«Der A350 F verfügt über das branchenweit größte Frachttor im Hauptdeck» - dies ist eines der zentralen Argumente, mit denen Airbus für sein neues Frachtflugzeug wirbt. Bisher 14 Kunden konnte der europäische Flugzeugbauer schon vom neuen Frachter überzeugen und so Aufträge für insgesamt 101 Exemplare einsammeln. Doch was zeichnet das Tor eigentlich aus?
Das hat aeroTELEGRAPH sich bei einem Besuch des Airbus-Werks in Bremen angeschaut. Dort betreibt der Flugzeughersteller zwei wichtige Testeinrichtungen. Die eine ist die sogenannte System Integration Bench, in der die Systeme des Frachttors getestet werden. Vereinfacht gesagt geht es dort darum, sicherzustellen, dass sich das Tor in allen möglichen Konfigurationen des A350 F am Boden ordnungsgemäß öffnet und schließt.
Airbus A350 F und Boeing 777 F im Frachttor-Vergleich
Das Frachttor des A350 F verschließt im Rumpf eine Öffnung, die 4,3 Meter breit und knapp 3,2 Meter hoch ist. Das Besondere ist die Breite, wie der Vergleich mit der Boeing 777 F zeigt: Die kommt auf eine ähnliche Höhe, die Breite liegt bei ihr aber nur bei 3,7 Metern.
Das Tor des A350 F öffnet sich bis zu einem Winkel von 63 Grad. Mit dem Rumpf verbunden ist es an der Oberkante über ein durchgehendes Scharnier, das aus 88 Laschen am Tor und 88 Laschen am Rumpf besteht, die ineinandergreifen. Zwei lange Bolzen werden bei der Montage eingeschoben, einer von links, einer von rechts, und durch die Laschen geführt.
Tor des A350 F lässt sich notfalls mit Akkuschrauber öffnen
Das Tor selbst, das beim echten Flugzeug aus Verbundwerkstoffen bestehen wird, wurde für den Teststand aus Zeitgründen aus Metall nachgebaut. Damit es nicht schwerer wird als das Original, gibt es gezielt Aussparungen. Das Tor wiegt zwischen 800 und 900 Kilogramm, mit allen eingebauten Systemen zwischen 1100 und 1200 Kilogramm.
System Integration Bench: Das Frachttor wurde aus Metall nachgebaut - mit Aussparungen, damit es nicht schwerer ist als das Original aus Verbundwerkstoffen. Airbus
Geöffnet und geschlossen wird das Tor nicht hydraulisch, sondern durch Elektromotoren - das dauert jeweils eine Minute. Für den Fall, dass die Energieversorgung ausfallen sollte, gibt es als Alternative einen Anschluss, über den die Frachttür mithilfe eines normalen Akkuschraubers geöffnet und geschlossen werden kann - in jeweils sechs Minuten. Im Flug ist das elektrische System deaktiviert, welches das Tor des Airbus A350 F bewegt.
In Bremen erprobt Airbus auch das Ladesystem des A350 F
Am Boden lässt sich das Tor auch öffnen, wenn 200 Kilogramm Schnee daraufliegen. Bei Windstärken von bis zu 40 Knoten (74 Kilometer pro Stunde) darf es geöffnet werden. Bläst der Wind stärker, ist eine Be- oder Entladung weiterhin zulässig, auch geschlossen werden kann das Tor dann noch. Bei mehr als 60 Knoten (111 Kilometer pro Stunde) Windstärken müssen die Arbeiten allerdings eingestellt werden. Das Flugzeug sollte dann schon in den Wind gedreht und das Tor geschlossen sein.
Die zweite A350-F-Testeinrichtung in Bremen heißt Cargo Zero. Es handelt sich um eine verkürzte Nachbildung des Rumpfes, in der das Ladesystem erprobt wird. Dabei sind Neigungswinkel von +/- 2 Grad und Rollwinkel von +/- 1 Grad einstellbar, um unterschiedliche Bedingungen zu simulieren. Die Fracht, die durchs Tor aufs Hauptdeck gelangt, wird im A350 F mit einer Besonderheit transportiert: Die motorisierten Förderrollen (Power Drive Units) am Boden des Frachtraumes lassen die Container langsam los- und ausrollen. Das verhindert, dass die Fracht beim Einladen durch zu viel Schwung mit der Wand kollidiert und Schäden verursacht.
Cargo Zero: In Blau am Boden sind die Power Drive Units zu sehen. Airbus
Das Frachttor wird 100.000 Mal geöffnet und geschlossen
Insgesamt betreibt Airbus in Deutschland und Frankreich 25 Testeinrichtungen für den A350 F. Auf einem Teststand des hinteren Rumpfes in Hamburg werden ab dem Sommer ein Jahr lang Strukturtests stattfinden. Anschließend folgen Lebensdauerprüfungen. Das Frachttor wird dazu 100.000 Mal geöffnet und geschlossen. Für die Zertifizierung ist nur ein Fünftel davon notwendig, sodass diese Tests auch weiterlaufen, wenn der Airbus A350 F schon den Betrieb aufgenommen hat, was für Mitte 2027 geplant ist.
Der Einbau des Frachttores in die F-WXLD. Airbus
Am 21. April kam bei Airbus in Toulouse das erste Frachttor aus Verbundwerkstoffen an, das im Werk im spanischen Illescas gebaut worden war. Es folgte der Einbau in das Testflugzeug, das das Kennzeichen F-WXLD und die Seriennummer 700 trägt. Es wird zusammen mit dem Jet mit der Kennung F-WCGO (701) eine neunmonatige Testflugkampagne absolvieren, beginnend mit dem Erstflug, der wohl im September stattfindet. Die beiden Flugzeuge übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben.
Die F-WXLD, hier zu sehen im November 2025: Wo sich damals noch die blaue Abdeckung befand, ist heute das Frachttor eingebaut. Airbus
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