Eigentlich sollte der A350 F bereits seit vergangenem Jahr fliegen. Doch Airbus musste den Erstflug und die erste Auslieferung des neuen Frachters immer wieder verschieben. Zuletzt hat Konzernchef Guillaume Faury eine weitere leichte Verzögerung angekündigt. Der Erstflug werde «vor Ende des Jahres», sagte er. Zuvor wurde das dritte Quartal genannt.
Die Flugerprobung werde danach sofort beginnen und es folge ein «ein sehr intensives Flugerprobungsprogramm». Ziel sei es, «die Zertifizierung und die erste Auslieferung idealerweise bis Ende nächsten Jahres zu erreichen», so Faury. Derweil arbeiten die Ingenieurinnen und Ingenieure von Airbus weiter an den Tests vor dem Jungfernflug.
Es geht darum, das Flatterverhalten im Flug zu überprüfen
Anfang des Jahres haben sie Bodentests am ersten A350 F in der Endmontagelinie in Toulouse durchgeführt. Parallel dazu fanden in Bremen Erprobungen an Prüfständen für den Antrieb des Hauptdeck-Frachttors (Englisch: Main Deck Cargo Door) sowie für das Frachtladesystem (Cargo Loading System) statt. Im Juni wurden dann über drei Tage hinweg Vibrationstests am Boden (Ground Vibration Test) in Toulouse durchgeführt.
Bei solchen Untersuchungen wird das am Boden stehende Flugzeug künstlich in Schwingung versetzt, um seine dynamischen Eigenschaften wie Eigenfrequenzen und Dämpfungen zu messen. Es geht vor allem darum, das Flatterverhalten im Flug zu überprüfen. Flattern sind gefährliche, unkontrollierte Schwingungen, die sich selbst verstärken.
Vorher wurde der Airbus A350 F virtuell getestet
Dabei schaukeln sich elastische Teile wie etwa biegsame Tragflächen und die Kräfte des Flugwinds gegenseitig so unkontrolliert auf, dass das Bauteil im schlimmsten Fall abbrechen kann. Deshalb führen die Ingenieurinnen und Ingenieure bei der Entwicklung bereits intensive Simulationen am Computermodell und im Windkanal durch. So können sie Flattern durch konstruktive Anpassungen verhindern.
Die Vorbereitungen für die Vibrationstests am Airbus A350 F begannen bereits mehrere Tage zuvor. So installierten die Fachleute Sensoren, elektrodynamische Schwingungserreger sowie die Datenerfassungskette. Zudem wurde das Flugzeug gewogen und für die Tests konfiguriert.
Flugschwingungstests in ersten drei Monaten der Kampagne
Bei den Tests versetzten die externen Schwingungserreger am Rumpf, an den Flügelspitzen sowie dem Heckkonus und die Bewegung der eigenen Steuerflächen den Airbus A350 F in Schwingungen. Die Sensoren erfassten dabei das Verhalten. Dadurch ließen sich die «strukturellen Eigenschaften genau bestimmen», erklärt Airbus.
Nach Abschluss der Tests habe «allgemeine Einigkeit» darüber geherrscht, dass die Ergebnisse von hoher Qualität seien und «insgesamt gut mit den Vorhersagen des theoretischen Modells übereinstimmten», so der Flugzeugbauer. Danach habe man letzte Nachbearbeitungen und Modelloptimierungen durchgeführt. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für die nächste Phase in diesem Bereich: die Flugschwingungstests, die in den ersten drei Monaten der Flugerprobungskampagne durchgeführt werden.
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