UT-Air-Pilot prüft eine ATR: Waren die Tragflächen vereist?

Hat ATR ein Eisproblem?

Noch ist unklar, was zum Absturz der ATR-72 in Russland führte. Vereisung könnte eine Rolle gespielt haben - erneut.

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Die Flugschreiber wurden geborgen und bereits nach Moskau zur Auswertung gebracht. So viel steht jetzt schon fest: Von den 39 Passagieren und vier Besatzungsmitgliedern an Bord von UT Air Flug 120 kamen beim Absturz am Montagmorgen (2. April) um 3.33 Uhr mitteleuropäischer Zeit 31 Menschen ums Leben. Die ATR 72-201 der sibirischen Fluggesellschaft war am Flughafen Roschtschino in Tjumen gestartet und sollte nach Surgut fliegen. Doch rund drei Kilometer nach dem Start krachte sie in ein Feld, nachdem die Piloten eine Notlandung versucht hatten. Augenzeugen berichteten, Rauch sei aus den Propellern entwichen. Danach sei die Maschine senkrecht in den Boden gestürzt.

Für die Ermittler gilt technisches Versagen inzwischen als «wahrscheinlichste Ursache, wie Wladimir Markin, Sprecher des russischen Untersuchungsausschusses, wenige Stunden nach der Katastrophe gegenüber der Nachrichtenagentur Ria Nowosti erklärte. Ein Terrorakt wird ausgeschlossen. Vor allem die garstigen Temperaturen werden als möglicher Auslöser der Katastrophe verdächtigt. Sie könnten zur Vereisung der Motoren und Tragflächen geführt haben. Zum Zeitpunkt des Unglücks war es ungefähr null Grad kalt. Gemäß dem Flughafen-Vize Wladimir Nyesmatschnij hatte sich der Pilot entschlossen, die Maschine nicht zu enteisen. Das liege im Ermessen des Flugkapitäns. Der Chef der russischen Luftaufsichtsbehörde Rossawiatsia, Alexander Nerjadko, wies die These der Vereisung am Montagabend dann aber wiederum zurück. Er sprach davon, die Enteisung sei nicht vorschriftsgemäß durchgeführt worden.

Nicht das erste Mal

Dennoch: Vereisung war bereits zwei Mal die Ursache für einen Absturz einer ATR 72. Eine Eisschicht kann den Auftrieb verringern und zudem können absplitternde Eispartikel die Motoren beeinträchtigen. 1994 stürzte eine ATR-72 von Simmons Airlines/American Eagle in Indiana in den USA ab, welche durch Eisregen geflogen war. Die Untersuchung fand heraus, dass die Maschine besonders gefährdet für Vereisungen ist. 68 Menschen verloren damals ihr Leben. Seither durften sie nicht mehr in nördlichen Gefilden verkehren. Am 4. November stürzte eine ATR-72 von Aerocarribean in Kuba ab. Auch hier fanden die Behörden extreme meteorologische Bedingungen und Vereisung als Ursache, zusammen mit Pilotenfehlern. Auch hier starben 68 Menschen.

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