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Boeing redete Lion Air Simulatortraining aus

«Sieht aus, als hätte mein Jedi-Trick wieder funktioniert»

Boeing hat dem Parlament interne Nachrichten rund um die 737 Max übergeben. Sie sind nicht nur aufgrund der Wortwahl verstörend.

Boeing

Boeing 737 Max von Lion Air: Die Gruppe hätte gerne im Simulator trainiert.

Seitdem die Untersuchung der Boeing 737 Max, ihrer Entwicklung und ihrer Zertifizierung vergangenes Jahr begonnen hat, ist schon einiges Schockierendes bekannt geworden. So etwa, dass die Luftfahrtbehörde der USA mit einem Absturz des Modells alle drei Jahre rechnete. Mehr als einmal kam zudem bereits ans Licht, dass Boeing-Mitarbeiter intern vor Risiken warnten.

Am Donnerstag (9. Januar) hat der Flugzeugbauer gegenüber dem Parlament der USA nun Hunderte interne Nachrichten offengelegt. Sie stammen aus den Jahren 2013 bis 2018 und wirken – trotz allem, was schon bekannt ist – verstörend. So schrieb etwa 2017 ein Pilot von Boeing an einen Kollegen: «Dieses Flugzeug wird von Clowns entwickelt, die von Affen beaufsichtigt werden», wie die Zeitung Seattle Times und die Nachrichtenagentur Reuters aus den Dokumenten zitieren.

«Eigene Dummheit» und «Idioten»

In vielen Nachrichten zeigt sich, wie Boeing unbedingt vermeiden wollte, dass Piloten der 737 NG statt einer schnellen und günstigen Computereinführung ein Simulatortraining absolvieren müssen, um die 737 Max fliegen zu dürfen. So betonte der damalige technische Chefpilot Mark Forkner im März 2017, dass es solche Trainings nicht geben werde. «Boeing wird das nicht zulassen», schrieb er. «Wir werden uns mit jeder Aufsichtsbehörde auseinandersetzen, die versucht, dies zu einer Anforderung zu machen.»

Besonders schockierend: In einer Nachricht vom Juni 2017 tauscht sich Forkner mit einem Kollegen darüber aus, dass die Lion-Air-Gruppe gerne einen Simulator nutzen würde, nachdem die zu ihr gehörende Malindo Air die erste Boeing 737 Max erhalten hatte. Es fallen in der Konversation die Ausdrücke «deren eigene Dummheit» und «Idioten».

Lion Air Simulator ausgeredet

In einer E-Mail an einen Verantwortlichen bei Lion Air schrieb Forkner einige Tage später, dass ein Simulator absolut nicht nötig sei. Er argumentierte, dass die Behörden in den USA, Europa, Kanada, China, Malaysia und Argentinien ein kurzes Computertraining als Anforderung für den Umstieg von 737 NG auf 737 Max akzeptiert hätten.

Auch gegenüber der indischen Luftfahrtbehörde DGCA, die aufgrund von Indien-Flügen Anforderungen an die Lion-Air-Gruppe stellte, listet Forkner Behörden und Fluglinien auf, die das akzeptierten. Es funktionierte. Die Airline-Gruppe und die Behörden verzichteten auf das Simulatortraining. Forkner schrieb an einen Kollegen: «Sieht aus, als hätte mein Jedi-Gedanken-Trick wieder funktioniert!» Im Oktober 2018 stürzte eine Boeing 737 Max von Lion ab, 189 Menschen starben.

Kurswechsel erst diese Woche

Aus anderen Mails geht hervor, dass Boeing-Mitarbeiter auch Bedenken wegen technischer Mängel an den Simulatoren hatten. So sind sich in einer Mail-Konversation Anfang 2018 zwei Piloten einig, dass sie ihre Familien auch nicht in eine 737 Max setzen würden, wenn die Cockpitcrew im Simulator trainiert hätte. Der Führungsetage des Unternehmens sei es nur wichtig, Termine einzuhalten, nicht Qualität zu liefern, beklagt einer der Piloten. Boeing wähle günstige aber schlechte Zulieferer und setze unrealistische Zeitpläne.

Boeing hatte auch nach den 737-Max-Abstürzen in Indonesien und Äthiopien lange daran festgehalten, dass keine Schulung im Simulator nötig sei. Doch zuletzt sah die FAA das offenbar anders, sodass auch der Flugzeugbauer am Dienstag (7. Januar) mitteilte: «Boeing empfiehlt vor der Wiederinbetriebnahme der 737 Max ein Simulatortraining zusätzlich zum computergestützten Training für alle 737-Max-Piloten.»

Entschuldigung für Nachrichten

Nach der Offenlegung der Nachrichten erklärte Boeing am Donnerstag (9. Januar) nun, man sei sicher, dass alle Max-Simulatoren funktionierten. Zudem entschuldigte sich der Flugzeugbauer beim Parlament, der Luftfahrtbehörde FAA und den Airline-Kunden für die unangemessenen Nachrichten und deren Sprache. Man distanziere sich davon, lege sie aber im Sinne der Transparenz offen, erklärte Boeing.

 



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