Darstellung des Rettungssystems: Mit Fallschirm zu Boden gleiten.

Notlandung mit FallschirmWie Fallschirme Leben und ganze Flugzeuge retten – und warum Piloten sie kaum einsetzen

Immer wieder sterben Menschen bei Abstürzen in Kleinflugzeugen, obwohl ein Rettungsfallschirm das verhindern könnte. Die meisten haben Angst, den Fallschirm wirklich zu betätigen.

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Ein Flug in einem Kleinflugzeug. Plötzlich gibt es einen Riss im Flügelholm. Dabei handelt es sich um ein kritisches strukturelles Versagen, das zum strukturellen Versagen des Flügels im Flug und somit zum Absturz führen kann. Nun heißt es: Ruhe bewahren, sanft steuern – kein Strömungsabriss, kein Trudeln. Nase leicht senken, Geschwindigkeit halten. Landeplatz suchen: Feld, Straße, Wiese. Immer gegen den Wind setzen. Und hoffen.

Allein in Deutschland gab es 2024 laut der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in der Allgemeinen Luftfahrt 129 Unfälle. Bei elf davon kamen insgesamt zwölf Menschen ums Leben. Um solche Szenarien von vornherein zu verhindern, entwickeln Flugzeughersteller verschiedene Sicherheitssysteme. Ein besonders wirksames Mittel: Ganzflugzeug-Fallschirme, auch als ballistische Bergungssysteme bekannt.

Fallschirm als Rettungsanker für Kleinflugzeuge

Die Idee ist simpel: Im Notfall wird ein Griff in der Flugzeugzelle betätigt. Eine Feststoffrakete schießt aus dem oberen Teil des Flugzeugs hervor und entfaltet gleichzeitig einen großen Fallschirm. Dieser bremst den Sinkflug des gesamten Flugzeugs auf etwa 5–6 m/s ab und ermöglicht so eine kontrollierte Notlandung. Das Problem: Diese Technik ist nur in wenigen Flugzeugen verbaut. Cirrus verbaut das System serienmäßig.

Und das ist noch nicht alles: Selbst, wenn ein derartiger Fallschirm vorhanden ist, nutzen Pilotinnen und Piloten das System kaum. Zu diesem Ergebnis kommen französische Ermittler des Bureau d’Enquêtes et d’Analyses pour la Sécurité de l’Aviation Civile (BEA), dem französischen Pendant zur BFU. In 95 untersuchten Fällen – überwiegend mit Ultraleichtflugzeugen – stellten die Ermittler fest, dass der Fallschirm nur in 21 Fällen aktiviert wurde. In den übrigen 74 Fällen wurde er nicht genutzt, wobei 36 davon tödlich endeten.

Cockpitpersonal nutzt das System wegen Unwissen nicht

Die Ermittelnden haben unter anderem mit Überlebenden gesprochen, um besser zu verstehen, warum das lebensrettende System nicht aktiviert wurde. Das größte Hindernis: Viele Pilotinnen und Piloten wissen nicht genau, wie das System funktioniert. Das führe zu einer verringerten Bereitschaft oder sogar zu Abneigung, es zu nutzen.

Ein weiteres Problem sei, dass das Cockpitpersonal seine Denkmuster ändern müsse. Die meisten hätten die Abarbeitung der Notfallchecklisten verinnerlicht und würden sich daher nicht mehr mit der Nutzung des Fallschirms beschäftigen. Eine Abweichung von den Routineverfahren bedeute Stress in einer ohnehin schon hektischen Situation. Daher griffen Pilotinnen und Piloten auf altbewährte Methoden zurück.

Einweisung muss verpflichtend sein

Als Lösung schlägt das BEA vor, das Verfahren zur Auslösung des Fallschirms bei jeder Flugeinweisung zu besprechen. Eine kurze Wiederholung der Fallschirmauslösung kurz vor dem Flug könnte sicherstellen, dass die Auslösung in einer Notsituation «fast automatisch» erfolgt. «Auch wenn dies möglicherweise nicht die erste Wahl ist, muss diese Option von Anfang an präsent sein und als positive Alternative betrachtet werden», heißt es vom BEA.

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