Der Airbus A380 hat nach der Pandemie eine Renaissance erlebt. Und das, obwohl es zeitweise so aussah, als hätte Covid-19 sein Ende eingeläutet. Doch dann kam es anders. Um die sprunghaft zurückgekommene Nachfrage bedienen zu können, und weil neue große Flugzeuge wie die Boeing 777 X sich stark verzögerten (und in diesem Fall noch immer nicht verfügbar sind), mussten Fluggesellschaften umplanen. Lufthansa holte ihre Airbus A380 zurück und investiert jetzt sogar in die Kabinen, Emirates plant mit dem Doppelstöcker bis weit in die 2040er-Jahre.
Qantas schlägt nun den entgegengesetzten Weg ein. Die australische Fluggesellschaft zieht den Abschied von ihren zehn Airbus A380 vor. Statt die Superjumbos wie bisher geplant ungefähr ab dem Geschäftsjahr 2032 auszuflotten, beginnt sie den schrittweisen Rückzug bereits 2028.
Hohe Treibstoffpreise machen den Airbus A380 für Qantas teurer
Ein Grund dafür sind die hohen Treibstoffpreise infolge des Konflikts zwischen Israel, den USA und Iran. Hinzu kommt das Alter der Flugzeuge. Qantas erhielt den ersten Airbus A380 im September 2008, der letzte stieß im Dezember 2011 zur Flotte. Mit zunehmendem Alter steigen die Kosten für Wartung und Betrieb, so Airline-Chefin Vanessa Hudson.
Dabei ist Qantas mit dem Superjumbo durchaus zufrieden. Hudson bezeichnete den A380 als aktuell sehr wichtig für den Konzern, gerade angesichts der Nachfrageentwicklung infolge des Nahost-Konflikts. Das Flugzeug sei für Qantas außerordentlich wertvoll und sowohl innerhalb des Unternehmens als auch bei den Kundinnen und Kunden beliebt. Trotzdem überwiegen langfristig offenbar die wirtschaftlichen Argumente.
Airbus A350-1000 statt Airbus A380
«Mit der für April geplanten Auslieferung unseres ersten Airbus A350-1000 ULR für Project Sunrise sowie weiteren A350 und Boeing 787, die folgen werden, beginnt für die internationale Flotte von Qantas eine neue Ära», so Hudson. «Diese Flugzeuge der nächsten Generation werden die Art und Weise, wie unsere Kundinnen und Kunden reisen, grundlegend verändern. Dadurch können wir ab 2028 mit der Ausmusterung unserer A380-Flotte beginnen.»
Die als A380-Ersatz vorgesehenen Airbus A350 unterscheiden sich von der speziell für Ultralangstrecken ausgestatteten ULR-Version, die Abkürzung steht für ultra long range. Unter anderem sollen ihnen der zusätzliche Treibstofftank und die sogenannte Wellbeing Zone fehlen. Die Kabine soll dennoch dem Vierklassenkonzept der Project-Sunrise-Flugzeuge folgen. Vorgesehen sind sechs First-Class-Suiten sowie Business Class, Premium Economy und Economy. Damit geht allerdings deutlich Kapazität verloren: Während der A380 von Qantas 485 Plätze bietet, kommen die als Ersatz vorgesehenen A350-1000 auf rund 240.
Qantas sucht Übergangslösung für Airbus-A380-Ersatz
Ganz nahtlos funktioniert der Wechsel allerdings nicht. Die zusätzlichen Airbus A350, die Qantas als Ersatz benötigt, sollen erst nach 2030 eintreffen. Die Airline spricht deshalb mit Airbus darüber, bestehende Kaufrechte für Großraumflugzeuge in Festbestellungen umzuwandeln.
Andere Airlines sehen im Airbus A380 noch ein dringend benötigtes Arbeitstier. Lufthansa hatte ihre A380 zunächst vor allem zurückgeholt, um Kapazitätsengpässe zu überbrücken. Schon 2023 stellte Konzernchef Carsten Spohr dann fest, dass die Flugzeuge länger bleiben würden als zunächst erwartet.
Lufthansa investiert in ihre Airbus A380
Noch viel länger plant Emirates mit dem Superjumbo. Präsident Tim Clark sprach davon, die Airbus A380 bis in die späten 2030er-Jahre und möglicherweise sogar bis in die frühen 2040er-Jahre einzusetzen. Dafür investiert die Fluggesellschaft erheblich. Allein auf der Dubai Airshow wurden Verträge im Umfang von mehr als 1,5 Milliarden Dollar abgeschlossen, um die Flotte langfristig betreiben zu können.
Sie lesen uns regelmäßig? Dann werden Sie Teil der Menschen, die unsere Arbeit möglich machen. Ihr Abo stärkt unabhängigen Luftfahrtjournalismus und sorgt zugleich für ein werbefreies Leseerlebnis. Und das für den Preis von weniger als einem Getränk am Flughafen. Jetzt hier klicken und abonnieren