitenden Kampfdrohnen in wachsendem Maße mit Israel.

Hausgemachte Turbulenzen

Gegenwind kommt oft aus den eigenen Reihen: Die wortstarke indische Presse berichtet immer wieder von Korruptionsfällen innerhalb der Streitkräfte. Auch verzeichnet die IAF einen traurigen Rekord bei Ausfällen ohne Feindeinwirkung. Laut dem Militärhistoriker Anchit Gupta in Delhi verlor die IAF in den letzten drei Jahrzehnten 152 Kampfpiloten und 534 Fighter-Jets aufgrund von Materialdefekten und Unfällen.

Selbst für das bevölkerungsreichste Land der Welt ist dies ein unerträglicher Aderlass, auch wenn laut Gupta der Schadenstrend rückläufig ist. Einer dieser tragischen Vorfälle ereignete sich auf der Dubai Airshow 2025 im vergangenen November, als am letzten Messetag der Pilot Namansh Syal mit seiner HAL Tejas nach einer misslungenen Luftakrobatik craschte und tödlich verunglückte.

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