Letzte Aktualisierung: um 8:32 Uhr

Projekt Albatross

Mit Babyschritten die Emissionen verringern

Alleine durch ein effizienteres Flugverkehrsmanagement könnte Europa bis zu ein Zehntel der Emissionen im Luftverkehr einsparen. Daran wird geforscht - Lufthansa, Swiss und der Flughafen Wien machen mit.

Eurocontrol

Flüge über Europa: Effizientere Routenführung kann Emissionen verringern.

Eines ist für Guillaume Faury klar. «Wir können das Klimaproblem nicht alleine lösen», sagte der Chef von Airbus kürzlich bei einer Veranstaltung zum nachhaltigen Flugverkehr. Es brauche das Engagement aller Akteure in der Branche.

Die Luftfahrtindustrie hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2050 will sie ihre CO2-Emissionen gegenüber 2005 halbieren. Im Vergleich zum Jahr vor der Covid-19-Pandemie bedeutet das sogar eine Reduktion um fast zwei Drittel. Ansätze gibt es viele.

«Wir schaffen das»

Die meisten Fluggesellschaften setzen als schnelle Lösung auf nachhaltigen Treibstoff, der bis zu 80 Prozent weniger Emissionen verursacht. Das im Branchenjargon Sustainable Aviation Fuel oder SAF genannte Kerosin ist heute noch viel zu knapp und entsprechend teuer. Wird es billiger, steigt der Anreiz, es zu verwenden.

Das Biokerosin wird auf absehbare Zeit noch die einzige machbare Lösung für Langstreckenflüge bleiben. Für Kurzstrecken ist dagegen Elektro ein Thema. Und Airbus arbeitet mit voller Kraft an einem Mittelstreckenflugzeug, das mit Wasserstoff angetrieben wird. «Wir sind überzeugt, dass wir das können und schaffen werden», so Faury.

Der französische Staat gab den Anstoß

Schon 2035 will der Flugzeugbauer einen Wasserstoffflieger auf den Markt zu bringen, der auch auf Mittelstrecken eingesetzt werden kann. Den Anstoß zur Entwicklung gab letztendlich der französische Staat. Er half der Luftfahrtbranche während der Corona-Krise mit insgesamt 15 Milliarden Euro. Davon hat auch der Flugzeugbauer profitiert. In Paris knüpfte man daran aber die Bedingung, dass Airbus bis 2035 ein neues Flugzeug entwickelt. Es soll «bahnbrechend» sein, in Sachen Umwelt Spitzenwerte erreichen und ein «innovatives Antriebssystem» aufweisen,  erklärte die französische Umweltministerin Élisabeth Borne damals.

Für Airbus-Chef Faury gäbe es aber noch einen viel effektiveren Weg. «90 Prozent der weltweiten aktiven Flugzeuge sind nicht solche mit modernster Technologie», sagt er. Wenn man diese Flieger ersetze, erreiche man umgehend einen großen Spareffekt. Doch das ist selbstredend schwieriger umzusetzen, weil es Milliarden über Milliarden kosten würde.

Lufthansa, Swiss und Flughafen Wien dabei

Doch es gibt auch andere Maßnahmen, die viel weniger im Fokus der Öffentlichkeit stehen und theoretisch einfach umzusetzen sind. Einer ist ein effizienteres Flugverkehrsmanagement. Im Rahmen des Projektes Albatross versuchen Fluggesellschaften, Flugsicherungen, Netzwerkmanager, Flughäfen und andere Vertreter der Branche, den Treibstoffverbrauch durch eine Vielzahl von technischen und betrieblichen Anpassungen  zu verringern. Es ist also kein großer Befreiungsschlag, sondern eine ganze Reihe von Babyschritten, die zusammen eine Besserung bringen sollen.

«Wir können so sechs bis zehn Prozent einsparen», gibt sich Laurent Lafontan, Manager Flugbetrieb bei Air France überzeugt. Am Forschungsprojekt beteiligt ist neben Amsterdam und Stockholm auch der Flughafen Wien. Bei den Fluglinien sind neben der französischen Nationalairline auch Lufthansa und Swiss dabei sowie Novair und Wizz Air dabei. Weitere Partner sind unter anderem Airbus, Austro Control, das DLR und Eurocontrol.

«Doch sehr komplex»

Unter anderem sollen neue Präzisionsanflugverfahren, kontinuierliche Steig- und Sinkflugverfahren und ein dynamischeres Management der Luftraumbeschränkungen helfen. Aber auch Rollen mit nur einem Triebwerk und die Nutzung von nachhaltigem Flugkraftstoff gehören zu den Ideen, mit denen die Gruppe das Ziel erreichen will. Das Ganze sei an sich nicht unendlich anspruchsvoll, so Philippe Lenne vom europäischen Forschungsprogramm Sesar, das sich mit Flugverkehrsmanagement beschäftigt. «Aber am Ende ist es doch sehr komplex. Es sind viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen.»



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