2026 ist für Fluggesellschaften ein Krisenjahr. Seit Beginn des Krieges zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite Anfang März hat sich Kerosin im Preis zeitweise mehr als verdoppelt. Vor dem Konflikt kostete ein Fass, also rund 159 Liter, 85 bis 90 Dollar, Anfang April waren es 209 Dollar. Im September stieg auch der Preis für Rohöl der Sorte Brent wieder über 100 Dollar je Fass. Air Baltic und Volotea haben im September bereits Gläubigerschutz beantragt.
Für Airlines entscheidend ist aber vor allem der sogenannte Jet-Crack, also der Preisaufschlag von Kerosin gegenüber Rohöl. Er steigt, weil Flugtreibstoff knapp ist. Laut einem internen Schreiben der Geschäftsführung von Eurowings, das aeroTELEGRAPH vorliegt, hat er sich annähernd verdreifacht. Allein für die Airline «bedeutet das im laufenden Jahr fast 250 Millionen Euro mehr Kerosinkosten als geplant – eine gewaltige Summe», heißt es darin.
Eurowings prüft Kurzarbeit für den Winter
Wie der Brief an die Belegschaft zeigt, prüft Eurowings einen drastischen Schritt: «Wir prüfen aktuell, ob die Voraussetzungen zur Durchführung von Kurzarbeit im deutschen Eurowings Flugbetrieb im Winter gegeben sind. Dazu führen wir aktuell Gespräche mit der Bundesagentur für Arbeit.» Hintergrund sind Kürzungen im Winterprogramm.
Eurowings fährt das Angebot weiter zurück
«Im Verbund mit weiteren Kapazitätskürzungen sinkt unser Angebot mit diesem ersten Schritt um rund fünf Prozent», schreibt die Geschäftsführung. Eurowings werde entsprechend weniger Flugzeuge und Crews einsetzen. Zwar seien die Flüge weiterhin gut gebucht, doch die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben werde in den traditionell schwierigen Wintermonaten größer. Besserung ist nicht in Sicht: «Erschwerend kommt hinzu, dass sich bei den rekordhohen Kerosinpreisen auch für 2027 keine Entlastung abzeichnet.»
Gegenüber aeroTELEGRAPH bestätigt Eurowings die Prüfung, will sich aber zu Details nicht äußern, solange diese läuft. Offen bleibt damit, welche und wie viele Mitarbeitende betroffen wären. Auch zu den Strecken neben Dubai macht die Airline keine Angaben. «Weitere Kapazitätskürzungen betreffen keine Strecken per se, sondern vereinzelte Frequenzen im gesamten Eurowings Netz», heißt es lediglich.
100 Stellen weniger in der Verwaltung
Daneben plant Eurowings weitere Einschnitte. Das Sofortprogramm Ebit Now soll bis Jahresende kurzfristig Kosten senken. Das Transformationsprogramm Ewolut soll unter anderem dazu führen, dass die Verwaltung bis Ende 2028 mit 100 Vollzeitstellen weniger auskommt. Verträge mit Dienstleistern, etwa beim Catering und beim Wet-Lease, will die Airline neu verhandeln.
An der Flottenerneuerung hält Eurowings fest. «Das beste Sparprogramm gegen rekordhohe Kerosinkosten sind neue, treibstoffsparende Flugzeuge», schreibt die Geschäftsführung. Und stimmt die Mitarbeitenden auf harte Zeiten ein: «Die nächsten Monate werden absehbar schwer.»
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