Die Hydra ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, ein vielköpfiges Ungeheuer, meist als schlangenartiges Wesen mit mehreren Köpfen dargestellt. Wurde ihr einer dieser Köpfe abgeschlagen, wuchsen dafür zwei neue nach. Der Sage nach gelang es erst Herakles, sie zu besiegen, indem er die Wundstellen nach jedem Schlag sofort mit Feuer versiegelte, sodass keine neuen Köpfe mehr nachwachsen konnten.
Realistisch umsetzbares Kleinflugzeug als Versuchsträger
In diesem Jahr war das Teilnehmerfeld mit 16 Teams besonders groß. Sie hatten nur vier Monate Zeit, doch der Ablauf orientierte sich an der Entwicklung echter Flugzeuge. Erstmals standen den Studierenden erfahrene Mentorinnen und Mentoren des DLR zur Seite.
Die Aufgabe bestand darin, ein realistisch umsetzbares Kleinflugzeug als fliegenden Versuchsträger zu entwerfen, mit dem sich neue Luftfahrttechnologien unter realen Flugbedingungen testen lassen. Das Konzept soll als Brücke zwischen Forschung und Marktreife für die kommerzielle Luftfahrt ab 2050 dienen.
Hydra setzt auf schnell tauschbare Antriebsmodule
Der Gewinnerentwurf ist ein völlig neu entwickeltes Testflugzeug für die Wasserstofftechnologie von morgen. Das Besondere: Der Antriebsstrang sitzt in austauschbaren Containern, die sich als Module ein- und ausbauen lassen. Innerhalb eines Arbeitstags kann so zwischen Brennstoffzellen und Wellenleistungsturbinen mit Generatoren gewechselt werden. Dieses Prinzip dürfte dem Konzept auch seinen Namen gegeben haben.
Die Studierenden setzen dabei auf mehrere Energiequellen. Flüssiger Wasserstoff dient als Primärenergie, Batterien fungieren als zusätzlicher Speicher. Die Elektromotoren sind so verteilt, dass jeweils drei Propeller an den Außenkanten der Tragflächen sitzen, um die Aerodynamik zu verbessern. Das DLR schreibt zum Siegerkonzept: «Die modulare Gestaltung erlaubt Flugtests nahe der Flugleistungsgrenzen - insbesondere zur Untersuchung der Leistungsdynamik und des Wärmemanagements - und dient der Validierung theoretischer Modelle sowie der Entwicklung zukünftiger Zertifizierungskriterien.»
TU Braunschweig und RWTH Aachen auch ausgezeichnet
Den zweiten Platz belegte das Team der TU Braunschweig mit einem Konzept namens Kangaroo. Der Entwurf konzentriert sich auf Wasserstoff-elektrische Antriebssysteme und soll die Lücke zwischen bisherigen Testflügen unterhalb von Flugfläche 100 (rund 3050 Meter) und künftigen Reiseflughöhen von Flugfläche 250 (etwa 7600 Metern) schließen. Zudem sind ein Fly-by-Wire-System sowie ein elektrothermisches Enteisungssystem vorgesehen.
Auf dem dritten Platz landete eine weitere Hydra: das Team der RWTH Aachen mit dem Konzept Hydra-X. Es soll ebenfalls den direkten Vergleich einer wasserstoffbetriebenen Brennstoffzelle und einer Wellenleistungsturbine unter realen Flugbedingungen ermöglichen. Beide Antriebsarchitekturen nutzen eine gemeinsame Flugzeugzelle und ein System mit fünf Propellern je Tragfläche und können auch innerhalb eines Arbeitstages ausgetauscht werden. Das DLR hebt zudem die große Frachttür, die modulare Systemarchitektur sowie austauschbare Flügelspitzen und einen aufklappbarer Bugbereich hervor.
Sieger darf Entwurf in Toulouse präsentieren
Die drei bestplatzierten Teams dürfen ihre Konzepte beim Deutschen Luft- und Raumfahrtkongress in Aachen vorstellen. Das Siegerteam zeigt seinen Entwurf zusätzlich bei der European Aerospace Science Network Conference 2026 in Toulouse.
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