Die Gipps Aero GA8 Airvan von OFD ...

Gipps Aero GA8 AirvanIn Ostfriesland fliegt ein Unikat

Der australische Hersteller Gipps Aero lieferte nur knapp zwei Dutzend GA8 Airvan nach Europa. Ein einziges Exemplar fliegt heute noch im Linieneinsatz - beim Ostfriesischen Flugdienst OFD.

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Sie ist ein unscheinbares Leichtgewicht mit 1,8 Tonnen maximalem Startgewicht. Und sie arbeitet fern der Heimat. Das einmotorige Flugzeug wurde im australischen Bundesstaat Victoria gebaut und verbindet seit 2005 die deutsche Nordseeinsel Borkum mit Emden in Ostfriesland.

Es ist ein Unikum. Denn es ist die einzige GA8 Airvan im regelmäßigen Linienverkehr in Europa. Hersteller Gipps Aero fertigte von 2000 bis 2020 insgesamt 262 Exemplare des sechssitzigen Fliegers. Sie weisen eine geräumige Kabine, große Schiebetür und fakultativen Gepäckcontainer unter dem Rumpf auf. Nur 22 davon fanden den Weg nach Europa, drei nach Deutschland.

Spezialisiert auf für Transportaufgaben in abgelegenen Gegenden

Eines davon ist die D-EOLF beim Ostfriesischen Flugdienst OFD, die einzige im europäischen Linienverkehr eingesetzte, während alle anderen in Europa meist Fallschirmspringerclubs als Absetzflugzeug dienen. Entwickelt wurde die Gipps Aero GA8 Airvan speziell für Transportaufgaben in abgelegenen Gegenden, wie dem australischen Outback.

Das deutsche Unikum machte sich im Oktober 2005 noch mit dem Werkskennzeichen VH-IMI und Baunummer 80 auf den langen Weg vom äußersten Südosten Australiens nach Ostfriesland und ist seitdem an der Heimatbasis des OFD stationiert. Sie verbindet von dort aus die nordwestlichste deutsche Nordseeinsel Borkum mit dem Festland - und so trägt sie auch den Taufnamen der größten der Ostfriesischen Inseln.

Gipps Aero GA8 Airvan löste andere Modelle ab

Früher kamen auf der Verbindung zweimotorige Cessnas oder Britten-Norman Islander zum Einsatz, bis man sich nach einem adäquaten Ersatz für die Strecke umschaute. Man fand man ihn in Australien. Neben den Linienflügen finden mit der Borkum auch Rund- und Charterflüge statt, zu einer anderen Nordseeinsel wird sie nicht eingesetzt.

Neben der Gipps Aero GA8 Airvan setzt OFD derzeit noch zwei Britten-Norman Islander mit den Kennzeichen D-IOLK und D-IOLO ein. Die D-EOLF trägt die traditionelle Bemalung der Vorläuferin OLT mit einer weißen Möwe auf rotem Untergrund, was die Tradition des Unternehmens mit Inselflugverkehren unterstreicht.

Mahindra stellte Produktion ein

Hersteller Gipps Aero in Australien, früher einmal Gippsland Aeronautics, wurde 1977 gegründet und 2009 an die indische Mahindra Aerospace verkauft. Neben der Airvan 8, wie das Modell nun offiziell heißt, mit Kolbenmotorantrieb, entwickelte man auch die zehnsitzige GA10 Airvan 10 mit Turbopropantrieb und erwarb die Rechte an der 17 sitzigen GAF N-22B und N-24 Nomad, ein zweimotoriger Turboprop der Government Aircraft Factories Australiens, die man zur 18 sitzigen GA18 Airvan 18 zur oberen Abrundung der Produktpalette weiterentwickeln wollte.

Allerdings kam es dazu nicht mehr, denn die indische Gruppe stellte die Produktion der Gipps Aero-Flieger ein und schrieb das Tochterunternehmen zum Verkauf aus. Es hofft nun auf eine Beteiligung eines Anbieters von emissionsarmen oder –freien Flugzeugen mit Wasserstoff- und/oder Elektroantrieb zur Wiederaufnahme der Produktion mit den neuen Antriebsarten.

Tecnam P2006 als Nachfolgerin

Die Produktpalette mit Fliegern mit sechs, zehn und achtzehn Sitzen ist interessant, speziell mit nachhaltigem Antrieb. Außerdem bewähren sich alle Modelle speziell im Inselverkehr sehr gut. Im Gegensatz zu den zahlreichen weltweiten kompletten Neuentwicklungen im emissionsfreien Flugverkehr, müsste hier lediglich der Antrieb neu zugelassen werden und nicht das ganze Flugzeug. Doch für OFD stellt dies keine Alternative dar. Denn noch ist nicht absehbar, wann und ob es einen Airvan-Nachfolger geben wird.

Aufgrund der Herausforderungen im Hinblick auf Wartung und Ersatzteilbeschaffung hat OFD inzwischen auf eine Flottenerneuerung gesetzt und sich für Flieger von Tecnam entschieden. Diese schnellen, zweimotorigen P2006T mit Einziehfahrwerk bieten Platz für fünf Passagiere war der ideale Nachfolger für die Airvan und die Islander. Aber auch die größere neunsitzige Tecnam P2012 käme in Frage, insbesondere wegen der kurzen Piste auf Helgoland, natürlich in der Stol-Variante mit den Kurzstart- und Landeeigenschaften.

Aufschwung mit Seebäderdienst - und Ursprung von Cityline

Die Tecnam P2006 erfüllt alle Anforderungen von OFD, sodass noch zwei weitere Exemplare erworben wurden. Aktuell arbeitet die Fluglinie an der Zulassung der Flugzeuge aus Italien durch das Luftfahrtbundesamt, um zum Frühjahr wieder mehr Flüge zu den Inseln anbieten zu können. Für die drei Tecnams sind die Kennzeichen D-GAGE, D-GOFD und D-GOFR geplant. Aktuell prüft man zudem die Aufnahme von Flügen zwischen Emden und Juist, da FLN die Flüge nach Juist Ende Februar einstellt.

Die 1958 gegründete OLT gehört heute zu den ältesten Luftfahrtunternehmen in Deutschland. Als Lufttaxi war das Unternehmen zunächst nur auf den Seebäderdienst an der deutschen Nordseeküste spezialisiert. Aus ihr gründete sich 1974 die DLT, die spätere Lufthansa Cityline. Mit der Übernahme der Roland Air aus Bremen wurde seit 1991 das Streckennetz des Flugunternehmens kontinuierlich europaweit ausgeweitet. Zunehmende Konkurrenz durch Billigfluganbieter auch am Bremer Flughafen führte im Jahr 2011 schließlich zum Verkauf der Sparte Regionalflug der OLT, aus der sich 2012 die OLT Express gründete.

Zurück zu den Wurzeln

Heute fliegt die als OLT gegründete OFD von Emden nach Borkum und zu den Ostfriesischen Inseln sowie von Nordholz/Spieka und Heide/Büsum nach Helgoland. Damit ist sie Garant für eine schnelle Verbindung zur Insel. Auch Zeitungen, eilige Medikamente und Versandhauslieferungen werden auf diesem Wege schnell auf die Inseln befördert.

In der oben stehenden Bildergalerie sehen Sie Fotos der Gipps Aero GA8 Airvan von OFD Ein Klick aufs Bild öffnet es im Großformat.

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